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Was blüht denn jetzt im Mai?
Ein botanischer Streifzug durch die Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.
So warm der Wonnemonat Mai begonnen hat, in den letzten Tagen hat er uns die kalte Schulter gezeigt und doch gibt es keinen Grund zur Traurigkeit. Kaum eine andere Jahreszeit überrascht uns mit so viel Abwechslung und Vielfalt an Blüten, wie der Frühsommer. Wer jetzt im Nationalpark unterwegs ist, kann schon mit wenigen Blicken am Wegesrand zahlreiche, unterschiedlich blühende Blumen entdecken. Als besondere Empfehlung dürfen wir Ihnen diesmal den Hochwasserschutzdamm ans Herz legen.
Der Rad- bzw. Weitwanderweg auf der Dammkrone und der etwas tiefer gelegene Begleitweg geben einen unmittelbaren und hautnahen Einblick auf die gut einsehbaren Böschungen. So kann man eine Vielzahl an Blumen bewundern, ohne durch Wald und Wiese zu „trampeln“ – ein lebendes Herbarium, wie es kein botanischer Garten besser zu bieten hätte. Von Wien ausgehend, zieht sich der Schutzdamm über 50 km bis zur Marchmündung. Vor mehr als 100 Jahren wurden er mit einfachsten Mitteln in Erd- und Steinbauweise gefertigt. Ein von Menschhand errichteter Zweckbau - und doch bietet er heute zahlreichen Pflanzen einen besonderen Lebensraum.
Eine Erhebung vor einigen Jahren konnte über 400 Arten nachweisen. Wer besondere Ambitionen hat, die botanischen Geheimnisse zu lüften, der sollte nicht darauf verzichten, mit einem entsprechenden Bestimmungsbuch auszurücken. Für Abwechslung auf Ihrem Spaziergang sollte jedenfalls gesorgt sein.
Aus der langen Liste von Pflanzen wollen wir heute zunächst zwei zierliche Blumen herausheben:
Die Schopfige Kreuzblume (Polygala comosa) wird maximal 20 cm hoch, bleibt oft aber kleiner. Wie viele andere Pflanzen, die am Schutzdamm zu finden sind, wächst sie auf kalkhaltigem Trocken- und Halbtrockenrasen. Sie ist über weite Teile Europas verbreitet, blüht in auffälligem Rosa und benötigt zum Gedeihen viel Sonne.
Nahe verwandt ist die Sumpf-Kreuzblume (Polygala amarella). Wie der Name bereits andeutet, wächst sie gerne auf Feuchtwiesen, weiß aber auch die Halbtrockenrasen des Schutzdammes zu erobern.
Der für den Spaziergänger auffälligste Unterschied sind die zumeist blauen Blüten.
Beide Vertreter, Schopfige - sowie Sumpf-Kreuzblume, gehören zur Familie der Kreuzblumengewächse (Polygalaceae), nicht zu verwechseln mit den Kreuzblütengewächsen (Brassicaceae), zu denen so bekannte Vertreter wie der Raps gehören!
Die Bestimmung ist nicht immer einfach, gibt es doch zu beiden Pflanzen ähnliche Arten.
Eindeutig ist dagegen der Osterluzei (Aristolochia clematitis) zu erkennen. Die Pflanze kann bis zu 80 cm groß werden. Ihre Stängel sind unverzweigt und tragen zahlreiche noch oben gebogene, trichterförmige gelbe Blüten. Die Blätter sind lang gestielt und herzförmig. Der wissenschaftliche Name deutet darauf hin, dass die Pflanzen zu frühen Zeiten als Wehen fördernd galten und daher bei Geburten zum Einsatz kamen oder sogar als Mittel zum Schwangerschaftsabbruch genutzt wurden. Äußerlich angewendet, behandelte man dereinst auch Wunden und Schlangenbisse.
Obwohl der Osterluzei in manchen Werken bis heute als homöopathisches Mittel auftaucht, ist von der Verwendung dringend abzuraten. Einige seiner Inhaltsstoffe sind giftig und gelten als gefährlich. Einzig die Raupe des Osterluzeifalters (Zerynthia polyxena) darf sich getrost über die Pflanze hermachen. Sie lebt sogar ausschließlich von ihr.
Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen

