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Aktuell

Freitag, 22. November 2019, Hainburg

Nationalpark-Forum vom 21.11.:
Lebensraum Baum – Bedeutung, Forschung und Schutz

Podium Gruppenfoto, v.l.: Rosenberger, Faltejsek, Oitzinger, Schmid, Klauser, Teufelbauer, Novak Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten am 21. November die jährliche Informationsveranstaltung des Nationalpark Donau-Auen. In der Kulturfabrik Hainburg wurde mit Fachreferaten und Podiumsdiskussion der hohe Wert alter Bäume beleuchtet.


Bäume sind zugleich Lebewesen und Lebensraum. Eine Fülle an Organismen nutzt den Baum in seinen unterschiedlichen Altersstufen, vom Wurzelraum bis zum Blätterdach: Von Pilzen und Flechten über zahllose Insektenarten und diverse Vögel bis zu Fledermäusen, Mardern und weiteren Säugetieren. Im Nationalpark Donau-Auen dürfen Bäume, anders als im Wirtschaftsforst, altern und langsam absterben. Alte Bäume nahe der Wanderrouten führen jedoch zu einer weiteren wichtigen Fragestellung: Wie soll die Wegesicherheit gewährleistet werden, wie kann eine Balance zwischen Verkehrssicherheit und Naturschutz erreicht werden? Das Nationalparkforum, eine jährliche Informationsveranstaltung für die Region, stand heuer im Zeichen dieses Themenkreises.

Bürgermeister Helmut Schmid begrüßte die Gäste in der Nationalparkgemeinde Hainburg. Unter den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren Hainburger Stadt- und Gemeinderäte, Bürgermeister Rudolf Makoschitz/Eckartsau, ehem. Nationalparkdirektor Carl Manzano, Fritz Schiemer/Vorsitzender des Wissenschaftlichen Nationalparkbeirates, Johann Feigl/Vorsitzender der NÖ Nationalparkbeirates, Walter Neumayer/Vorsitzender des örtlichen Nationalparkbeirates Orth/Donau, Auenexperte Bernd Lötsch sowie die ehem. Beteiligten der Aubesetzung Annemarie Höfele, Gerald Navara und Günter Schobesberger. Helmut Schmid hob einleitend die Funktion des Waldes für Gesundheit und Wohlbefinden hervor.

Nationalparkdirektorin Edith Klauser betonte, dass der Standort Hainburg anlässlich des bevorstehenden Jubiläums zu 35 Jahren Aubesetzung besondere Bedeutung für das heurige Forum habe. In einer einführenden Präsentation erläuterte Klauser die vielfältigen Funktionen von Wäldern als Ökosysteme sowie für Artenvielfalt und Klimaschutz, als Erholungsräume und Orte für Umweltbildung. Zur Frage der Wegesicherung, die mitunter einen unverfälschten Naturerlebnis entgegensteht, wurde Ende Oktober ein Fachsymposium abgehalten. Baumverantwortliche, Juristinnen und Juristen berieten intensiv, wie für die Wegehalter Klarheit zur Baumhaftung erreicht werden kann. Ein möglicher Lösungsansatz für die spezielle Situation in den Nationalparks kann eine differenzierte Herangehensweise bei der Ausweisung von Wegen sein. Neben Routen, an welchen weiterhin Sicherungsmaßnahmen gesetzt werden, könnte es zukünftig speziell ausgeschilderte Wildniswege geben, die mehr Eigenverantwortung bei Benutzung bedingen, erklärte Klauser.

Nationalparkforum in der Kulturfabrik Hainburg Ein Kurzreferat wurde vom Baumsachverständigen Roman Novak abgehalten, der aktuell die Strukturfülle an alten Bäumen entlang eines Wegeabschnitts in der Orther Au erhoben hat. Demnach bieten vielfältige Strukturen wie Rindenrisse, Faulstellen, Astlöcher, Höhlen etc. zahlreichen Organismen geeignete Habitate, alternde Eichen sind besonders artenreich. Die Ergebnisse dieser Erhebung, die mit Erklettern sowie Endoskopeinsatz durchgeführt wurde, werden als Gästebroschüre zur Verfügung gestellt werden. Weiters präsentierte Vogelexperte Norbert Teufelbauer, BirdLife einen Überblick über die Spechtfauna im Nationalpark Donau-Auen, die eng mit dem Altbaum- und steigenden Totholzangebot verknüpft ist. Da alte Spechthöhlen von zahlreichen Tiergruppen nachgenutzt werden, steigert eine gesunde Spechtpopulation die gesamte Biodiversität in Wäldern.


An der anschließenden Podiumsdiskussion, die Nationalparkranger Manfred Rosenberger leitete, nahmen auch Gerald Oitzinger vom Nationalparkbetrieb Donau-Auen der Österreichischen Bundesforste und Alexander Faltejsek vom Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien teil. Zahlreiche Fragen wurden aus dem Publikum an die Expertinnen und Experten des Podiums gerichtet. Diese streiften die Themen: Ist der Götterbaum eine Gefahr für den Auwald, wie ist sein ökologischer Wert? Was wird für die seltene Schwarzpappel getan? Steigt der Anteil der Harten Au aufgrund der Donausohleintiefung? Welche Wasserdotationen werden durchgeführt? Walter Neumayer hob hervor, dass der örtliche Beirat in Orth/Donau betreffend Wegenetz die Interessen der Bevölkerung wahrt. Zur Frage nach mehr Wasser für die Aulandschaft erläuterte Edith Klauser, dass demnächst ein Revitalisierungsprojekt von viadonau am Spittelauer Arm gegenüber von Hainburg startet. Zur Anmerkung, ob der Auwald von der Fläche her wachse, sagte Gerald Oitzinger, dass der Waldanteil zunehme. Zum Erhalt von Offen- und Wasserflächen benötige die Au daher Dynamisierungsprojekte. Hinsichtlich einer Frage nach dem Rotwildbestand erklärte Oitzinger weiters, dieser liege in Niederösterreich aktuell bei rund 18 Tieren pro 100 ha. Alexander Faltejsek ergänzte, in Wien sei der Bestand vor allem aufgrund des Besucherdrucks stark zurückgegangen. Edith Klauser verwies hinsichtlich Stadt- und Umlandentwicklung und deren Auswirkung auf den Nationalpark auf die heurige Sei Fair! – Kampagne, die vermehrte Rücksicht seitens der Gäste und Wahrung der Verhaltensregeln thematisiert.

Dem moderierten Teil der Veranstaltung folgte zum Ende der rege weitere Austausch in persönlichen Gesprächen mit den Fachleuten und Nationalparkverantwortlichen.