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Welche Früchte reifen jetzt im Oktober in der Au?

Eingriffeliger Weißdorn, Blüte Ein botanischer Streifzug durch den Nationalpark Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.


Im Frühjahr haben beide noch ein feines weißes Blütenkleid getragen. Jetzt im Herbst haben sie ein dralles, rundes „Bäuchlein“ bekommen und stellen ihre kleinen, aber feinen Früchte zur Schau. Rot und Dunkelblau sitzen diese in gut bewehrten Sträuchern und warten darauf, von Ihnen entdeckt zu werden.

Da wäre zunächst der Weißdorn, genauer der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna). Er ist an Lichtungen, Waldrändern und auf den Heißländen vertreten. Letztere sind ehemalige Schotteranschwemmungen der Donau, die durch Verlagerung des Flussbettes trocken gefallen sind. Der Weißdorn wächst überwiegend als Strauch, kann aber im Alter zu einem kleinen Baum mit ansehnlichem Stämmchen und über 10 Meter hoch werden. Die 3 – 4 cm langen Blätter sind tief eingeschnitten und gelappt. Dazwischen verstecken sich unzählige Dornen, die der Pflanze Schutz vor unerwünschten Zugriff bieten. Ende April, Anfang Mai kommt sie in weißen, kleinen doldenförmigen Rispen zur Blüte.

Eingriffeliger Weißdorn, Früchte Die ersten Früchte bilden sich schon Ende August, sie sind aber noch ein wenig länger an den Sträuchern zu sehen. Sie sind eiförmig, hellrot und zunächst sehr hart. Ein wenig erinnern sie an zu klein geratene Hagebutten. Obwohl sie essbar sind, geben sie weder von der Menge noch geschmacklich viel her. Man kann sie also getrost der hungrigen Vogelwelt überlassen. Um die Wirkung als Vogelnahrung wussten auch die einstigen kaiserlichen Jagdherren Bescheid, denn die Früchte waren äußerst beliebt bei den Bronzeputern, die man dereinst als exotisches Federwild in der Lobau aussetzte und die auch später noch, bis in die 1940er Jahre dort gehegt und gepflegt wurden. Bronzeputer gibt es nicht mehr und auch viele andere Verwendungszwecke des Weißdorns haben sich erübrigt. Heute wird auch das harte und zähe Holz kaum noch benötigt. Denn Dreschflegel oder mechanische Teile aus Holz entsprechen längst nicht mehr den technischen Standards unserer Zeit.


In der Heilkunde allerdings steht der Weißdorn nach wie vor sehr hoch im Kurs. Vor allem bei Problemen mit Herz und Kreislauf zeigt er viele positive Wirkungen. Fast alle Teile des Weißdorns enthalten Wirkstoffe, die eine bessere Durchblutung der Herzkranzgefäße fördern, ausgleichend auf den Blutdruck wirken und die Herztätigkeit verbessern. Und das faktisch ohne Nebenwirkungen. Wer es genau wissen will, befrage am besten seinen Hausarzt.  Außerdem ist die Frucht reich an Vitamin C.

Schlehdorn, Blüte An ähnlichen Standorten der Au zu finden, nicht weniger reich an Vitamin C und ebenso dornig begegnet man dem Schlehdorn (Prunus spinosa). Allerdings ist er wesentlich besser im Geschmack, wenigstens, wenn man den richtigen Zeitpunkt abwartet – und das kann noch etwas dauern.

Denn obwohl die Früchte schon jetzt verlockend schön aussehen, sind sie äußerst bitter. Erst der Frost macht sie etwas verträglicher und gibt ihnen das richtige Aroma für Marmeladen, Säfte und Edelbrände. Der Geschmack ist zwar der Zwetschke ähnlich (mit welcher der Strauch auch verwandt ist), aber etwas herber und kräftiger.

Schlehdorn, Frucht Wer einen Versuch starten will, Schlehdorn zu verarbeiten, muss ordentliche Mengen sammeln, denn einen Großteil der Frucht macht der große Kern aus. Erfahrungsgemäß werfen die Sträucher der Donau-Auen nicht allzu viel ab. Zu viele tierische Abnehmer haben es auf die Beeren abgesehen.

Dann vielleicht doch besser die selbsteingemachte Leckerei aus Marille oder Erdbeere! Auch nicht schlecht und vor allem ein Hauch von Sommer in diesen trüben und kühlen Tagen.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen