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Montag, 03. August 2020, Orth/Donau

Schutz und Erforschung der Europäischen Sumpfschildkröte im Nationalpark Donau-Auen sind wirksam

LH StV Stephan Pernkopf, Nationalparkdirektorin Edith Klauser sowie die Kinder Lena und Emely Drabits mit Jungtieren auf der Schlossinsel Die intakte Population umfasst wieder rund 2.000 Individuen. Für Niederösterreichs LH StV Stephan Pernkopf ist dieses Projekt beispielgebend für erfolgreichen Artenschutz.

Das Artenschutzprogramm für die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) im Nationalpark Donau-Auen wird seit 2007 in Kooperation mit dem Tiergarten Schönbrunn durchgeführt und zeigt große Erfolge. „Der Bestand hat sich seit Projektstart, mit damals nur mehr etwa 400 Individuen, hervorragend entwickelt. Mittlerweile leben dank der intensiven Schutzbemühungen wieder über 2.000 Individuen aller Altersklassen im Nationalparkgebiet“, hält Niederösterreichs LH StV Stephan Pernkopf anlässlich eines Besuchs im schlossORTH Nationalpark-Zentrum fest.


Diese einst typische Reptilienart Mitteleuropas besitzt kaum noch fortpflanzungsfähige Populationen und gilt durch Lebensraumverlust als stark bedroht. Das letzte intakte Vorkommen Österreichs lebt im Nationalpark Donau-Auen und wird wissenschaftlich begleitet. Nationalparkdirektorin Edith Klauser erläutert die Maßnahmen: „Wesentlicher Bestandteil des Schutzprogramms ist der Nestschutz. Die Schildkröten legen im Frühsommer ihre Eier auf trockenen Wiesen und am Marchfeldschutzdamm in Gelegehöhlen. Diese werden anschließend im Zuge des Projektes mit Metallgittern vor Fressfeinden wie Fuchs oder Mardern bedeckt, der ungehinderte Schlupf von Jungtieren ist später dennoch gesichert.“

„Seit Projektstart bis inklusive der Saison 2019 konnten mittels dieser Methode bereits mehr als 1.200 Gelege geschützt werden, etwa 8.100 Jungtiere Artenschutz und beispielgebend für haben diese verlassen. Das ist ein großer Erfolg für das Naturland Niederösterreich und beispielgebend für den Artenschutz in Europa“, freut sich LH StV Stephan Pernkopf.

LH StV Stephan Pernkopf und Schlossinselleiterin Felicia Lener besichtigen das Sumpfschildkroetengehege Auch im heurigen Frühsommer wurden seitens des Expertenteams wieder zahlreiche Gelege erhoben, der Schlupf wird im Herbst sowie teils im folgenden Frühling erfolgen. Das Maximalalter der Tiere liegt bei 60-80 Jahren, ab etwa 12 Jahren beginnen Weibchen mit der Eiablage. Aktuell gibt es ca. 750 vom Projektteam markierte und somit individuell bekannte Tiere, die jährlich wieder auf den Nistbereichen angetroffen werden.


Für Umweltinteressierte gibt es einen besonderen Tipp: „Da Europäische Sumpfschildkröten scheu sind und bei Störung ins Gewässer abtauchen, ist die Sichtung in der freien Natur mitunter schwierig. Auf der Schlossinsel, dem Auerlebnisgelände im schlossORTH Nationalpark-Zentrum, zeigen wir das besondere Reptil daher im Gehege in einer Gruppe mit verschiedenen Größenklassen. Diese Tiere sind an Gäste gewöhnt und können ausgiebig beobachtet werden“, empfiehlt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.

Europäische Sumpfschildkröte Das heimische Reptil
Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist die einzige natürlich vorkommende Schildkrötenart Österreichs. Sie ist am dunklen flachen Panzer, den Schwimmhäuten und charakteristischen gelben Punkten zu erkennen. Größen bis zu 18 cm Panzerlänge und ein Maximalgewicht von 1 kg zeichnen sie aus. Zum natürlichen Lebensraum zählen langsam fließende Flüsse, stille Altarme, Teiche und Tümpel mit dichtem Pflanzenbewuchs. Die Reptilien verbringen den größten Teil des Tages bei der Nahrungssuche im Wasser. Bei kühleren Temperaturen nehmen sie Sonnenbäder auf liegenden Baumstämmen oder am Ufer. Die kalte Jahreszeit verbringen die Schildkröten in unseren Breiten in Winterruhe am Gewässerboden, im Schlamm vergraben.
Die Eiablage erfolgt an Böschungen und auf sandigen Wiesen im Frühsommer, nachdem das Weibchen eine etwa faustgroße Höhle gegraben hat. Die Gelege werden durch Sonnenwärme ausgebrütet, die Jungtiere schlüpfen im Herbst. Sie suchen entweder gleich das nächste Gewässer auf oder überwintern bis zum folgenden Frühjahr ohne Nahrungsaufnahme in der Höhle, um sich dann erst auf den Weg zu machen. Nur etwa jedes hundertste Jungtier erreicht das Erwachsenenalter und trägt ab etwa 12-15 Jahren zum Erhalt der Population bei.


Artenschutzprojekte im Nationalpark Donau-Auen
Im Nationalpark Donau-Auen werden Artenvielfalt und gefährdete Arten primär durch Schutz und Entwicklung der Lebensräume und der für die Au charakteristischen dynamischen Prozesse gesichert und gefördert.
Bei einzelnen stark bedrohten Arten, für welche der Nationalpark Donau-Auen hohe Verantwortung als wesentlicher oder letzter vitaler Lebensraum trägt, werden zusätzlich spezifische Schutzmaßnahmen vorgesehen. Als Beispiele gelten Europäische Sumpfschildkröte, Wilde Weinrebe oder Krebsschere. Diese Artenschutzprojekte sind stets mit Monitoring und Begleitforschung verbunden.