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Aktuell

Aus dem Tagebuch der Nationalpark-Ranger: Der "Power-Ranger" Lehrgang!

Theorie... Teilnehmerin Eva Maria Bachinger erzählt, wie sie die derzeit laufende Ausbildung erlebt!


„Zeitmanagement!“ Ohne Kollege Ronnies Zwischenruf wären wir alle hilflos. Er sorgt während des derzeit laufenden Lehrgangs zum zertifizierten Nationalpark-Ranger verlässlich für Ordnung und Disziplin. Pausen würden ausarten, Diskussionen während und vor allem am Ende des Unterrichts ebenso. Allerdings muss man anmerken: Ronnie ist vergangene Woche ein Jahr älter geworden und an seinem Geburtstag hat er die Dinge einfach laufen lassen. Das Resultat: Wir hatten Unterricht bis nach 18 Uhr! 

...und Praxis Seit Mitte Jänner werden wir im Nationalpark Donau-Auen ausgebildet. Anfangs zumeist im Eisvogelraum, der wirklich recht eisig sein kann. Wir – das sind 20 junge und ein wenig ältere Wissbegierige. Eine sehr bunte Truppe: Dabei sind nicht nur Biologinnen, sondern beispielsweise auch Forstarbeiter, Techniker und eine Kindergartenpädagogin. Da wir bereits Anfang Juli die Abschlussprüfung haben, ist das Lernprogramm intensiv und fordernd. Von Zoologie bis Botanik, Gruppendynamik, Orientierung im Gelände, Klimawandel bis Erste Hilfe, alles schon gelernt, und noch vieles mehr.

Selbstverständlich durchschauen wir bereits die komplizierte Konstruktion der Nationalpark-Gesellschaft und Verwaltung. Ebenso bestens vertraut sind wir mit der legendären Besetzung der Stopfenreuther Au. Irgendwie waren ja fast alle dabei und können uns dieses historische Ereignis aus erster Hand schildern.

Über Stock und Stein ... Die erste Zwischenprüfung Anfang April haben alle mit Bravour bestanden - auch wenn uns besonders die Geologie im Magen lag. Reliefumkehr, Flysch- und Molassezone, Variszisches Gebirge, Geschiebe und Geröll, alles klar? Jedenfalls können wir nun allen Besuchern die Entstehung des Wiener Beckens ohne mit der Wimper zu zucken erklären. Schlechter schaut es aus, wenn wir über die Schotterbänke spazieren und kaum einen Stein bestimmen können. Da wir ein gutes Bestimmungsbüchlein bekommen haben und sicher immer ein Fläschchen Salzsäure im Rucksack haben werden, sollte das in Zukunft kein Problem mehr sein. Mit links erkennen wir die Spuren von Biber und Hirsch und verstehen selbstverständlich die Eigenheiten des Ameisenlöwen!


Die Ausflüge an Thaya und Donau bisher waren Bewährungsproben, der kalte Wind pfiff uns um die Nasen. Sogar die tapferen Jagdhunde der Wiener Kollegen fingen in der Lobau zum Winseln an und bettelten um Gnade. Wir hingegen konnten zeigen wie tough wir Ranger-Anwärter wirklich sind. Ein Highlight war die botanische Exkursion: Wie üblich bei Botanikern sind wir in vielen, vielen Stunden nur ein paar Meter weiter gekommen. Besonders eindrucksvoll war auch die Wanderung in der Naturzone der Regelsbrunner Au. In diesem Gebiet bekommt man eine Ahnung davon wie eine Auenlandschaft tatsächlich aussieht, wie Wildnis annähernd sein könnte.

Zentral ist unser Lehrgangsleiter Matthias Kuhn, der im Bereich BesucherIn & Kommunikation tätig ist. Ohne seine informativen Emails, ohne seine stetige Anwesenheit im Unterricht, ohne sein Verständnis und seine beruhigenden Worte vor der Prüfung, ohne die Fotos mit flottem Ranger-Hut wäre alles nur der halbe Spaß. Ich vermute, er hat trotzdem seine Freude mit uns. Der erste gemeinsame Wein-Abend im Nationalpark Thayatal ist legendär und war – so Zeugen – „a schware Partie“. Am nächsten Tag haben aber alle tapfer bei der juristischen Vorlesung durchgehalten.


Nicht umsonst werden wir „Power-Ranger“ genannt.

Eva Maria Bachinger
Journalistin und Teilnehmerin des aktuellen Lehrgangs
zum zertifizierten Nationalpark-Ranger