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Dienstag, 19. September 2017, Stopfenreuth

Pilotprojekt: Slowakische Schafe bei Stopfenreuth für Natur- und Hochwasserschutz im Nationalpark Donau-Auen im Einsatz

Schafe pflegen den Marchfeld-Schutzdamm und fördern zugleich Natur- und Hochwasserschutz Der Nationalpark Donau-Auen schützt eines der letzten großen Augebiete Europas. Auch Trockenlebensräume sind Teil einer natürlichen Flusslandschaft. Durch die Regulierung der Donau ab Mitte des 19. Jahrhunderts gehen diese Standorte aber sukzessive verloren, seltene Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Der Marchfeld-Schutzdamm – primär bedeutend aufgrund seiner Schutzfunktion gegen Hochwasser – bietet teilweise Ersatz. Die Magerwiesen des Dammes sind ein wichtiger Lebensraum aus „zweiter Hand“.  Im Rahmen der Kooperation DANUBEparksCONNECTED startete nun versuchsweise eine grenzübergreifende Schafbeweidung mit slowakischen Partnern.

Seit vielen Jahren bemühen sich Nationalpark Donau-Auen und viadonau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft gemeinsam, Hochwasserschutz und Artenschutz möglichst gut zu verbinden. Nun wird dabei auf vierbeinige Helfer zurückgegriffen: Schafe sind am Marchfeld-Schutzdamm bei Stopfenreuth als Rasenmäher im Einsatz! Die tierischen Helfer halten die Vegetation kurz, fördern seltene Orchideen und „pflegen“ die Eiablageplätze der Europäischen Sumpfschildkröte am Damm. Die vorhandene Biomasse findet mit den wolligen Tieren einen sinnvollen Abnehmer. Der sogenannte „Goldene Tritt“ der recht leichten Schafe führt zu einer sanften Verdichtung des Dammes und verstärkt so seine Stabilität.
 

Der Schutzdamm im Bereich des Nationalpark Donau-Auen ist ein wichtiger Lebensraum „aus zweiter Hand“, etwa für seltene Orchideen wie die Bienenragwurz Die Damm-Beweidung mit Schafen hat in vielen Regionen lange Tradition, sei es in Osteuropa oder an den Deichen der Nordseeküste. Gerade in Ostösterreich sind jedoch Nutztiere vielfach aus der Landschaft verschwunden. Zur Etablierung der Schafbeweidung am Marchfeld-Schutzdamm greift der Nationalpark Donau-Auen daher auf das Know-how und den Tierbestand slowakischer Kollegen zurück.
 

Seit 10 Jahren arbeiten die Donau-Schutzgebiete im Netzwerk DANUBEPARKS zusammen. Im Rahmen des im EU-Danube Transnational Programme finanzierten Projektes DANUBEparksCONNECTED wurde nun gemeinsam mit Kollegen von der slowakischen Naturschutzorganisation BROZ und mit Unterstützung des Nationalparkbetriebes Donau-Auen der Österreichischen Bundesforste diese grenzübergreifende Beweidung pilothaft gestartet. „Im Spätsommer wurde mit einer kleinen Herde bestehend aus Muttertieren und ihren Lämmern begonnen. Verläuft die Testphase erfolgreich, dann ist für die kommenden Jahre eine Aufstockung der Herde mit permanenter Betreuung der Tiere durch erfahrene slowakische Schäfer angedacht!“, berichtet Georg Frank, Generalsekretär von DAUNBEPARKS.

Primär schützt der Damm das Marchfeld vor Überflutungen Die Dammbeweidung mit Schafen ist ein schönes Bespiel, wie nachhaltige Nutzung der Landschaft einen Mehrwert für die Natur und den Menschen bringt. Die Schafe am Damm tragen dazu bei, kostengünstig seltene Trockenlebensräume und Arten zu schützen und den Damm in seiner Funktion als Hochwasserschutz zu verbessern.
 

Vor wenigen Tagen erfolgte in Orth/Donau der Spatenstich zur Sanierung des Marchfeld-Hochwasserschutzdammes. Die Schafbeweidung bei Stopfenreuth ist eine vielversprechende alternative Methode zur Pflege dieses Bauwerkes. Hoffentlich motiviert die Schafherde aus der Slowakei auch heimische Landwirte und Grundeigentümer, wieder vermehrt auf Nutztiere in der Landschaft zu setzen.