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Flussbau-Fachtagung auf der Donau: ExpertInnen diskutierten zu ‚Naturschutz und Wasserbau im Nationalpark Donau-Auen: Erfahrungen und Konsequenzen aus 20 Jahren Flussrevitalisierung‘

Arbeiten in der Donau Eine weitere Veranstaltung zum 20jährigen Bestehen des Nationalpark Donau-Auen griff den Themenkreis Ökologischer Wasserbau auf. Über 90 TeilnehmerInnen an Bord der MS Negrelli tauschten sich während einer Schifffahrt am 19. Oktober intensiv aus. Kommende, integrative Projekte sollen die Eintiefung der Donausohle aufhalten und die Renaturierung des Gewässersystems vorantreiben.


Die Gründung des Nationalpark Donau-Auen brachte eine Wende im Flussbau an der Donau: Ausgehend von einem visionären flussbaulichen Leitbild wurden erste entscheidende Schritte zur Redynamisierung der Flusslandschaft gesetzt. Pilotprojekte zur Wiederanbindung von Altarmen, zum Rückbau des harten Uferverbaus und zu einem naturverträglicheren Umbau von Buhnen haben Beachtung und Nachahmung gefunden. Dennoch blieb ein Grundproblem ungelöst: Die oberstromige Kraftwerkskette und die Flussregulierung bewirken ein Geschiebedefizit, das zu einer kontinuierlichen Sohleintiefung und laufenden Absenkung der Donauwasserspiegel führt – mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Auen.

Eine Fachtagung am 19. Oktober im Reigen des 20jährigen Nationalpark-Jubiläums hatte zum Ziel, neue Möglichkeiten aufzuzeigen und Weichen für zukünftige Problemlösungen zu stellen. Während einer Fahrt auf dem Ausstellungsschiff der via donau ‚MS Negrelli‘ von Wien nach Hainburg folgten die mehr als 90 TeilnehmerInnen von Unis, Forstverwaltungen, Partnern und NGOs den Fachreferaten und Diskussionsrunden. Zwischenstopps gaben Einblicke in Revitalisierungsprojekte an der Donau und aktuelle Arbeiten im Fluss.

v.l.: Tögel / viadonau, Baumgartner und Manzano / Nationalpark, Hasenbichler / viadonau, Eichelmann / Riverwatch, Jungwirth / BOKU Einleitend stellte Nationalparkdirektor Carl Manzano die bisher realisierten Projekte vor. Für kommende Vorhaben sei intensive Kommunikation, die Fortführung bewährter Partnerschaften und politische Unterstützung entscheidend. Es brauche ein umfangreiches Geschiebemanagement, um die negative Entwicklung an der Stromsohle aufzuhalten.


Robert Tögel von viadonau fasste die aktuellen Problemlagen im Nationalpark-Abschnitt der Donau zusammen: Sohleeintiefung, über weite Strecken noch stark regulierte Ufer, unzureichende Fahrwassertiefen für die Schifffahrt. Aufbauend auf Erkenntnisse aus den umgesetzten Projekten sei das Zukunftsziel die Stabilisierung der Wasserspiegellagen, mit Erhaltungsmaßnahmen im laufenden Betrieb, fortwährendem Lernprozess und kontinuierlichen Optimierungen.

Über die Auswirkungen der wasserbaulichen Revitalisierungsmaßnahmen auf Lebensräume und Lebewelt sprach Christian Baumgartner, Leiter des Bereichs Natur & Wissenschaft des Nationalparks. Neben dem Stopp der Sohleeintiefung seien vordringlich, Uferrückbau voranzutreiben und für die Seitengewässer möglichst große Einströmbereiche zu schaffen. So könne die Donau die Flusslandschaft vermehrt gestalten, die Verjüngung mit Pionierpflanzen werde wieder ermöglicht.

Andreas Schmidt von der Bundesanstalt für Wasserbau, Karlsruhe berichtete von Erfahrungen an Rhein und Elbe – umfangreiche Maßnahmen, darunter Geschiebezugabe und Anpassungen der Flussbauwerke mindern hier die Erosion.

v.l.: Simoner / viadonau, Manzano / Nationalpark, Schmidt,/ BA Karlsruhe, Habersack / BOKU, Hödl / ICPDR, Hasenbichler / viadonau, Flicker / BMLFUW, Klasz / Kulturtechnik und Wasserwirtschaft Der Lösungsansatz eines neuen Managements, das laufende Rückführung von Geschiebe in der Fließstrecke und Zugabe von gröberem Korn vereint und das technisch umsetzbar ist, wurde vom Wasserbau-Experten Gerhard Klasz erläutert. Diese Maßnahmen müssten mit einer umfangreicheren Geschiebezugabe durch die AHP unterhalb des Kraftwerks Freudenau kombiniert werden. Es sei an der Zeit, mit allen an der Donau beteiligten Institutionen zu einem guten Geschiebemanagement zu kommen und der weiteren Wasserspiegelabsenkung entgegenzuwirken.


Markus Simoner, viadonau hielt in seinem Vortrag fest: Der Uferrückbau bei Witzelsdorf und die kombinierten Maßnahmen (Uferrückbau, Buhnenumbau, Gewässervernetzung, Grobkornzugabe) bei Bad Deutsch Altenburg hatten positive Effekte auf die Flusssohle - im unmittelbaren Bereich der Maßnahmen ist eine Stabilisierung der Höhenlage der Sohle sowie ein leichtes Anheben der Nieder- und Mittelwasserstände zu beobachten. Die Rückbaumaßnahmen sind also wirkungsvoll.

Zahlreiche Wortmeldungen von weiteren ExpertInnen führten zu dem Resümee: Die anstehenden Probleme müssen gemeinschaftlich gelöst werden. Die Donaukraftwerke sollen  durch höhere Geschiebezugaben Beiträge leisten, via donau wird weitere Projekte, die derzeit in Planung sind, umsetzen. Eine Schlüsselfrage ist die Zusammensetzung des Geschiebes, durch Vergröberung kann der laufende Austrag von Schotter aus der Fließstrecke verringert werden. Einig ist man sich, dass sowohl Rückbauprojekte als auch der Stopp der Sohleeintiefung rasch umgesetzt werden müssen. Der Nationalpark kann für die weitere Entwicklung Impulse setzen, die Umsetzung muss jedoch durch andere Institutionen erfolgen. Ein integrativer Ansatz, laufende Einbeziehung neuer Erkenntnisse und der intensive Austausch zwischen ExpertInnen, Wissenschaft und NGOs sollen die Basis bilden.