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Mittwoch, 16. September 2020, Schwechat

Mehr Natur für den Schwechatfluss

Am Projektstandort Die Gewässerrevitalisierung im Stadtgebiet Schwechat im Rahmen des INTERREG Alpen Karpaten Fluss Korridor Projektes ist gestartet.

Der Alpen Karpaten Korridor ist ein Landschaftsstreifen zwischen den östlichen Ausläufern der Alpen und dem westlichen Teil der Karpaten. Er stellt eine wichtige Verbindung dieser beiden Biotophotspots für zahlreiche wildlebende Tier- und Pflanzenarten dar. Zwischen den Ballungsräumen Wien und Bratislava gelegen, ist diese Verbindung jedoch stark vom Menschen geprägt. Verkehrsinfrastruktur sowie Landwirtschafts-, Siedlungs- und Gewerbeflächen zerschneiden die Landschaft und schränken die Wandermöglichkeiten von Flora und Fauna erheblich ein.


Die Flüsse und Auen des Alpen Karpaten Korridors wirken heutzutage oftmals als einzige Verbindungselemente zwischen bestehenden Schutzgebieten. So vernetzt die Schwechat den Biosphärenpark Wienerwald mit dem Nationalpark Donau-Auen und dient als Verbreitungskorridor für gefährdete Tiere und Pflanzen.

„Der Naturraum des Nationalpark Donau-Auen steht in enger Wechselbeziehung mit seinem Umland und den regionalen Zubringerflüssen. Um die Verbindungen zwischen wertvollen Lebensräumen und deren vielfältigen Artengemeinschaften zu erhalten, setzen wir im Rahmen des INTERREG Alpen Karpaten Fluss Korridor Projektes lokale Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung an der Schwechat und weiteren Gewässern“, sagt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.

Im Stadtgebiet von Schwechat weist der Fluss auf Grund von Regulierung ein hart verbautes Gewässerbett auf. Die Uferbereiche sind mit Wasserbausteinen gesichert, natürliche Strukturen wie Totholz oder Tiefstellen fehlen gänzlich. Dieser Abschnitt ist nur wenige Kilometer vom Nationalpark Donau‐Auen entfernt und die Einwanderung von Fischen aus der Donau, teilweise in großen Schwärmen, ist dokumentiert.

Renaturierung der Schwechat Das vorrangige Ziel in diesem Projektabschnitt ist es daher, durch Errichtung von wasserbaulichen Elementen (Buhnen) die Ausbildung eines pendelnden Gewässerlaufes innerhalb des bestehenden Flussbettes zu schaffen. Die Entstehung von Flach‐ und Tiefstellen (Furten bzw. Kolke) zur Schaffung einer variablen Gewässersohle wird initiiert und soll sich langfristig selbst weiterentwickeln. Totholzelemente (Raubäume, Wurzelstöcke) dienen zur Strukturierung. Insbesondere für Fische, aber auch weitere Wasserorganismen ergeben sich dadurch Lebensraumverbesserungen. Aufbauend sollen in weiteren Projekten auf Basis der im Rahmen des Pilotvorhabens gewonnenen Erfahrungen die Maßnahmen ausgedehnt werden.


In der Stadtgemeinde Schwechat begrüßt man den vielfachen Nutzen des Projektes, betont Bürgermeisterin Karin Baier: „Intakte Naturräume dienen für uns als Naherholungsraum, lokaler Klimaregulator sowie Rückzugsort für heimische Tiere und Pflanzen. Daher ist es wichtig, Flüsse und ihre begleitende Landschaft zu erhalten und zu renaturieren, wo immer möglich. Ich bin überzeugt, dass durch diese Maßnahmen die Schwechat im Fließabschnitt unseres Ortsgebietes an Attraktivität für die Bevölkerung gleichermaßen gewinnt wie an Wert für die Natur.“

Auch Landesfischermeister Karl Gravogl vom NÖ Landesfischereiverband hält fest: „Es freut mich besonders, dass in diesem Projekt wesentliche ökologische Optimierungen mit regionalem Hochwasserschutz vereint werden. Vor allem in Hinblick auf die Verbesserung der Situation für die Nase sind die geplanten Eingriffe von großer Bedeutung. Dieser einst häufige Flussfisch gilt aufgrund von Lebensraumverlust durch starke Gewässerverbauung heute als gefährdet.“

Ausgeführt wird das Pilotvorhaben vom Projektträger Schwechat Wasserverband in Zusammenarbeit mit ezb (eberstaller zauner büros, Planung u Bauaufsicht) sowie Leyrer + Graf Baugesellschaft m.b.H. (Bauumsetzung) und unterstützt durch den Niederösterreichischen Landesfischereiverband. Die Bauarbeiten sind Anfang September gestartet und werden bis Mitte Oktober abgeschlossen sein.

Projektinformation

Das Projekt Alpen Karpaten Fluss Korridor ist im September 2017 gestartet und hat eine Laufzeit bis Februar 2021. Unter Leitung des Nationalpark Donau-Auen wird es mit den Projektpartnern BROZ (slowakischer Hauptpartner), Österreichische Bundesforste, viadonau, Stadtgemeinde Fischamend, Schwechat Wasserverband und SNC (State Nature Conservancy, Slowakei) im Grenzgebiet Österreich und Slowakei umgesetzt.

Als profitierende Schirm- und Leitarten dienen Eisvogel, Würfelnatter, Nase und Ukrainisches Bachneunauge. An den Flüssen Rudava, Malina, Myjava und Mociarka in der Slowakei sowie Schwechat und Fischa in Österreich werden pilothafte regionale Revitalisierungen umgesetzt, zusätzlich erfolgen lokale lebensraumverbessernde Maßnahmen in der flussbegleitenden Landschaft.

Die Einbindung von Anrainergemeinden, Interessierten und Schulen in die Projektaktivitäten soll die Fließgewässer der Region wieder verstärkt erlebbar machen und Begeisterung für den Lebensraum Fluss wecken.

Weitere Informationen finden Sie unter www.rivercorridor.com

Gruppenfoto am Projektstandort, von links nach rechts: Alpen Karpaten Fluss Korridor Projektmanager Christoph Litschauer, StR. Peter Pinka und Bgm Karin Baier / Stadtgemeinde Schwechat, Nationalparkdirektorin Edith Klauser, Karl Gravogl / NÖ Landesfischereiverband, Christoph Lanxinger und Tina Handler / Fa. Leyrer + Graf.