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Infothek zur Nationalpark-Geschichte mit umfassender Chronologie der Hainburger Aubesetzung

Im Dezember 2014 jährte sich die Aubesetzung, welche als Geburtsstunde des Nationalpark Donau-Auen gilt, zum 30. Mal. Ein Anlass für uns, zurück zu blicken!

Unser Online-Archiv stellt umfassende Informationen und diverse Downloads über die Vorgeschichte des Schutzgebiets, die Geschehnisse rund um die Hainburger Aubesetzung sowie den Weg zum Nationalpark bereit und wird laufend erweitert!

Hier geht es zur Nationalpark-Infothek
 

Ein kurzer Abriss über die Geschehnisse 1984 und folgend

Projektgebiet des geplanten Kraftwerks Hainburg, Grafik: Navara, nach den Originalplänen der DOKW. Die Schwalbeninsel (unten im Bild) wäre im Stausee verschwunden. In den 1950er Jahren hatte in Österreich der Ausbau einer nahezu lückenlosen Kette von Flusskraftwerken entlang der Donau begonnen. Zügig wurde eine Staustufe nach der anderen errichtet, der Fortschritt verlangte nach Energie. Ein verbleibender freier Fließabschnitt bestand in Österreich neben der Wachau nur noch an der Donau östlich von Wien, begleitet von weitläufigen Auwäldern.

Anfang der 1980er Jahre stand jedoch mit dem geplanten Bau des Kraftwerkes Hainburg die Zerstörung dieses letzten längeren, frei fließenden Donauabschnitts bevor: Die Lücke in der Kraftwerkskette stand vor der Schließung, alle Rahmenbedingungen stimmten. Bescheide lagen vor, wenngleich angezweifelt. Die Bagger waren bereit, in die Au zu rollen.


24. November 1983 – Die Donau-Kraftwerke AG (DoKW) beantragt die wasserrechtliche Bewilligung für ein Kraftwerk bei Hainburg beim Landwirtschaftsministerium.

7. Mai 1984 – Bei der „Pressekonferenz der Tiere“, die mit Günther Nenning als „Auhirsch“ in die Geschichte eingehen wird, wird das „Konrad Lorenz-Volksbegehren“ gegen das Kraftwerk angekündigt.

26. November 1984 – Der niederösterreichische Naturschutz-Landesrat Ernest Brezovsky entscheidet im Verfahren für den Kraftwerks-Bau.

Zeltlager in der Au, Lager 6, Foto: Golebiowski/Navara 8. Dezember 1984 – Das „Konrad Lorenz-Volksbegehren“ und die Österreichische Hochschülerschaft organisieren einen Sternmarsch in die Stopfenreuther Au, 5.000 Menschen aller Schichten feiern eine „Adventfeier“ im Auwald.


10. Dezember 1984 – UmweltschützerInnen beginnen mit der Besetzung. Shuttle-Dienste werden organisiert und mehrere Lager im Auwald errichtet. Die Rodung wird aufgenommen, es gibt erste Zusammenstöße mit der Exekutive.

11. Dezember 1984 – 3.000 DemonstrantInnen strömen in die Au, eine Menschenkette behindert die Bautrupps. Die heimische Bevölkerung unterstützt die gewaltlosen BesetzerInnen, ebenso die einflussreiche Neue Kronen Zeitung und andere Medien.

12. Dezember 1984 – Hunderte Menschen verhindern die Zufahrt. Bundeskanzler Fred Sinowatz verhandelt mit den Kraftwerksgegnern: ein vorläufiger Rodungsstopp und weitere Gespräche werden vereinbart.

12. bis 16. Dezember 1984 – Die Besetzung verläuft friedlich.

17. Dezember 1984 – Mehr als 3.000 Menschen haben in der Au übernachtet. Ab 7 Uhr wird wieder gerodet. Schwere Auseinandersetzungen, nach zwei Stunden werden die Arbeiten eingestellt.

18. Dezember 1984 – Die Au wird zum Sperrgebiet erklärt.

19. Dezember 1984 – Hunderte Beamte der Exekutive gehen mit Schlagstöcken, Wasserwerfern und Hunden gegen die BesetzerInnen vor. 20 Verletzte, 300 Bäume werden gefällt. In Wien kommt es am Abend zu einer Großdemonstration der Kraftwerks-GegnerInnen.

20. Dezember 1984 – Kardinal Franz König appelliert an beide Seiten.

Die Vertragsunterzeichnung 1996, Foto: Isensee 21. Dezember 1984 – Der Bundeskanzler verkündet den „Weihnachtsfrieden“ und vorläufigen Rodungstopp.


2. Jänner 1985 – Der Verwaltungsgerichtshof untersagt nach einer WWF-Beschwerde den Baubeginn.

4. Jänner 1985 – Der Bundeskanzler verordnet eine „Nachdenkpause“.

4. bis 11. März 1985 – 353.906 Unterschriften für das „Konrad Lorenz-Volksbegehren“ (rd. 6,5 % der Wahlberechtigten).

1. Juni 1986 – Der Verwaltungsgerichtshof hebt den Wasserbescheid auf. Eine lange Untersuchungs- und Planungsphase beginnt.

1989/90 – Sicherung eines 411 Hektar großen Gebietes der ökologisch besonders wertvollen Regelsbrunner Au durch die WWF-Aktion "Natur freikaufen". Dieses Gebiet wird vom WWF stellvertretend für alle Förderer verwaltet und später dem Nationalpark einverleibt.

27. Oktober 1996 – Umweltminister Martin Bartenstein und die Landeshauptmänner Michael Häupl (Wien) bzw. Erwin Pröll (Niederösterreich) unterzeichnen in Hainburg einen 15a-Vertrag zur Gründung des Nationalpark Donau-Auen.

Die internationale Anerkennung des Nationalpark Donau-Auen folgt 1997.

Wäre eine ähnliche Dynamik heutzutage erneut vorstellbar? Helfen die neuen Medien, Mobiltelefon, Internet und Facebook, um rasch zahlreiche Menschen für eine Sache zu begeistern und zu mobilisieren? Oder bliebe der Zauber von Hainburg im Falle des Falles ein einmaliges historisches Ereignis, das nicht wiederholbar ist?...