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Wachtelkönig - Crex crex

Wachtelkönig

Zu Zeiten Kronprinz Rudolfs noch allgegenwärtiger Wiesenvogel der Donau-Auen, gehört der vom Aussterben bedrohte Wachtelkönig heute zu den vogelkundlichen Kostbarkeiten des Nationalparks. Das Leben des flinken Laufvogels in den ausgedehnten, üppigen Feuchtwiesen bleibt für den Beobachter im Verborgenen. Umsomehr fällt nachts der laute, weittragende "Gesang" auf. Gründe für seinen dramatischen Rückgang sind vor allem die Zerstörung von Feuchtwiesen und die Intensivierung der Grünlandwirtschaft: frühe Mahd und schnelle Maschinen lassen ausreichenden Fortpflanzungserfolg schlicht nicht mehr zu. Dem Wachtelkönig wurde in den letzten Jahren in ganz Europa als "Flaggschiff" des Wiesenvogelschutzes besondere Aufmerksamkeit zuteil. Im Rahmen eines LIFE-Projektes wurde im Nationalpark Donau-Auen die Wiederansiedlung mit gezielten Maßnahmen unterstützt.

Merkmale

Wachtelkönige "singen" von der Abenddämmerung bis in den Morgen praktisch ohne Pause. Der bis zu einem Kilometer weit hörbare, hölzern knarrende Doppellaut - man spricht von 110 Dezibel! - trug ihm seinen wissenschaftlichen Namen ("Crex crex") ein. Der Wachtelkönig ist zwar nicht mit einer Wachtel verwandt, wie die anderen Arten aus der Familie der Rallen, sieht er aber wie ein schmalbrüstiger, langbeiniger und langhalsiger Hühnervogel aus. Er ist etwa eineinhalbmal so groß wie der Star und wirkt bei flüchtiger Begegnung unauffällig mittelbraun. Bei näherer Betrachtung sind Kopfseiten und Hals hübsch blaugrau und die Flanken schwarzbraun auf weißlichem Grund gestreift. Am ehesten bekommt man noch - etwa wenn er bei der Wiesenmahd zum Abflug gezwungen wird - die intensiv ziegelroten Flügel zu Gesicht. Die Geschlechter sind nicht unterscheidbar. Wie bei allen Rallen sind die hühnerähnlichen Küken bis ins Alter von etwa zwei Wochen tiefschwarz.

Verbreitung

Das besiedelte Gebiet reicht im Norden von Südskandinavien bis in den Nordosten Italiens und zum Schwarzen Meer, im Süden, von den Pyrenäen bis nach Mittelsibirien. Die europäischen Verbreitungschwerpunkte liegen in Russland, Weißrussland und der Ukraine. Wie in ganz Europa war der Wachtelkönig bis zu Beginn des Jahrhunderts in Österreich noch häufig und kam noch in den siebziger Jahren in allen Bundesländern regelmäßig vor. Heute liegen die wenigen Verbreitungszentren in Niederösterreich (vor allem Wienerwald, Wiener Becken mit den Donau-Auen, March-Thaya-Auen, zentrales Waldviertel). Wichtige Brutgebiete gibt es noch in Oberösterreich (vor allem Freiwald), der Steiermark (Ennstal) und in Vorarlberg (Rheintal).

Gefährdung und Schutzstatus

Der Wachtelkönig gilt in Österreich als vom Aussterben bedroht. Neben Großtrappe und Moorente ist er der einzige Brutvogel Österreichs, der auch weltweit als gefährdet gilt. Sein katastrophaler Rückgang hatte zunächst im massiven Lebensraumverlust durch die Zerstörung von Feuchtwiesen (Entwässerungen, Umbruch vor allem zu Maisäckern) seine Ursache. Ab etwa 1950 löste dann die Intensivierung der Grünlandwirtschaft einen völligen Populationszusammenbruch aus. Die immer zeitigere Mahd (z.T. Silage) und die immer schnelleren Erntemaschinen sind für beinahe 100%igen Ausfall des Bruterfolgs verantwortlich. Starke Düngung verursacht zusätzlich eine Verarmung des Lebensraums, die sich in zunehmend undurchdringlichen und insektenärmeren Wiesen zeigt. Das Überleben der Art ist heute in Mittel- und Westeuropa von gezielten Schutzmaßnahmen abhängig (Mahd - Ende Juli und "von innen nach außen"). In einigen Gebieten Österreichs, vor allem in Niederösterreich, konnten von BirdLife Österreich durchgeführte und von den Landesregierungen finanzierte Schutzprojekte bereits beträchtliche Erfolge erzielen, die sich in Erholung bzw. Stabilisierung der Population niederschlugen. Die einstige Häufigkeit des Wiesenvogels in den Donau-Auen geht aus den eindrücklichen Beschreibungen von Kronprinz Rudolf und Brehm im Jahr 1879 hervor: "Der Wiesenknarrer bevölkert alle mit hohen Grase bewachsenen Wiesen, die mit niederem Weidendickichte und Hochgräsern bestandenen Inseln und die Felder zu beiden Seiten des Stromes". Seit 1980 liegen aus dem Nationalparkgebiet nur mehr nicht alljährliche Nachweise vor. Sie stammen von den Überschwemmungswiesen zwischen Fischamend und der Unteren Lobau. Der Wachtelkönig ist nun eine der "Zielarten" des 1998 bis 2001 im Nationalpark Donau-Auen laufenden LIFE-Projektes, in dessen Rahmen seine Wiederansiedlung unterstützt werden soll. 1999 konnte durch gezielte Schutzmaßnahmen im Zuge dieses Projektes erstmals für erfolgreiches Brüten gesorgt werden. Der Schutz dieses Wiesenvogels kommt einer Vielzahl weiterer bedrohter Tier- und Pflanzenarten zugute.

Lebensweise

Wie andere Rallenarten ist der Wachtelkönig tagaktiv. Der flinke Läufer legt auf der Jagd vor allem nach Wirbellosen (Käfer, Heuschrecken, Regenwürmer, usw.), sich stets im Schutze dichter Vegetation haltend, erstaunliche Strecken zurück. Der Zugvogel überwintert in Süd- und Ostafrika. Im Mai, unmittelbar nach Ankunft im Brutgebiet, "singen" die Männchen intensiv, um ein Weibchen anzulocken. Damit werden auch eventuelle Mitbewerber, die notfalls äußerst vehement vertrieben werden, aus dem eigenen Revier ferngehalten. Die Zweisamkeit dauert beim Wachtelkönigspaar nur wenige Tage, denn die Hennen sind wegen des reichen Nahrungsangebots in der Lage, die Aufgaben der Brutpflege allein zu bewältigen. Das Männchen versucht daher, anderswo eine neue Partnerin für sich zu gewinnen ("sequentielle Polygynie"). In das tief im Gras verborgene Nest werden 8-12 Eier gelegt. Die Küken sind ausgesprochene "Nestflüchter". Sie laufen und fressen sofort selbständig, werden aber von ihrer Mutter geführt. Nach nur 12 Tagen sind sie dann gänzlich auf sich gestellt, denn das Weibchen paart sich ein zweites Mal. Im Anschluss an die Brutzeit ziehen die Vögel vor allem im September einzeln in die Winterquartiere.

Besonderes

Die Fortpflanzungsleistung des Wachtelkönigs ist unter den Zugvögeln, besonders unter Berücksichtigung der Körpergröße, einmalig: Die Weibchen vermögen trotz ihres kurzen sommerlichen "Gastspiels" im Brutgebiet zwei Jahresbruten aufzuziehen. Das intensive Leben scheint dafür recht kurz zu sein (Lebenserwartung: durchschnittlich 1-2 Jahre etwa wie bei einer Kohlmeise).

So klingt der Wachtelkönig





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