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Keimende Pflanzen - jetzt im Dezember?

Winter in der Au Ein botanischer Streifzug durch den Nationalpark Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.


Heute haben wir ein hoffnungsfrohes und lebensbejahendes Winterthema zu besprechen: Das Sprossen und Keimen.
Auf den ersten Blick scheint es besser in das Frühjahr zu passen, doch das stimmt nur zur Hälfte. Bevor wir aber ins Philosophieren geraten, beginnen wir am besten mit einer Definition des Begriffs.

Unter der Keimung versteht man im Allgemeinen das beginnende Wachstum eines Samens. Dafür ist der Embryo des künftigen Gewächses mit einem ausreichenden Paket an Nährstoffen ausgerüstet. Aus diesen Reserven bezieht er seine Kraft. In einem ersten Schritt wird zunächst eine Wurzel gebildet, die der Pflanze Halt gibt und für die Versorgung mit Wasser und Mineralstoffen verantwortlich ist. Anschließend folgen die ersten oberirdischen Teile, die später mittels Photosynthese den lebensnotwendigen Zucker erzeugen.

Keimling Der geschilderte Prozess darf nicht zu spät, aber auch nicht zu früh einsetzen. Hat der Same den idealen Start verpasst, dann sind die besten Lebensräume schon besetzt oder er stirbt ab, weil er verdorrt bzw. die Reserven vor dem Aufkeimen verbraucht sind. Beginnt er zu früh, so können widrige Umstände der jungen, zarten Pflanze schnell ein Ende setzen. Der Same reagiert also sehr sensibel und wartet den idealen Zeitpunkt ab, um sein neues Leben zu beginnen. Gesteuert wird dies auch durch äußere Faktoren wie Licht, Wasser, Sauerstoffversorgung und Wärme.


Natürlich können die Samen nicht im harten Winter austreiben. Aber es gibt Pflanzen, die tiefe Temperaturen brauchen, damit sie überhaupt keimfähig werden. Man spricht dann von Kalt- oder auch Frostkeimern. Samen enthalten nicht nur keimfördernde Stoffe, die freigesetzt werden, sobald die Bedingungen ideal sind, sondern auch keimhemmende Stoffe, die einen “falschen” Wachstumsschub verhindern. Bei den Kaltkeimern werden die keimhemmenden Stoffe durch niedrige Temperaturwerte abgebaut. Erst dann sind die Pflanzen im Frühjahr zur Keimung bereit. Für sie heißt es also: Ohne Winter auch kein Wachstum!! Wer solche Pflanzen im eigenen Garten vermehren möchte, sollte die Samen also schon im Herbst ausbringen, damit sie der Frost bereit macht. Werde sie erst zur warmen Jahreszeit gesät, wartet man vergeblich auf das zarte Grün der jungen Pflanzen. Die Samen denken gar nicht daran zu keimen. Kauft man solche Samen im kommenden Frühjahr im Gartenfachhandel, so sind die Samen bereits vorbehandelt (stratifiziert), damit sie bei gutem Wetter gleich “anspringen”.

Hagebutte Neben diversen Getreidesorten zählen auch Mohn oder Spinat zu den Kaltkeimern. Bei uns in der Au sind es Pflanzen wie Blaustern, Bärlauch, Aronstab, Brennessel, Breitwegerich, Pimpernuss, Buschwindröschen, Froschlöffel, Gundelrebe, Hagebutte, Knoblauchrauke, Schwertlilie, div. Veilchen und … und … und. Die Liste ließe sich über viele Zeilen fortsetzen.


Übrigens wird in der Botanik auch das Austreiben von Wurzeln nach Frost- und Dürreperioden als Keimung bezeichnet. So kann man auch das Sinnbild verstehen, wenn der Prophet Jesaja den kommenden Messias als “Spross aus der Wurzel Isais” bezeichnet. Eines der häufigsten Zitate in alten Liedtexten und Gedichten in Bezug auf die Geburt Jesu. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, neues Jahr.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen