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Was blüht denn jetzt im Februar in der Au?

Haselblüte männlich Ein botanischer Streifzug durch den Nationalpark Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.


Bei unserem heutigen Au-Spaziergang geht es um die Wurst, genauer gesagt, um die Würstel von Haselnuss & Co. Kaum zeigt sich das Wetter ein wenig milder, da blühen sie auf. Schon ein sanfter Windstoß schüttelt den feinen gelben Staub aus den kleinen, zahlreich untereinander hängenden Blüten und trägt die mehr oder weniger großen Wolken durch den Auwald.

Haselblüte weiblich Ganz zum Leidwesen vieler, die in den nächsten Wochen wieder mit rinnenden Nasen und tränenden Augen zu kämpfen haben werden. Hilflos sind die Allergiker dem Ansturm der Pollen ausgeliefert. Im Osten Österreichs wird die Belastung durch Hasel (Corylus avellana) und Erle (Alnus sp.) an warmen Tagen schon jetzt als stark eingestuft. Dabei ist das, was für die Allergiker zur Qual wird, eine wichtige und geniale Überlebensstrategie für einige Baum- und Straucharten.


Natürlich ist es kein Zufall, dass diese Pflanzen vor allem im Frühjahr so aktiv sind. Zum einen haben die besagten Arten getrennte männliche und weibliche Blüten, womit eine einfache Selbstbefruchtung ausgeschlossen ist. Zum anderen produzieren sie (im Gegenteil zu den Weiden) keinen Nektar und können nicht darauf vertrauen, dass Insekten die Bestäubung übernehmen. Was also tun! Wie kommt der männliche Pollen zu den weiblichen Blüten, um sie zu befruchten.

Erlenblüte weiblich Kein Geheimnis, dass die genannten Pflanzen die Windkraft nützen. Der Transfer gelingt natürlich am besten, wenn alles warm und trocken ist, wenn kein Nebel oder Regen den zarten Pollen bindet. Auch Blätter werden da schnell zum unliebsamen Hindernis. Bei den Gräsern, die ebenfalls Windbestäuber sind, mag die Bestäubung auch mitten in der Vegetationszeit funktionieren, denn ihre Ähren ragen zur bestimmten Zeit immer über die Blütenpracht der Wiese hinaus und sind auch dann noch gut für den Wind erreichbar. Ähnliches gilt für hohe Bäume, die ihre Blüten weiter oben in den Kronen tragen.


Aber was macht ein Strauch, wie die Hasel, der mitten im Wald wächst, oder ein vergleichsweise kleiner Baum, wie die Erle? Da bieten die ersten Sonnenstrahlen während der unbelaubten Zeit einen großen Vorteil, den es zu nützen gilt.

Erlenblüte männlich Trotzdem ist die Befruchtung keine einfache Sache. Wer schon einmal die kleinen, rundlichen weichlichen Blüten der Haselnuss gesehen hat, weiß wovon die Rede ist. Nur ein paar zarte, purpurrote Fäden, die Narben, ragen aus des den grünen Knospenschuppen, um den Pollen aufzunehmen. Darum produziert die Haselnuss auch große Mengen. Rund 2 Millionen Pollenkörner werden je Würstel hergestellt. Diese große Ausschüttung erhöht die Treffquote ungemein. Das ist auch notwendig, denn die winzigen Pollenkörner verlieren schnell ihre Fruchtbarkeit. Umso wichtiger ist es auch, dass die weiblichen Blüten zur selben Zeit reif und aufnahmefähig sind.


Übrigens sind es nicht nur Haselnuss und Erle, die vom Wind bestäubt werden. Auch Birken, Ulmen, Hain- und Rotbuchen, Eichen, Pappeln oder Eschen nützen den Wind. Und wer sich einmal weg vom Nationalpark in die Berge wagt - auch Nadelbäume gehören zu den Windblütlern. Ja, ja, vom Winde verweht ist nicht nur für uns eine rührende Love-Story, da regen sich auch bei vielen Bäumen Frühlingsgefühle.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen