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Europäische Sumpfschildkröten auf Wanderschaft

Dieser Tage machen sich wieder zahlreiche Weibchen von Österreichs einziger wildlebender Schildkrötenart auf den Weg zu den Eiablageplätzen im Nationalpark Donau-Auen. Ein Artenschutzprogramm in Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn sichert die Gelege und ermöglicht so den erfolgreichen Jungtierschlupf.
 

Wandernde Schildkröte Später als sonst sind die Schildkrötenweibchen heuer gestartet, bedingt durch die nasskalte Witterung im Mai. Doch nun werden sie von den Expertinnen und Experten im Nationalpark Donau-Auen wieder an ihren angestammten Nistplätzen angetroffen, auf trockenen Wiesen sowie am Marchfeldschutzdamm. Hier graben sie eine Gelegehöhle für ihre Eier, die dann durch die Sonnenwärme ausgebrütet werden. Anschließend kehren die Reptilien ins Wasser zurück.

Nun beginnt die Arbeit von Projektleitern Maria Schindler und ihrem Team: „Die Gelege werden von uns unmittelbar nach der Eiablage mit stabilen Metallgittern abgedeckt. Diese verhindern ein Aufgraben und Plündern durch Fressfeinde wie Fuchs, Marder und Dachs, zugleich wird der ungehinderte Schlupf der Jungtiere gewährleistet. Zusätzlich erforschen wir die Weibchen an den Nistplätzen durch individuelle Markierung und Registrierung in einer Datenbank. Weitere Untersuchungen der Bestände in den Gewässern des Nationalpark Donau-Auen liefert uns Daten zu Männchen und Jungtieren.“
 

Schlupf aus dem Gelege Ein Ersuchen ergeht an alle Nationalparkgäste: „Wenn Sie dieser Tage eine Sumpfschildkröte an Land entdecken, heben Sie diese bitte keinesfalls auf und bringen Sie die Tiere auch nicht zu einem Gewässer! Sie haben sich nicht verirrt, sondern wandern zur Eiablage. Nur wenn akute Gefahr besteht, etwa durch sich nähernde Fahrzeuge, sollte eingegriffen werden!“, erläutert Maria Schindler.

Schutz für das heimische Reptil

Das Artenschutzprogramm für die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) wird seit 2007 in Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn durchgeführt. Denn diese einst typische Art besitzt in Mitteleuropa heute kaum noch fortpflanzungsfähige Populationen und gilt durch Lebensraumverlust als stark bedroht. Das letzte intakte Vorkommen Österreichs findet sich in den Donau-Auen östlich von Wien. Mittlerweile wieder über 2.000 Individuen leben laut Erhebungen des Projektteams hier.
 

Jungtier auf dem Weg zum Gewässer Die Europäische Sumpfschildkröte ist am dunklen flachen Panzer, den Schwimmhäuten und charakteristischen gelben Punkten zu erkennen. Zum natürlichen Lebensraum zählen langsam fließende Flüsse, stille Altarme, Teiche und Tümpel mit dichtem Pflanzenbewuchs. Die Reptilien verbringen den größten Teil des Tages bei der Nahrungssuche im Wasser. Bei kühleren Temperaturen nehmen sie Sonnenbäder auf liegenden Baumstämmen oder am Gewässerrand. Die Eiablage erfolgt im späten Frühling, die Jungtiere schlüpfen im Herbst. Sie suchen entweder gleich das nächste Gewässer auf oder überwintern bis zum folgenden Frühjahr noch in der Gelegehöhle. Die kalte Jahreszeit verbringen die Schildkröten in unseren Breiten in Winterruhe unter Wasser, im Schlamm vergraben.

Gelegepate werden!

Möglich wird die zeitintensive Arbeit für die Europäische Sumpfschildkröte unter anderem durch ein Patenprogramm. Mit einem Beitrag von € 100,- kann man für ein Jahr die Patenschaft eines Schildkrötengeleges im Nationalpark übernehmen. Neben einer Urkunde und laufenden Informationen beinhaltet dies auch eine geführte Exkursion zu den Schildkrötenlebensräumen und einen Bericht über den individuellen Schlupferfolg des „adoptierten“ Geleges. Mehr zum Schutzprojekt und zum Patenprogramm: www.sumpfschildkroete.at