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Die Farben des Winters

Hagebutte Winter in der Au – Alles grau in grau? Mitnichten! Zahlreiche Farbtupfer warten im Nationalpark Donau-Auen darauf, erspäht zu werden …


Wenn die Herbstwinde die verbliebenen Blätter von den Bäumen geweht haben und die letzten Wiesenblumen, die dem kalten Wetter noch getrotzt haben, auch verschwunden sind, dann steht der Winter endgültig vor der Tür. Ab dem 22. Dezember dürfen wir auch astronomisch betrachtet vom Winter sprechen. Wir Menschen machen es uns nun in unseren Wohnungen gemütlich und bringen mit allerlei Kerzenschein und bunter Weihnachtsdekoration Licht und Farbe in unser Leben. Die Natur da draußen erscheint uns nur grau in grau. Ein Ausflug dorthin? – Lohnt sich nicht, hört man oft.

Doch so ein Winterspaziergang im Auwald hat auch in der kalten Jahreszeit seinen ganz besonderen Reiz. Und bei genauerem Hinsehen merkt man, dass da zwischen dem Grau und trüben Weiß auch viele Farbtupfer sind, die jetzt besonders hervorstechen – schließlich verbergen keine Blätter die Sicht! Als erstes fallen natürlich die vielen Früchte auf, die an den Sträuchern teilweise bis zum Ende des Winters hängen und eine wichtige Nahrungsquelle für viele Singvögel, aber auch für Kleinsäuger darstellen. Sie sind also nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch sehr nützlich. Viele von ihnen (wie die Früchte der Hagebutte oder des Weißdorn) sind aufgrund ihrer Inhaltsstoffe auch für uns Menschen sehr hilfreich.

Laubholzmistel Schnell bemerkt man bei seinem Spaziergang auch, dass längst nicht alle Blätter von den Bäumen gefallen sind. In größeren und kleineren Kugeln hängen Laubholzmisteln in den Zweigen. Die immergrünen Blätter fallen jetzt an den kahlen Ästen ihrer Wirtsbäume besonders auf. Findet man eine Mistel am Boden, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Früchte – die kleinen weißen Kugeln wirken wie Perlen einer Kette. Nur sind sie wesentlich klebriger, schließlich sind sie ja auch nicht als Schmuck gedacht, sondern dienen einigen Vögeln als Winternahrung. Hängt man sich das gefundene Mistelbüschel zu Hause an den Türstock, hat man das Glück für nächstes Jahr sozusagen schon fix gepachtet – noch heute gilt die Mistel als glücksbringende und dämonenabwehrende Pflanze.
 

Seidenschwänze Schon etwas mehr Glück braucht man, um „bewegliche Farbtupfer“ zu entdecken – aber gerade die fehlenden Blätter erhöhen die Chance, um z. B. einen „fliegenden Edelstein“, wie der Eisvogel auch genannt wird, zu erspähen. Sein knalloranges Brustgefieder und die eisblauen Deckflügel sind um diese Jahreszeit besonders gut zu sehen. Wenn Väterchen Frost im hohen Norden besonders arg wütet, kann man in den Donau-Auen mit etwas Glück ganze Trupps von Seidenschwänzen beobachten, die den Winter dann in Mitteleuropa verbringen – ein Ereignis, das man sicher nicht so schnell vergisst. Aus der Ferne wirken die knapp starengroßen Vögel eher unauffällig rostgraubraun, aus der Nähe sind sie jedoch sehr auffällig, bunt und schön gezeichnet.
 

Kleiber Weitaus häufiger sieht man den Kleiber, wie er die Baumstämme rauf- und runterturnt – immer auf der Suche nach Insekten. Aber auch Buntspecht, Blau- und Kohlmeise, Buchfink und Eichelhäher geben bunte Farbtupfer ab und sind jetzt leichter zu beobachten als im Sommer. Nach einem Singvogel sollte man 2016 besonders Ausschau halten: dem Stieglitz (Distelfink)! Schließlich ist dieser besonders farbenfrohe Vertreter der „Vogel des Jahres 2016“ – er steht als Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in unserer Kulturlandschaft und den Siedlungsgebieten.


Zieht dann noch ein Seeadler am Himmel stolz seine Kreise, dann hat es sich dieser Tag endgültig verdient, im Kalender rot angestrichen zu werden. Im Winter beherbergen die Donau-Auen östlich von Wien neben 5 Brutpaaren auch noch zahlreiche Wintergäste aus dem Osten – die Wahrscheinlichkeit, einen dieser imposanten „Könige der Lüfte“ vorbeifliegen zu sehen, ist also nicht so gering!

Wintersonne Wenn dann die untergehende Wintersonne den Auwald und die Donau mit einem sanften rotgoldenen Schimmer überzieht, wird es Zeit, nach Hause zu gehen und sich bei Punsch oder Tee wieder aufzuwärmen. Wer sich aber für die Donau-Auen erwärmt hat, wird sicher wieder kommen – und wer nicht nur staunen will ob der Vielfalt, die der winterstarre Wald zu bieten hat, sondern auch seinen Wissensdurst stillen möchte, kann bei geführten Winterwanderungen im Nationalpark beides miteinander verbinden. Wie schon in den letzten Jahren gibt es auch in diesem Winter wieder die bewährten Exkursionen „Überleben bei Kälte, Eis und Schnee“, sowie „Gefiederte Wintergäste der Donau-Auen“. Genaue Auskünfte und Termine unter Tel. 02212/3555 und schlossorth@donauauen.at.