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Welche Au-Pflanzen tragen den Winter im Namen?

Ein botanischer Streifzug durch den Nationalpark Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.


Die kalte Jahreszeit zeigt sich besonders sparsam, wenn es um das Grünen und Blühen geht. Dennoch haben wir immer wieder Pflanzen kennengelernt, die wir auch im Winter erforschen können. Heute aber werden wir es umgekehrt machen: Wir suchen keine Pflanzen im Winter, sondern den Winter in den Pflanzen.

Linden-Allee Wie wäre es etwa mit der Winterlinde (Tilia cordata)? Diese ist eine der beiden heimischen Lindenarten. Ihr Gegenüber ist die Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Auf den ersten Blick sind sich beide Arten sehr ähnlich. Vor allem im um diese Jahreszeit wird die Unterscheidung sehr schwierig. Wer Glück hat, findet aber noch ein paar Samen, die mit ihren „Propeller-Blättchen“ auf den Bäumen sitzen. Wirken sie eher rund und klein, so sind sie von der Winterlinde. Wirken sie größer und kantig, sie sind sie von der Sommerlinde. Die jungen Zweige und Austriebe der Sommerlinde gehen leicht ins grünliche, während die der Winterlinde bräunlich wirken.


Ihre Namen verdanken die beiden Linden angeblich der rund zwei Wochen versetzten Blütezeit. Hier geht die Winterlinde deutlich früher ins Rennen. Der Unterschied lässt sich auch beim Bienenhonig schmecken. Der Lindenhonig in Ihrem Glas ist der Winterlinde zu danken, denn sie bildet im Gegenteil zur Sommerlinde reichlich Nektar.

Scneeglöckchen Was wäre ein Winter ohne Schnee? Also wollen wir auch einen Blick auf unseren prominentesten Star werfen. Das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) macht seinem Namen alle Ehre. Den Wetterkapriolen können ihm nichts ausmachen und so harrt es alljährlich auf seinen großen Auftritt, der die Au in ein weißes Meer von Blüten verwandelt. Eine Legende weiß zu berichten, warum das Schneeglöckchen so zäh ist: Bei Erschaffung der Welt war es dem Schnee freigestellt, sich selbst eine Farbe zu wählen. Als er bei verschiedenen Pflanzen vorstellig wurde, um sich ihrer Farben zu bedienen, wurde er jedes Mal abgelehnt und weitergeschickt. Einzig das Schneeglöckchen zeigte Verständnis und war bereit seine Farbe mit ihm zu teilen. Als Dank für diese Großzügigkeit bekam es die Erlaubnis, auch in dieser unwirtlichen Jahreszeit zu blühen.


In Wirklichkeit hat das zarte Pflänzchen aber ganz andere Tricks auf Lager, um den harten Anforderungen zu widerstehen. Denn tatsächlich ist es in der Lage über biochemische Abläufe Wärme zu produzieren. Dabei werden auf kleinstem Raum bis zur 10°C erzeugt, die den Weg von der zierlichen Zwiebel nach oben freischmelzen.

Gemeiner Schneeball Kein Winter ohne Schneeballschlacht und auch dafür ist gesorgt. Denn mit gleich zwei Schneebällen sind wir in den Donau-Auen gut ausgestattet. Beim Gemeinen Schneeball (Viburnum opulus) und beim Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) müssen Sie allerdings noch etwas warten, bis sie in die Schlacht ziehen können.


Die ca. 7 – 9 cm großen Scheindolden, der rundlich weißen Blüten, die für ihre Namensgebung sorgen, blühen erst im späten Frühjahr aus. Während der Wintermonate fällt der Gemeine Schneeball vor allem durch seine kräftig roten Beeren auf, die zur Freude der Vögel sehr lange am Strauch bleiben.

Wolliger Schneeball Der Wollige Schneeball ist an allen Teilen der Pflanze stark behaart. Eine Besonderheit, die sich im Moment gut beobachten lässt, sind die offenen Knospen. Sie tragen keine schützenden Hüllblätter und wirken wie abgestorbene Austriebe, die vom Frost überrascht wurden. Doch der Schein trügt.


Wie alle anderen Pflanzen wartet der Wollige Schneeball nur auf den Frühling, um sich zu entfalten – doch das ist eine andere Geschichte.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen