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Zarte Blüten - jetzt im November?

Ein botanischer Streifzug durch den Nationalpark Donau-Auen, gewidmet von den Österreichischen Bundesforsten.


Ach, dieser November … ! Wo man hinkommt, hört man die Klage über das farblose und vernebelte Einerlei. Und überall weiß man sich zu beschweren, dass der Dezember auch nicht mehr das sei, was er dereinst gewesen ist - mehr dem November gleich, als einem ordentlichen Winter. Es fehlt eben an weißem Schnee, zauberhaftem Raureif und glitzernden Eiszapfen. Meist nur Gatsch und Matsch und überhaupt …

Dieser Tristesse wollen wir dringend Abhilfe schaffen und etwas Blütenzauber in unseren Alltag bringen. Doch wie?! So, wie es schon die Altvorderen gemacht haben, einem alten Brauch folgend, den viele heute noch pflegen. Am 4. Dezember (und der ist nicht lange hin) wird es Zeit, wieder ein paar Barbarazweige zu schneiden, in der guten Stube in eine Vase zu stellen und darauf zu hoffen, dass sie genau zum Weihnachtsfest aufblühen – denn das soll Segen für die Zukunft zeigen.

Barbarazeige Doch wie ist die Legende eigentlich entstanden? Für unsere kleine Kolumne die Kurzfassung: Barbara lebte im 3. Jhdt. und der Vater, ein strenger Mann, war sehr besorgt um die Tugend seiner Tochter. So sperrte er sie während seiner Reisen immer in einen Turm mit nur zwei Fenstern. Als er wieder einmal von einer Reise zurückkehrte, fand er eine dritte Öffnung in der Mauer. Seine Tochter gestand ihm, während seiner Abwesenheit Christin geworden zu sein und damit der Dreieinigkeit ein Zeichen setzten zu wollen. Der Vater war äußerst empört. Damals galt es nicht als schick, Christ zu werden. Im Gegenteil: Es war streng verboten und eben zu dieser Zeit herrschte eine große Verfolgung im damals Römischen Reich. Der Vater war ein „gewissenhafter“ Mann und überliefert seine Tochter dem Gericht, womit sie ihr Leben verwirkt hatte. Barbara soll sich aber die letzten Tage vor ihrem Tod mit einem Kirschenzweig getröstet haben, den Sie mit Wasser aus ihrem Becher zum Blühen brachte.


Eine harte und herbe Geschichte um die zartblühenden Zweige und wem sie nicht gefällt, der mag sich gerne eine andere ausdenken – die frisch geschnittenen Triebe sorgen jedenfalls bis heute für etwas Anmut und Zuversicht in dieser ungemütlichen Zeit. 

Natürlich werden bis heute gerne Kirschzweige für diesen Anlass geschnitten, aber nach all den Jahrhunderten haben sich auch andere Arten darunter gemischt. So können sie, wie in verschiedenen Gegenden üblich, die „Würstel“ von Birke oder Hasel zum Erblühen bringen. Man kann es allerdings auch noch bunter treiben. Wenn sie Ihnen nicht zu dornig sind, können Sie etwa mit unseren Kandidaten des Vormonats ins Rennen gehen: Schlehdorn und Weißdorn.

Barbarazweige Oder dem Gelben Hartriegel (alias Dirndl-Strauch)? Ein hübscher Kandidat in Gelb. Möglicherweise suchen Sie bei Holunder oder Rosskastanie die passende Begleitung für trübe Stunden. Ein üppiger Blüher ist auch die Traubenkirsche, um bei heimischen Wildgehölzen zu bleiben.  Was davon besonders gut „geht“ und was nicht? Probieren Sie es einfach aus. Gestalten Sie einen gemischten Strauß und finden Sie heraus, bei welchen Arten zuerst die Blüten und dann die Blätter treiben oder umgekehrt. Welcher Strauch früher und welcher später aufblüht.


Apropos blühen - wahre Profis haben die abenteuerlichsten Methoden entwickelt, um ihren Zweigen eine verlässliche Blüte abzuringen. Im Grunde aber geht es nur darum, den Frühling zu simulieren, und so begnügen wir uns mit ein paar allgemeinen Tipps: Vermeiden Sie eiskaltes Wasser – vor allem die ersten Tage. Sorgen Sie so für eine guten Start. Etwa 15 o  Wassertemperatur spornt die Pflanzen an. Wechseln sie alle zwei bis drei Tage das Wasser. Übertreiben Sie nicht mit der Raumtemperatur, die Triebe erwarten den Frühling und nicht den Hochsommer. Besprühen Sie die Zweige ab und an mit Wasser, um sie vor Austrocknung zu schützen.

Vielleicht wollen Sie zum Abschluss noch wissen, was ich denn heuer schneiden werde. Angesichts der Möglichkeiten habe ich beschlossen, ein paar „neue“ Bäume und Sträucher auszuprobieren. Wer weiß, vielleicht begegnen wir uns dabei im Auwald. Und Ehrenwort, ich werde Sie nicht verraten, wenn Sie Ihre Zweiglein ein wenig früher oder später schneiden als am 4. Dezember. Hauptsache, Sie haben etwas Farbe und Freude in diesen sonst oft so grauen Wochen.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen