Sprache DE
DE EN SK

Aktuell

20 Jahre Nationalpark Donau-Auen - 10 Jahre Schutzprogramm für die Europäische Sumpfschildkröte.
Umweltlandesrat Pernkopf: Beispiel für erfolgreichen Artenschutz, 800 Gelege wurden gesichert!

Europäische Sumpfschildkröte Im Jubiläumsjahr des Nationalparks gilt es einen weiteren Erfolg zu feiern: Seit 2007 wird in Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn ein Programm für die einzige in Österreich heimische Schildkrötenart betrieben. Es umfasst die Erforschung der Population und den Schutz von Gelegen der Reptilien an den Nistplätzen, berichtet Schildkröten-Expertin Maria Schindler.


Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) besitzt in Mitteleuropa kaum noch fortpflanzungsfähige Populationen und gilt durch Lebensraumverlust als stark bedroht. Das letzte intakte Vorkommen Österreichs lebt in den Donau-Auen östlich von Wien. Hier werden die seltenen Reptilien besonders gefördert: Nationalpark Donau-Auen und Tiergarten Schönbrunn betreiben ein Artenschutzprojekt. Neben der Erforschung von Habitatnutzung und Fortpflanzungsbiologie und der Verbesserung der Lebensraumbedingungen für die Schildkröten werden insbesondere die Gelege geschützt. Sie werden unmittelbar nach der Eiablage mit stabilen Metallgittern abgedeckt. Diese verhindern ein Aufgraben und Plündern der Gelege durch Fressfeinde wie Fuchs, Marder und Dachs, zugleich wird der spätere ungehinderte Schlupf der Jungtiere gewährleistet. Auf die kleinen Schildkröten lauern freilich auch danach zahlreiche Gefahren, nur ein Teil von ihnen erreicht das Erwachsenenalter.

LR Stephan Pernkopf und Biologin Constanze Rak beim Sumpfschildkrötengehege auf der Schlossinsel Niederösterreichs Umweltlandesrat Stephan Pernkopf gratuliert zum erfolgreichen Programm: „Seit dem Start 2007 konnten im Nationalpark Donau-Auen rund 800 Gelege zum Schlupf gebracht werden. 3.750 Jungtiere wurden dabei von den ExpertInnen gezählt. Das Projekt für die Europäische Sumpfschildkröte sichert daher langfristig den letzten Bestand dieses heimischen Reptils – ein Beispiel für konsequenten und erfolgreichen Schutz unserer Fauna im Naturland Niederösterreich.“


Die begleitende Forschung bringt laufend neue Erkenntnisse. An den Nistplätzen werden die Weibchen jährlich durch individuelle Markierung und Registrierung in einer Datenbank erfasst. Eine aktuelle Erhebung widmet sich nun auch den Beständen in Gewässern und liefert somit Daten zu Männchen und Jungtieren. „Insgesamt wurden bislang 750 Individuen von uns registriert, davon 627 ausgewachsene Tiere mit Markierung plus 110 Junge. Sehr erfreulich ist für mich, dass wir mittlerweile wieder Schildkröten aller Altersklassen in den Augewässern finden. Die Population verjüngt sich offensichtlich, weil unsere Schutzmaßnahmen für die Gelege greifen!“, erläutert Projektleiterin Maria Schindler.

Heimlicher, heimischer Naturschatz
 

Die Europäische Sumpfschildkröte ist die einzige natürlich vorkommende Schildkrötenart Österreichs. Sie ist am dunklen flachen Panzer, den Schwimmhäuten und charakteristischen gelben Punkten zu erkennen. Zum natürlichen Lebensraum zählen langsam fließende Flüsse, stille Altarme, Teiche und Tümpel mit dichtem Pflanzenbewuchs.
Die Reptilien verbringen den größten Teil des Tages bei der Nahrungssuche im Wasser. Bei kühleren Temperaturen nehmen sie Sonnenbäder auf liegenden Baumstämmen oder am Gewässerrand. Die Weibchen wandern im Frühling zur Eiablage an trockene Böschungen, die Jungtiere schlüpfen einige Monate später im Herbst. Sie suchen entweder gleich das nächste Gewässer auf oder überwintern bis zum folgenden Frühjahr noch in der Gelegehöhle. Die kalte Jahreszeit verbringen die Schildkröten in unseren Breiten in Winterruhe unter Wasser, im Schlamm vergraben.
Im Freiland bekommt man die scheuen Reptilien selten zu Gesicht. Aber in einem Gehege auf der Schlossinsel, dem Auerlebnisgelände im schlossORTH Nationalpark-Zentrum, können BesucherInnen sie aus der Nähe beobachten.

Jungtier Gelegepate werden!
 

Möglich wird die zeitintensive Arbeit für die Europäische Sumpfschildkröte unter anderem durch ein Patenprogramm. Mit einem Beitrag von € 100,- können InteressentInnen für ein Jahr die Patenschaft für das Gelege einer Sumpfschildkröte im Nationalpark übernehmen. Neben einer Urkunde und laufenden Informationen beinhaltet dies auch eine geführte Exkursion zu den Schildkröten-Lebensräumen und einen Bericht über den individuellen Schlupferfolg des „adoptierten“ Geleges.
Mehr zum Schutzprojekt und zum Patenschafts-Programm: www.sumpfschildkroete.at

20 Jahre Nationalpark Donau-Auen: Die Schildkröte als tierischer Botschafter

Europäische Sumpfschildkröte, Nase, Hirschkäfer, Seeadler und Flussregenpfeifer - stellvertretend für viele weitere Tiere und Pflanzen begleiten die fünf Arten durch das Jubiläumsjahr des Nationalparks 2016. Denn sie alle haben von der Gründung des Schutzgebiets profitiert: Durch Gewässeranbindungen, Uferrückbauten, Außer Nutzung-Stellung des Waldes, Gebietsberuhigung und spezielle Fördermaßnahmen oder Artenschutzprogramme. Hier im Nationalpark Donau-Auen finden sie nun gute Bedingungen sowie ausreichend Lebensraum und Nahrungsgrundlagen vor. Anzutreffen waren die fünf tierischen Botschafter heuer bereits nicht nur in Drucksorten und Internet-Auftritten, sondern auch bei zahlreichen Veranstaltungen.