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Was blüht denn jetzt im September in der Au?

Ein botanischer Streifzug durch den Nationalpark Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.

Ein wenig kann man sich den Herbst schon vorstellen – an den einen oder anderen Tagen. Ein wenig lässt sich erahnen, wohin das Jahr uns bald schon führen wird. Und deshalb darf ich Ihnen heute zwei Vorboten dieser von Goldblättern rauschenden Zeit vorstellen. Weitgereiste Pflanzen, nicht weniger farbenfroh und strahlend. Zugegeben, sie werden nicht immer so gerne im Nationalpark gesehen, denn sie drängen an den einen oder anderen Stellen auch einmal den natürlichen Bewuchs zurück. Aber heute wollen wir uns den Luxus leisten, alleine ihre schönen und frischen Farben zu genießen.

Kanadische Goldrute Dieser Tage hoch im Kurs: die Kanadische Goldrute (Solidago canadiensis). Sie ist schon im 17. Jhdt. von Nordamerika nach Europa gekommen und besiedelt bei uns vor allem Wegränder, Brachflächen und Trockenstandorte. Dort kann sie sehr hartnäckig sein, lässt sich aber durch regelmäßige und etwas intensivere Mahd oder Beschattung recht gut in den Griff bekommen.


Die Pflanze kann 1 ½ Meter und höher werden. Sie hat eine fein gegliederte Rispe, die zahlreiche kleine Blüten trägt. Die Blütezeit hat bereits begonnen, reicht aber noch in den Oktober hinein. Die Bestäubung erfolgt durch unterschiedlichste Insekten. Übrigens beschränkt sich ihre Farbkraft nicht nur auf die auffällige gelbe Blüte. Ein bisschen davon liegt in der ganzen Pflanze verborgen. Man kann Goldruten auch zum Färben von Textilien einsetzen. Der Ton fällt dabei weniger leuchtend aus und zeigt eine deutliche braune Beimischung.

Topinambur Auch der Topinambur (Helianthus tuberosus) ist über den Atlantik zu uns gekommen. Topinambur ist eine mehrjährige Pflanze und überragt selbst die größeren Exemplare der Goldrute ohne Probleme. Deutlich über zwei Meter große Pflanzen sind keine Seltenheit. Topinambur zählt zu den Korbblütlern und steht damit in enger Verwandtschaft mit Gänseblümchen, Sonnenblume & Co. Vor Nationalpark-Zeiten wurde er dort und da auf den Äckern der Donau-Auen gepflanzt, um dem Wild eine attraktive Nahrungsquelle zu bieten, denn Topinambur bildet nahrhafte Knollen.


Diese sind nicht nur für die Tierwelt interessant, sie gelten auch in Küche als beliebte Alternative zum traditionellen Erdapfel – und das nicht erst seit neuem. Seit ihrer Überfahrt  zu Anfang des 17. Jhdt. gilt die Knolle als wohlschmeckend und kann nach zahlreichen Rezepten verarbeitet werden. Um an die feine Köstlichkeit zu kommen, brauchen Sie nicht unbedingt den halben Nationalpark umzugraben, sie können das viel eleganter im ausgewählten Gemüse- und Feinkosthandel erledigen.

Damit ersparen Sie sich eine Menge Ärger und Arbeit und können den Spaziergang durch die Donau-Auen unbeschwert genießen – immer mit dem Blick auf die Schönheiten der Natur.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen