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Graureiher - Ardea cinerea

Graureiher

Der Graureiher ist ein stattlicher Großvogel, den man in den Augebieten kaum übersehen kann. Im Nationalpark ist er ganzjährig zu beobachten. Er jagt im Flachwasser vor allem nach Fischen, stellt aber zu bestimmten Zeiten z.B. auch Mäusen auf abgeernteten Feldern nach. Die sonst sehr anpassungsfähige Art benötigt zur Brutzeit ruhige Waldstücke, wo die Brutpaare ihre Horste in Kolonien erbauen. Die Graureiherpopulation hatte sich infolge der stark nachlassenden Verfolgung in ganz Europa kräftig erholt. Derzeit nimmt jedoch sein Bestand wieder ab, seit er im Zuge der in ganz Österreich aufgeflammten „Fischfresserdebatte“ wieder im Kreuzfeuer der Fischer steht und verfolgt wird.

Merkmale

Der Graureiher ist ein eindrucksvoller Vogel. Seine Größe - er erreicht mit etwa 170 cm die Spannweite von mittelgroßen Adlerarten - springt besonders im wuchtigen Flug ins Auge. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist dabei, dass alle Reiher im Flug den Hals einziehen - im Gegensatz zu den anderen langhalsigen und langbeinigen „Schreitvögeln“ wie Störchen und Kranichen. Die Flügel werden in charakteristischer Weise rundlich nach oben gewölbt. Besonders bei Altvögeln kontrastiert der aschgraue, oft etwas bläulich wirkende Mantel mit der grauweißen Unterseite. Kennzeichnend ist auch der weit tragende, heiser krächzende Flugruf („kräich“). Relativ gut unterscheidbar sind Alt- und Jungvögel: letztere sind (bis in den Winter ihres zweiten Lebensjahrs) etwas dunkler und matter gefärbt, die Altvögel haben einen leuchtend gelben, zur Brutzeit orangen Schnabel und eine weiße Stirn.

Verbreitung

Er ist in der ganzen Alten Welt (Paläarktis) recht durchgängig verbreitet, erreicht im Südosten Indien und Java und ist - sehr lückenhaft - auch am afrikanischen Kontinent bis nach Südafrika zu Hause. In Europa reicht das Verbreitungsgebiet bis Norwegen. Im wasserarmen Süden ist er bedeutend seltener als in Mitteleuropa. Als typischer Auenbewohner besiedelt er in Österreich vor allem die großen Flusstäler von Donau, March und Mur. Er dringt aber, wo größere Flüsse, Seen oder Teiche vorhanden sind, in wesentlich geringerer Dichte auch etwa ins Waldviertel und entlang der Voralpenflüsse recht weit in die Gebirgslagen vor. In Österreich liegen die Siedlungsdichten deutlich unter denen der Nachbarländer. In den Donau-Auen gibt es aktuell nur drei Kolonien. Nach den Schilderungen Kronprinz Rudolfs muss der Graureiher früher viel zahlreicher gewesen sein. Heute fehlen an der regulierten Donau vor allem große, waldbestandene und ruhige Inseln, die wegen ihrer schweren Erreichbarkeit für Beutegreifer als Koloniestandorte bevorzugt werden.

Gefährdung und Schutzstatus

Nach jahrhundertelanger erbarmungsloser Verfolgung, die der angebliche Fischereischädling erlitten hat, hat sich der Graureiher in ganz Europa wieder einigermaßen erholt. Auch in Österreich hatte er bis vor wenigen Jahren zugenommen und ehemalige Brutgebiete wiederbesiedelt. Derzeit ist aber in vielen Gebieten erneut ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Dafür ist die laufend intensivierte Verfolgung im Zuge der „Fischfresserdebatte“ verantwortlich, wobei neben den behördlich bewilligten Abschüssen vor allem illegale Störungen bzw. die Zerstörung von Brutkolonien zum Tragen kommt. Das führt zu einer Aufsplitterung in Kleinkolonien und Einzelhorste, die zunehmend nicht in den Optimalgebieten im Umfeld der großen Flüsse, sondern etwa in weniger geeigneten Seitentälern angelegt werden. Es bestätigt sich damit deutlich, dass die vor 10 Jahren (1989) erfolgte Rote Liste - Einstufung „potentiell gefährdet“ - d.h. eine latente Bedrohung durch den Menschen trotz vergleichsweise guter Bestandssituation - zutreffend war.

Lebensweise

Graureiher Nahrung des Graureihers sind in erster Linie Fische, die er, lauernd oder bei bedächtiger Pirsch im Flachwasser watend, erbeutet. Bei günstigen Bedingungen geht er aber dazu über, Mäuse und Amphibien auf Äckern und Wiesen zu jagen. Unerlässliches Lebensraum-„Requisit“ sind ruhige Waldstücke, wo auf großen Bäumen die Horste gebaut werden. Wie viele andere Reiher ist der Graureiher Koloniebrüter und empfindlich gegenüber Störungen. Den Jungvögeln wird die Nahrung im Kropf gebracht und in vorverdauter Form herausgewürgt - daher der Ausdruck „reihern“. Solange die Gewässer nicht zufrieren, bieten insbesondere Flüsse den Vögeln ausreichend Nahrung auch im Winter. Der Graureiher ist daher kein ausgeprägter Zugvogel: Auf der Suche nach ergiebigen Fischgründen zieht er oft auch ohne Bevorzugung einer bestimmten Zugrichtung herum oder weicht einfach nur Kälteeinbrüchen aus (Winterflüchter).

Besonderes

Der Graureiher erfüllt eine wichtige Rolle für andere seltene Arten im Ökosystem-Komplex, den der Auwald und die dazugehörigen Feuchtgebiete bilden. Inmitten oder am Rande der Brutkolonien siedeln sich gerne gefährdete Großvögel an, so Schwarz- und Rotmilan, Seeadler, Sakerfalke, Kormoran und Nachtreiher. Aus diesem Grund ist seine derzeitige Verfolgung äußerst problematisch. Abgesehen davon herrscht in Expertenkreisen die übereinstimmende Meinung, dass weder Kormoran noch Graureiher an natürlichen Gewässern relevanten Einfluss auf die Fischbestände oder gar gefährdete Fischarten nehmen können. Die Behauptungen unrealistisch großer Schäden an Fischbeständen, die beiden Fischfressern angelastet werden, blieben bis heute unbewiesen.

So klingt der Graureiher






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