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Aktuell

Freitag, 20. September 2019, Orth/Donau

Erhebung auf der Spur der Fledermäuse

Aktuell kann in der Dämmerung vor allem der Abendsegler rund um den Nationalpark Donau-Auen beobachtet werden. Er zählt zu den 20 Fledermausarten, die von Expertin Katharina Bürger im Rahmen einer aktuellen Untersuchung für die niederösterreichische Nationalparkregion nachgewiesen wurden.

 

Abendsegler, (c) Nill Wer dieser Tage spät spazieren geht, kann oft noch Fledermäuse erspähen. Zumeist sind dies Exemplare des Abendseglers (Nyctalus noctua), die im Herbst in der Region rund um den Nationalpark Donau-Auen zu sehen sind. Bei Dämmerung fliegen sie aus ihren Baumquartieren in der Au ins Offenland, um zu jagen. Als eine der größten Fledermäuse ist der Abendsegler leicht zu erkennen. Er ist in Europa weit verbreitet, in Österreich flächendeckend in der Ebene mit Schwerpunkt im Osten zu beobachten.


Dieser ist eine von 20 Fledermausarten, die für den niederösterreichischen Teil des Nationalpark Donau-Auen sowie die umliegenden Gemeinden aktuell nachgewiesen sind. Im Rahmen des Artenschutzprojektes der Nationalpark Donau-Auen GmbH, gefördert über das Programm Ländliche Entwicklung, wurde seit 2015 die Fledermausfauna im Nationalpark und seinem Umland systematisch erforscht. Durchgeführt wurden die Erhebungen unter fachlicher Leitung der Fledermausexpertin Mag. Katharina Bürger.

„Bei österreichweit 28 bekannten und derzeit 26 in Niederösterreich nachgewiesenen Arten unterstreicht diese große Zahl an Fledermausspezies die Bedeutung des Nationalparks und näheren Umlandes für den Fledermausschutz. Im Nationalpark Donau-Auen nützen die Fledermäuse die alten Bäume im Auwald als Quartiere. Waldränder, Wiesen und Wasserflächen sind wichtige Jagdgründe für die insektenfressenden Flugkünstler“, so Bürger, die sich als Mitarbeiterin bei der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) vor allem mit Fledermäusen in Niederösterreich beschäftigt.

Hervorzuheben sind laut Bürger dabei die Erstnachweise von fünf Arten im Gebiet, die im Zuge der Untersuchung gelungen sind: Brandtfledermaus, Nymphenfledermaus, Wimperfledermaus, Bechsteinfledermaus und Rauhautfledermaus. Bemerkenswert ist der Nachweis der Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe), die erst 2001 als neue Art beschrieben wurde und in urwaldähnlichen Laubwäldern mit ausgeprägten Bachläufen vorkommt.
Bei der Erhebung von Fledermäusen werden unterschiedliche Methoden und Geräte eingesetzt. Viele Arten können anhand ihrer Rufe erkannt werden. Dazu verwendet man Rufaufnahmegeräte wie „Batcorder“ und „Batdetektoren“. Bei manchen reicht das nicht aus und Netzfänge sind erforderlich, um einen sicheren Nachweis zu bekommen.

Rauhautfledermaus, (c) Limberger „Obwohl die Fledermausfauna in Gebiet nun sehr gut untersucht ist, gibt es noch immer spannende offene Fragen“, meint Bürger. So ist beispielsweise noch unklar, ob die Teichfledermaus (Myotis dasycneme), die in den Marchauen vorkommt, auch in den Donau-Auen heimisch ist. Eine mögliche Rufaufnahme im Mündungsbereich der March gibt erste Hinweise darauf. Weitere Untersuchungen wären aber nötig, um einen sicheren Nachweis zu erlangen.
 

Im Zuge des Artenschutzprojektes wurden auch Schutzmaßnahmen an bekannten Fledermausquartieren im Nahbereich des Nationalparks durchgeführt. Stollen und Höhlen sind gerade in den kalten Wintermonaten wichtige Lebensräume für Fledermäuse. Hier verbringen sie ihren Winterschlaf und dürfen nicht gestört werden. Jede Störung verringert die Überlebenschance deutlich. Daher wurden Maßnahmen zum Schutz der Quartiere und ihrer Bewohner gesetzt und mit künstlichen Quartieren das Spaltenangebot für die Fledermäuse erhöht.
Nach dem Motto „Wir können nur schützen, was wir kennen“ wurden weiters gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der NMS Lassee und NMS Orth an der Donau sowie der Volksschule Orth an der Donau eigene Fledermausprojekte umgesetzt sowie Fledermausnistkästen gebaut und aufgehängt.

Hintergrundinformationen

Alle in Österreich vorkommenden Fledermausarten sind gefährdet und streng geschützt. Bedroht sind sie vor allem durch den Verlust geeigneter struktur- und insektenreicher Lebensräume. Aber auch Windräder stellen eine Gefahr für Fledermäuse dar. Besonders wichtig sind Quartiere, in denen sie Winterschlaf halten oder ihre Jungen aufziehen. Neben Fels- oder Baumhöhlen nutzen Fledermäuse auch häufig Dachböden oder Spalten an Gebäuden. Manchmal ergeben sich daraus Konflikte. Doch für ein gutes Zusammenleben unter dem gemeinsamen Dach gibt es zahlreiche Tipps und Informationen von Fachleuten. Falls Sie bei sich zu Hause Fledermäuse haben, sei es im Gebäude oder in einem alten Baum im Garten, können Sie das unter nationalpark@donauauen.at an die Nationalparkverwaltung (für Funde in der Nationalparkregion) oder österreichweit an die Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) unter info@fledermausschutz.at melden.

Übrigens: Fledermäuse sind Insektenfresser und sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht. Dies betrifft viele nachtaktive Schadinsekten in der Landwirtschaft oder im Garten. Mit dem Verzicht auf Pestizide kann jede/r zum Schutz von gefährdeten Arten beitragen und die natürlichen Schädlingsbekämpfer unterstützen.

Aktueller Tipp

Vom 14. bis 22. September findet die jährliche (inter)nationale Abendsegler-Zählung statt. Interessierte - gleich ob Laie oder Profi - können sich bei der KFFÖ melden oder unter www.fledermausschutz.at an einem der „Einsteigerabende“ mitmachen.
Nähere Informationen zu den Zählungen finden sich unter:
www.fledermausschutz.at/downloads/2019/Abendsegler-Zaehlungen%202016-2018.pdf