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Mittwoch, 25. März 2015, Orth/Donau

Plastikpartikel in der Donau – neue Erkenntnisse

Palstikgranulat Zahlreiche Medienberichte widmen sich dieser Tage erneut der Kunststoff-Fracht im Fluss. Umweltminister Rupprechter kündigte ein Zehn-Punkte-Programm an.


Seit 2009 ist durch eine Untersuchung der Universität Wien bekannt, dass in der Donau relevante Mengen an Mikroplastik transportiert werden – wobei die Herkunft der sehr unterschiedlichen Fraktionen fraglich war. Teile des transportierten Materials hatten hohe Ähnlichkeit mit Produkten der Fa. Borealis, welche die Nationalpark GmbH deshalb kontaktierte: Borealis ließ daraufhin ihre Abscheideanlagen verbessern und beauftragte die Universität Wien mit einer Studie zur Abschätzung der Mikroplastik-Fracht von Donau und Schwechat. Dabei wurde an einem der Beprobungstermine auch ein durch Starkregen ausgelöster verstärkter Eintrag dokumentiert. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im März 2014 gemeinsam mit einer Folgeuntersuchung des Jahres 2012 in einem Fachjournal veröffentlicht.

Davon unabhängig wurde von der Nationalpark GmbH Anfang November 2010 die Wasserrechts-Behörde informiert, weil entlang der Donauufer und in der Schwechat auffällige Mengen an Kunststoffpartikeln festzustellen waren. Als Herkunft ließ sich der Entwässerungskanal des Borealis-Geländes festlegen. Die NÖ Gewässeraufsicht hat darauf unmittelbar reagiert und den Betrieb überprüft. In Folge kam es zu umfangreichen Untersuchungen der Kanalisation und der Abscheider-Anlagen am Borealis-Standort, wobei ein bis dahin nicht bekannter Konstruktionsfehler der Abwasserleitungen als verursachend erkannt werden konnte. Borealis hat diese Schwachstellen umgehend behoben.

Eine weitere Studie des Umweltbundesamtes wurde im Rahmen der „Joint Danube Survey“, einer Untersuchung der gesamten Donau, 2013 durchgeführt. Dabei hat ein internationales Team aus 20 Wissenschaftern sechs Wochen lang 2.400 Kilometer Donaustrecke an 68 Probenstellen in 14 Ländern untersucht.

WWF-Jugendgruppe beim Freiwilligen-Einsatz Die Ergebnisse wurden nun publiziert: Das Umweltbundesamt errechnete, dass in Österreich rund 40 Tonnen Plastik jährlich in die Donau gelangen. Rund 300 Proben wurden dazu nahe der Eintrittsstelle der Donau in Aschach in Oberösterreich sowie in Hainburg in Niederösterreich, nahe der Landesgrenze zur Slowakei entnommen. Das Plastik stammt laut Studie zu 87 Prozent aus "diffusen" Quellen wie weggeworfenen Gebrauchsgütern, Folien, Fasern oder geschäumtem Kunststoff. Bei 13 Prozent (zehn Prozent Pellets und drei Prozent Flakes) handelte es sich um industrielle Rohstoffe


"Auf Basis der nun vorliegenden Daten können wir weitere Schritte in Angriff nehmen", kündigte Umweltminister Andrä Rupprechter dazu an. Mit einem "Zehn-Punkte-Plan" soll gegensteuert werden. Neben der Anregung eines EU-weiten einheitlichen Grenzwerts für Plastik in Gewässern und vereinheitlichten Messmethoden soll die Industrie angeregt werden, auf freiwilliger Basis mit technologischer Verbesserung ihren Anteil zu senken. Mittels Bewusstseinsbildung soll aber insbesondere auch das achtlose Wegwerfen von Plastikprodukten durch die Bevölkerung gestoppt werden.

Zur laufenden Verunreinigung durch stromab treibenden Zivilisationsmüll wie Plastikflaschen und -folien, Styroporplatten und dergleichen gibt es im Gebiet des Nationalpark Donau-Auen mehrmals jährlich Reinigungs-Aktionen mit Unterstützung durch Freiwilligen-Teams.