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Freitag, 15. Jänner 2021, Orth/Donau

Warum der Auhirsch kein Winterfutter braucht

Rotwild in den Donau-Auen Faszinierende Anpassungen ermöglichen es dem Rotwild im Tiefland der Nationalparkregion, durch die karge Jahreszeit zu kommen. Im Nationalpark Donau-Auen wird seit etlichen Jahren auf Fütterung verzichtet.
 

Hohe Schneedecken sind eine Seltenheit in der Ebene Ostösterreichs, dennoch ist der Winter unwirtlich und die Nahrung für pflanzenfressende Wildtiere häufig knapp. Das Rotwild zeigt eine faszinierende Strategie, dem Mangel zu begegnen: Neben dem Ausweichen in geeignete Reviere halten vor allem reduzierter Stoffwechsel, geringere Körpertemperatur, verringerter Herzschlag und stark herabgesetzte Aktivität die Vitalfunktionen auf Sparflamme und kompensieren das verminderte Futterangebot.
Mehr noch, die Tiere nehmen in dieser Zeit auch deutlich weniger Nahrung auf, selbst wenn diese verfügbar ist. Der Körper nutzt vermehrt seine Reserven und ist auf den verringerten Energiebedarf regelrecht vorprogrammiert.

Rotwild in derAu Umstellung auf Winter

Das belegt die umfassende Forschung zu diesem Thema von o.Univ. Prof. Dr. Walter Arnold, Rotwildexperte und Leiter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien sowie Mitglied des wissenschaftlichen Nationalparkbeirates. Als wesentlicher Signalgeber für die zeitgerechte Umstellung gilt die abnehmende Tageslänge im Herbst.


Mit diesen Anpassungen kommt das Rotwild in der Region des Nationalpark Donau-Auen gut durch die Winterzeit und weiß das karge Nahrungsangebot in Wald und Flur zu nutzen. Die Tieflandauen gelten Hirschen sogar als traditionelle Überwinterungsgebiete, da sie zumeist schneearm und mit üppiger Vegetation ausgestattet sind.

Keine Fütterung im Nationalpark

Im Gegensatz zu Wirtschafts- und Schutzwäldern, in welchen winterliche Zufütterungen oftmals Praxis sind, um Schäden am Baumbestand durch Verbiss hintanzuhalten und das Wild in gewünschte Bereiche zu lenken, wird im Nationalpark Donau-Auen seit geraumer Zeit auf eine Fütterung verzichtet. Denn hier wird keine Forstwirtschaft mehr betrieben. Auf den Nationalparkflächen der Österreichischen Bundesforste in Niederösterreich wurden alle Standorte bis 2006 aufgelassen, im Wiener Nationalparkanteil wurde die Fütterung von Rotwild im Winter 2015/2016 beendet.

Dies entspricht den Zielen eines Nationalparks allgemein, in welchem menschliche Eingriffe minimiert werden sollen, sowie dem aktuellen Nationalparks Austria Leitbild beim Schalenwildmanagement: Wichtige Vorgaben sind demnach eine natürliche bzw. naturnahe Entwicklung ohne Lenkung, eine freie Ortswahl des Wildes und somit der Wegfall aller Maßnahmen zur Bindung an einzelne Reviere und die Akzeptanz der Bedeutung des Winters als natürliches Regulativ für die Bestände. Ausnahmen für Winterfütterung sind in den Gebirgsnationalparks als Übergangslösung möglich, wenn dem Wild die Zugänge zu angestammten Überwinterungsgebieten verwehrt sind. Oberste Priorität ist hier jedoch stets, diesen Zugang wieder zu ermöglichen.

Rücksicht hilft dem Wild

Einen sehr wesentlichen Beitrag zum erfolgreichen Überdauern des Winters für Rothirsch und Co. kann freilich jeder Nationalparkgast leisten: Die Einhaltung des Wegegebots und der Leinenpflicht für Hunde sowie das Vermeiden von Lärm und Störung bei Aufenthalten im Nationalpark Donau-Auen helfen dem Wild, seine natürlichen Anpassungen optimal zu nutzen und auch ohne Futtergaben gut durch die kalte Zeit zu kommen.