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Mittwoch, 11. November 2020, Fischamend

Freie Bahn für mehr Lebensraumvielfalt an der Fischamündung

„Mission erfüllt“ dürfen jetzt viadonau und der Nationalpark Donau-Auen an der Fischamündung vermelden, nachdem nun auch die zweite Umsetzungsphase zu ihrer Revitalisierung erfolgreich abgeschlossen wurde. Nach Ende der flussbaulichen Maßnahmen, die im Rahmen des EU-geförderten österreichisch-slowakischen INTERREG-Projekts „Alpen Karpaten Fluss Korridor“ durchgeführt wurden, bietet der Donauzufluss ein neues Fluss-Biotop, in dem sich die Natur wieder frei entfalten darf.
 

Ein neuer Gewässerbereich an der Fischamündung Seit Herbst 2019 ist am Zufluss der Fischa in die Donau einiges in Bewegung geraten. Und das ist gut so, bedeuteten die Baggerungen und emsigen Kiestransportfahrten nicht weniger als die Rückverwandlung des Zusammenflusses in einen vielgestaltigen und lebendigen Naturlebensraum. Zwei Umsetzungsphasen wurden dafür in Angriff genommen: In der ersten Phase im Herbst vergangenen Jahres wurde die Verbauung des Donauufers stromauf auf einer Länge von 125 Meter abgesenkt, während stromab etwa 130 Meter Blockwurf vollständig entfernt wurden. Durch den Uferrückbau können die Donau und die Fischa ihre Ufer im Zusammenfluss nun wieder dynamisch formen.

Im Zuge der zweiten Revitalisierungsphase ab September 2020 ging es schließlich – in einem Zeitraum von etwa vier Wochen – an die Wiederherstellung der ehemaligen Wasserfläche im Hinterland oberhalb der Fischamündung. Auf diese Weise entstand ein flacher und strömungsberuhigter Seitenarm mit unterstromiger Anbindung an den Fluss. Mit abwechslungsreicher Charakteristik und günstigen Flachwasserbereichen dienen die renaturierten Uferstrukturen und die neu entstandene Wasserfläche nun als idealer Fortpflanzungs- und Aufzuchtplatz für Fische, Amphibien, Makrozoobenthos und mehr. Insgesamt wurden im Zuge der Revitalisierungsmaßnahmen an der Fischamündung mehr als 30.000 Kubikmeter Kies bewegt. Das entspricht dem Ladevolumen von 2.000 bis 3.000 Kipplastern. Im Rahmen des Geschiebemanagements von viadonau wurde der entfernte Kies an geeigneter Stelle schließlich in den Strom verklappt – ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Sohleintiefung der Donau.
 

Lebensraum für Amphibien und weitere Tiergruppen „Die flusslandschaftliche Wiederbelebung der Fischamündung ist ein schönes Beispiel dafür, dass „weniger“ oft „mehr“ sein kann. Durch die Entfernung der harten Uferbefestigung und großer Mengen Kies haben wir den Weg für die Natur wieder freigemacht. So kann sie sich besser entfalten und das Ruder für die flussökologische Entwicklung wieder selbst übernehmen“, ist viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler überzeugt.

Nationalparkdirektorin Edith Klauser freut sich über die ökologische Aufwertung dieses Bereichs für zahlreiche Tierarten: „Unmittelbar bei der Fischamündung wird eine Wasserfläche mit geringer Strömung und seichten Uferzonen geschaffen. Diesen neuen Lebensraum nutzen Fische wie Nase und Barbe im Zuge ihrer Laichwanderungen. Aber auch für gefährdete Vogelarten, für Amphibien und Wildtierarten ist diese Flusslandschaft als Rückzugsbereich und Kinderstube bedeutsam.“

Das vorrangige Ziel der wasserbaulichen Maßnahmen an der Fischa war die weitgehende Wiederherstellung ursprünglicher Fluss-, Au- und Uferstrukturen sowie die Erhöhung der Lebensraumqualität für standorttypische Fischpopulationen. Im Zusammenwirken mit weiteren gezielten flussökologischen Maßnahmen wird damit zur langfristigen Verbesserung des Lebensraumverbundes Fischa-Donau beigetragen.

Koordiniert vom Nationalpark Donau-Auen und gefördert von der Europäischen Union und dem Land Niederösterreich widmet sich das Projekt „Alpen Karpaten Fluss Korridor“ der Verbesserung und dem Schutz der Lebensraumkonnektivität für wassergebundene Organismen in der österreichisch-slowakischen Grenzregion. Die Revitalisierung an der Fischamündung ist eine von 13 Pilotmaßnahmen des Projekts und Bestandteil des viadonau-Maßnahmenkatalogs für die Donau östlich von Wien.