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Nationalpark-Forum zur Rückkehr der Adler im Nationalpark Donau-Auen

Zahlreiche Gäste beim Nationalpark-Forum Rund 120 TeilnehmerInnen besuchten am 19. November das Nationalpark-Forum mit Fachvorträgen und Publikumsdiskussion im Kulturhaus Maria Ellend. Der Seeadler als Symbol erfolgreicher Naturschutzarbeit im Nationalpark Donau-Auen, jedoch zugleich weiterhin bedrohte heimische Art, stand im Fokus der Veranstaltung.


Der Seeadler war in Donau-Auen östlich von Wien viele Jahre ausgestorben, doch seit 2005 brütet er wieder im Nationalpark-Gebiet. Auch Kaiseradler und Rotmilan ziehen hier erneut ihre Jungen groß und unterstreichen die wichtige Rolle großer Schutzgebiete. Dennoch ist der geschützte Seeadler auch weiterhin vielfach gefährdet. Aus der „Adlerperspektive“ wurde daher beim Nationalpark-Forum vergangenen Freitag beleuchtet, warum die donauweite Zusammenarbeit für den Schutz der Großvögel dringend notwendig ist.

Bereits eine nachmittägliche Wanderung in der Au mit Nationalpark-Ranger Norbert Teufelbauer zur Einstimmung war gut besucht. Unter den rund 120 Gästen bei der abendlichen Veranstaltung konnte Jürgen Preselmaier, Bürgermeister von Haslau – Maria Ellend dann neben vielen Interessierten und regionalen VertreterInnen auch den Bezirkshauptmann von Bruck/Leitha Peter Suchanek begrüßen. Erstmals seit der Nationalpark-Gründung fand das Nationalpark-Forum im Kulturhaus Maria Ellend statt.
Nationalparkdirektor Carl Manzano hielt eröffnend fest, dass das jährlich stattfindende Forum neben einem aktuellen Schwerpunktthema insbesondere der Bevölkerung als Plattform dienen soll, um Fragen und Anregungen an den Nationalpark heranzutragen.

Seeadler Experte Remo Probst, tätig für BirdLife sowie WWF Österreich, stellte in seinem Fachvortrag die Biologie des Seeadlers vor, weiters die Verbreitung und den aktuellen Bestand: 2014/15 gab es im Nationalpark Donau-Auen 5 Brutpaare, zusätzlich 13 Seeadler als Wintergäste. Mit der kommenden kalten Zeit werden erneut etliche der majestätischen Greife eintreffen, 13% des gesamten Seeadlerbestandes in Österreich überwintern mittlerweile im Nationalpark Donau-Auen. Auch den weiteren Donau-Schutzgebieten kommt eine bedeutende Rolle als Seeadler-Lebensraum zu, Bemühungen des Netzwerkes DANUBEPARKS zu Schutz und Förderung dieser Leitart der Donau sind im gemeinsamen „Seeadler Action Plan“ gebündelt.


Der Nationalpark Donau-Auen stellt mittlerweile eine wichtige Quellpopulation dar: Aufgrund des guten Lebensraumes bringen die Seeadler hier Jungvögel hervor, die dann andere Gebiete in ganz Europa besiedeln, betonte Probst. In diesem Jahr wurden erstmalig 2 junge Seeadler-Geschwister, „Rudolf“ und „Sophie“, im Nationalpark mit Sendern versehen, um neue Erkenntnisse über Verhalten und Flugrouten zu gewinnen. Der männliche Jungvogel lebt jedoch nicht mehr, der Sender wurde in Ungarn gefunden, illegale Verfolgung wird als Verlustursache vermutet.

v.l.: Preselmaier, Manzano, Suchanek, Pichler, Probst Christian Pichler vom WWF Österreich ging im Folgenden konkret auf die vielfältigen Gefährdungsursachen für Seeadler ein: Illegaler Abschuss und Vergiftung, Bleivergiftung durch Aufnahme von Jagdmunition, Kollisionen mit Windkraftanlagen und Stromleitungen, Tod durch Stromschlag und menschliche Störungen am Brutplatz.


Eine besonders wirksame Schutzmaßnahme für den Seeadler-Bestand ist konsequenter Horstschutz und Beruhigung der Brutgebiete, wie im Nationalpark Donau-Auen umgesetzt. Aufklärungsarbeit wie zum Beispiel die WWF-Kampagne „Vorsicht, Gift!“ soll der illegalen Verfolgung der Seeadler gegenwirken, im Jagdbereich ist die Umstellung auf bleifreie Munition wirksam. Hinsichtlich Windkraft fordert der WWF Österreich die Einhaltung einer „Pufferzone“ von fünf Kilometern im Nahbereich von Seeadler-Lebensräumen.
Weiters ist ein Projekt in Vorbereitung: Der Nationalpark Donau-Auen erarbeitet gemeinsam mit den weiteren Partner-Schutzgebieten an der Donau sowie den örtlichen Strom-Versorgern Maßnahmen, um den Kollisionen von Großvögeln mit Energie-Infrastruktur entgegen zu wirken.

Die anschließende lebhafte Publikumsdiskussion, geleitet von Moderator Manfred Rosenberger, kreiste vor allem um die Frage, was jeder Einzelne zum Schutz der Großvögel und gegen deren Verfolgung beitragen kann – von Bewusstseinsbildung bis zur Meldung von Beobachtungen.