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Alle Vöglein sind schon (bald) da – doch wie brüten sie?

Amselnest Vogelnester gelten als beliebtes Oster- und Frühlingssymbol – doch brüten alle Vögel in Nestern? Und ist Nest gleich Nest? Ein kleiner Streifzug durch die Vogelfauna des Nationalpark Donau-Auen offenbart Verblüffendes.


Zu Ostern suchen die Kinder wieder vielerorts begeistert nach mit Leckereien gefüllten Nestchen – als Symbol für die Freuden des Festes. Darüber hinaus verbinden wir ganz generell ein Nest mit Frühling, Leben, Fruchtbarkeit – erwacht doch dieser Tage die Natur wieder mit frischem Grün, Blüten und Vogelgesang. Die Vögel sind es auch, welche die typischen, halboffenen Nester kunstvoll bauen – doch tun sie das alle, und ist Nest gleich Nest? Nationalpark-Mitarbeiter und Vogelexperte Georg Frank nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die Vielfalt der Vogelwelt in den Donau-Auen.

Seeadler Die größten Nester errichten die Seeadler auf alten Baumriesen. Ist der Brutplatz gut geschützt, bleiben sie diesem dann viele Jahre treu und bauen immer weiter aus – bis zu 1.000 kg schwer wird so ein Horst! „Wer sich viele Schokohasen und bunte Eier erhofft, sollte also nächstes Jahr kein Nesterl, sondern einen Osterhorst errichten!“, schmunzelt Frank. Das größte Seeadler-Nest in Österreich befindet sich bei uns im Nationalpark Donau-Auen.


Ein anderer Großvogel, der heimlich in vom Menschen möglichst ungestörten Waldgebieten brütet, ist der Schwarzstorch: seine Nester gleichen jedoch eher großen Plattformen. Der Weißstorch hingegen hat sich als Kulturfolger für die Errichtung seines Nestes auf Schornsteine, Dächer und Strommasten spezialisiert. Die einzige baumbrütende Kolonie hierzulade findet sich bei Marchegg. Bis zu 500 kg erreicht so ein Storchenhorst.

Der kleinste Vogel Mitteleuropas, das Wintergoldhähnchen (nur 9 cm Körpergröße, wenige Gramm schwer) baut hingegen entsprechende Miniatur-Nestchen. Es lebt jedoch vor allem in Nadelwäldern und ist daher in den Donau-Auen kaum anzutreffen. Dort besetzen andere Vogelarten die Nische der Baum- und Strauchbrüter, weiß Frank: Besonders gern flechten Amsel, Sing-, Mistel- und Wacholderdrossel da ihre napfförmigen Nester.

Teichrohrsänger Ein besonders kunstvolles Nest errichtet die Beutelmeise: ein kuscheliges, kugeliges Gebilde mit schmalem Eingang. Ähnlich das enge Nest der Schwanzmeise - nach dem geduldigen Brüten ist oft der namensgebende, lange Schwanz regelrecht verbogen und steht im 90°-Winkel vom Körper ab.


Besondere Spezialisten finden sich in den Schilfzonen der Altarme: Hier weben die Sumpf-, Teich- und Drosselrohrsänger ihre Nester zwischen die Halme, selbst bei starkem Wind wiegen sie sich elegant mit dem wogenden Schilf. Manche Nester schwimmen gar – diese Strategie wählen etwa Zwergtaucher und Blässhuhn.

Die ersten Schwalben kehren schon bald aus ihrem Winterquartier zurück und haben sehr unterschiedliche Vorlieben: die Mehlschwalbe „klebt“ ihre Lehmnester außen unters Dach an die Hausfassade. Die Rauchschwalbe hingegen ist darauf angewiesen, dass Scheunen und Ställe offenstehen und sie einfliegen kann, um im Innenraum ihr Nest anzulegen.
Eine weitere Besonderheit ist die Uferschwalbe: sie gräbt - wie auch der Eisvogel oder der Bienenfresser - ihre Bruthöhlen in steile Erdanrisse von Ufern. Heute sind naturnahe Flusslandschaften selten geworden und die Uferschwalbe musste in von Menschen gemachte Standorte ausweichen, wie Sand- und Lehmgruben. „Im Nationalpark Donau-Auen ist die Uferschwalbe nur mehr ein unregelmäßiger Brutvogel, aber der Eisvogel findet noch ausreichend geeignete, vom Fluss abgegrabene Wände bei uns“, so Frank.

Flussregenpfeifer-Gelege Bekannter sind die Bruthöhlen unserer verschiedenen Spechte – als Zimmerleute legen sie diese in Baumstämmen an. Manche Vögel bauen hingegen nicht selbst. Meist, weil sie die Nester anderer Vögel nutzen. Die Stare schlüpfen in Spechthöhlen, der in Österreich seltene Waldwasserläufer ist Nachnutzer in Drosselnestern – und eine Besonderheit in den Auwäldern Ostösterreichs ist die Einnistung des Uhus. Eigentlich brütet er in Felswänden und Nischen, doch in den Donau-Auen ist er vor einigen Jahren als Brutvogel neu eingewandert und hat es sich in den Nestern des Mäusebussards gemütlich gemacht.
Eine besondere Taktik wählt bekannter Weise der Kuckuck: Wozu selber ein Nest bauen, wenn man sein Ei auch einem Wirtsvogel unterjubeln kann.


Ein überaus spannendes Nichts von einem Nest haben die Kiesbrüter zu bieten! Dort, wo der Fluss noch natürliche Schotterbänke und –inseln aufschüttet, formt der Flussregenpfeifer eine einfache Nistmulde und legt darin seine perfekt getarnten Eier ab.
Und neben dem Osterhasen gibt es natürlich auch noch andere Tiere, die ihre Nester in die Frühlingswiese oder auch auf den Acker bauen: gut versteckt sind etwa die Gelege der Feldlerche oder jene des Wachtelkönigs.

Schwarzmilan Unendlich groß ist also die Vielfalt der Nester, die Verschiedenheit der Standorte und der Baustoffe. Neben Naturmaterialen wird auch Abfall recycelt: Bekannt dafür ist etwa der vom Aussterben bedrohte Schwarzmilan, der im Nationalpark ein wichtiges Rückzugsgebiet gefunden hat. „Er holt sich regelmäßig Stoff-Fetzen, Lumpen und Unrat von der Mülldeponie, um damit sein Nest auszukleiden!“, berichtet Georg Frank abschließend.


Es zeigt sich rasch: Um diese Vielfalt an Vögeln und ihre Fülle an Nestbauweisen zu erhalten, braucht es auch strukturreiche Landschaften mit Offenflächen, ausgedehntem Waldanteil, Baumriesen und Totholz, Hecken, Uferzonen und Röhricht – kein Zufall also, dass im Nationalpark Donau-Auen über 100 brütende Vogelarten nachgewiesen sind! ...