Sprache DE
DE EN SK

Aktuell

Die überwinternde Tierwelt der Auen: Faszinierendes zu den verblüffenden Strategien von Wildtieren, der Kälte zu trotzen!

Ziesel, (c) Stefan Ein strenger Winter hält seit Wochen die Region des Nationalpark Donau-Auen im eisigen Griff. Die Tierwelt hat jedoch Vorkehrungen getroffen, vom Wegziehen oder Einschlafen über Frostschutz bis zu trickreicher Nahrungssuche. Welches Tier wappnet sich wie?  –  Diese Frage hat uns nicht kaltgelassen: Ein spannender Streifzug durch die winterliche Au und ihr Umland.
 

Schneereiche Zeiten sind im Osten Österreichs die Seltenheit, doch auf wochenlange Kälteperioden und eisigen Wind muss sich die Tierwelt hier im Winter stets einstellen. Heuer zeigt Väterchen Frost eindrucksvoll, was in ihm steckt. Die Nahrungs-Knappheit und kurze Tage tun ihr übriges.
Zweifellos am Gemütlichsten ist es, die unwirtliche Zeit einfach zu verschlafen… Davor gilt es aber, sich den Bauch noch ordentlich vollzuschlagen und so Reserven anzulegen. Unter anderem wählen Ziesel, Igel, Bilche und Fledermäuse die Strategie des Winterschlafs. Körpertemperatur und Atemfrequenz sinken ab und die Vitalfunktionen sind vermindert.

Europäische Sumpfschildkröte, (c) Kracher Wechselwarme Tiere wie Reptilien und Amphibien verfallen im Winter hingegen, zurückgezogen in sichere Verstecke, in Kältestarre. Die Einlagerung von Glukose in die Körperflüssigkeiten verhindert deren Einfrieren. Ein typisches Beispiel sind die Europäischen Sumpfschildkröten im Nationalpark Donau-Auen. Sie suchen rechtzeitig schlammige Gewässerböden auf, stellen auf Hautatmung um und überdauern hier die kalte Zeit.


Unter den Insekten gibt es zahlreiche Vertreter, die nach der Eiablage im Sommer sterben. Ihre Eier oder Larven verbringen den Winter geschützt und entwickeln sich im Frühling weiter. Viele Schmetterlinge verpuppen sich vor Einbruch der Kälte – doch der Zitronenfalter kann auch in seiner erwachsenen Form überwintern. Er ist mit einem speziellen Frostschutz ausgestattet – er lagert Glyzerin ein!

Neben dem echten Winterschlaf gibt es auch Tiere, die Winterruhe halten – also längere Ruheperioden mit kurzen aktiven Phasen. Lediglich die Herzschlagfrequenz wird verringert. Eichhörnchen und Dachs etwa werden zwischendurch munter, um sich zu stärken - mit Vorräten, die sie im Herbst angelegt haben, bzw. nun auffindbarer Beute.

Biber, (c) Fiala Zahlreiche Wildtiere bleiben ohne Unterbrechung aktiv – ein dichtes Fell bzw. wasserdichtes Gefieder und Geschick helfen ihnen dabei, die Kälte abzuwehren. Besonders üppig ist das Futter-Angebot aber wahrlich nicht. Reh- und Rotwild nutzen Gräser und Moos oder knabbern an Rinde und Trieben der Gehölze. Wildschweine wühlen im Waldboden nach Fressbarem. Der Biber fällt Bäume, um an die zarten Zweige der Kronen zu gelangen – da die ausgesuchten, ufernahen Exemplare meist ins eisige Wasser stürzen, bleibt die Nahrung viele Wochen frisch und er kann sich immer wieder bedienen.
 

Rotkehlchen, (c) Rad Letztlich kann man der Kälte auch schlichtweg entfliehen: Unsere Zugvögel, darunter Weißstorch, Pirol oder Flussregenpfeifer, begeben sich rechtzeitig vor Anbruch der kalten Jahreszeit in wärmere Gefilde, wo sie günstigere Bedingungen vorfinden. Für Meise, Rotkehlchen, Kleiber und Co heißt es allerdings Eis und Schnee im Auwald zu trotzen. Die Kälte kann auch dem kleinsten Vogel nichts anhaben, solange er genügend Nahrung findet.


Das Übrige tut das Daunenkleid: Die fein verästelten Daunenfedern ermöglichen isolierende Luftpolster am Vogelkörper, sodass die notwendige Körpertemperatur von konstanten 40 Grad erhalten bleibt. Die Pflege des Federkleides ist deshalb durch das Jahr hindurch von großer Wichtigkeit. Die Füße der Vögel sind auch im Winter kalt – nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt. So taut der Schnee nicht unter den schmalen Vogel-Füßen und verhindert das Festfrieren.

Seeadler, (c) Kreinz Prinzipiell ernähren sich  Vögel auch im Winter von Beeren, Samen und Insektenlarven.  Nur manche Vertreter legen sich rechtzeitig einen Wintervorrat an: Eichelhäher vergraben Eicheln im Boden. Tannen-, Sumpf- oder Haubenmeise und der Kleiber verstecken Samen und Haselnüsse unter Baumrinden.


Wer besonders schlau ist, lässt jedoch arbeiten: Der mächtige Seeadler macht, anstatt selbst nach Fischen oder Wasservögeln zu jagen, manchmal anderen, unterlegenen Vögeln wie dem Kormoran seinen Fang streitig – meistens mit Erfolg.