Was blüht denn jetzt im Juli?
Ein botanischer Streifzug durch die Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.
Brütend liegt die Hitze des Sommers über der Au. Nur ab und an entlädt sich die Schwüle des Tages in einem Gewitter oder ein frischer Wind treibt ein paar Wolken über den Himmel. Dann aber fällt die heiße, feuchte Luft wieder auf Wiesen und Wälder herab und erdrückt sie mit ihrem Dunst. Der Schatten bietet nur wenig Linderung, ist er doch von den Gelsen besetzt - da bleibt man lieber in der offenen Landschaft.
Auch in der Stadt oder auf den Äckern des Marchfelds ist die Kraft der Sonne ungebrochen zu spüren und so ist die wichtigste Frage für viele Menschen: Wo findet man ein kühles, angenehmes Plätzchen? Unbestritten stehen die Badegewässer am höchsten im Kurs. Auch im Nationalpark gibt es zahlreiche Abschnitte wo man das erfrischende Nass genießen kann, doch sollte man sich vorab erkundigen, wo das genau erlaubt ist. Denn es gibt auch Bereiche entlang der Gewässer, die ausschließlich der Natur gehören, damit alle auf ihre Rechnung kommen: sowohl Mensch, als auch Tier und natürlich die Pflanzenwelt – denn um die geht es schließlich in unserer Kolumne.
Die Palette an Wasserpflanzen, denen man jetzt bei einem Badeausflug begegnen kann, ist natürlich lang und einige davon haben wir bereits vorgestellt. Nun möchten wir noch zwei weitere hausgreifen, um sie besser bekannt zu machen. Man findet sie an stark verkrauteten Altarmen oder auch bei Tümpeln; jedenfalls dort, wo sich eine ausreichend nährstoffreiche Schlammschicht gebildet hat. Mit schwankenden Wasserständen kommen sie gut zurecht. Obwohl beide eher unauffällig blühen, sind sie dennoch gut zu erkennen.
Der Ästige Igelkolben (Spargnium erectum) trägt – wie der Name schon sagt – stachelig anmutende Blüten und später auch Früchte. Es gibt separate männliche und weibliche Blüten, die getrennt auf einer gemeinsamen Pflanze sitzen. Selbstbestäubung ist dabei ausgeschlossen, da sie in zeitlicher Abfolge blühen. Bestäubt werden die Blüten durch den Wind. Bilden sich die ersten Früchte, so wirken sie recht wehrhaft. Wenn sie reif sind, zerfallen sie schließlich und werden von der Strömung oder dem Wind auf der Wasseroberfläche verteilt oder auch von Wasservögeln verbreitet. Die Pflanze kann sich ebenso über Wurzelsprosse vermehren, die in Not- oder Trockenzeiten im Erdreich überdauern. Der Igelkolben erträgt es aber auch, wenn er über einige Zeit völlig vom Wasser bedeckt wird. Den Winter überdauert die Pflanze in grünem Zustand. Ihre langen Blätter wurden einst herangezogen, um Dächer einzudecken, und Teile ihrer Stängel fanden Eingang in die Speiseliste.
Ob und in welcher Form der Gewöhnliche Froschlöffel (Alisma plantago-aqutica) als Speise dienen kann, ist eine strittige Frage. Denn einerseits heißt es, das frische Kraut hätte viel Vitamin C und eine gewisse Würze um Salate, Suppen oder Kartoffelspeisen zu verfeinern. Andererseits sagt man, dass der frische Froschlöffel für den Menschen zwar nicht gefährlich sei, aber doch noch unbekannte leicht toxische Stoffe enthält. Einig scheint man sich darüber zu sein, dass er nicht an Tiere verfüttert werden darf. Rinder können daran sogar sterben. Wie dem auch sei - nachdem wir die Pflanzen ohnehin lieber in unseren Gewässern haben, als in diversen Kühlschränken, empfehlen wir auf das reichhaltige Angebot der Gemüsemarkte zurückzugreifen und den Froschlöffel bei den Fröschen zu lassen. Dort blüht er in zarten, locker verzweigten Rispen zwischen Juni und September.
