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Montag, 02. November 2020, Eckartsau

Welche Früchte trägt der Spätherbst in der Aulandschaft?

Ein botanischer Streifzug durch die Donau-Auen, gewidmet von den
Österreichischen Bundesforsten.


Selbst wenn die Witterung bisher meist recht mild gestimmt war, so ist der Altweibersommer doch längst vorbei. Andererseits wird auch der Winter noch etwas auf sich warten lassen. So bleibt vorerst die durchaus reizvolle, wenn auch melancholisch-nachdenkliche Stimmung eines nebelgetränkten Auwaldes. Zwischen den fahlen, gebrochenen Grau- und Brauntönen wird jeder kleine Farbtupfer zum kleinen Fest für die Augen.
 

Lampionblume Im welken, angefaulten Laub des Waldbodens sind es vor allem die Lampionblumen (Physalis alkekengi), die besonders hervorstechen. Die Blasenkirsche, wie sie auch noch genannt wird, zählt zu den Nachtschattengewächsen und ist mit Tomate, Paprika oder Kartoffel verwandt. Während sie relativ unauffällig wächst und blüht, läuft sie ab September zur Hochform auf. Dann beginnen nämlich die fünf Kelchblätter, die nach Befruchtung der Blüte immer größer geworden sind, bis sie den Samen gänzlich umhüllt haben, auffallend orange zu leuchten. Die Blume wird daher gerne zu Dekorationszwecken verwendet.


Jetzt im November hat sie von ihrer Pracht schon ein wenig eingebüßt. Die Blätter sind abgewelkt, die Stängel sind braun und auch die auffällige Umhüllung beginnt sich langsam zu zersetzen. Das Bild, das sich jetzt bietet, ist zwar nicht mehr so farbenfroh wie vor einigen Wochen, aber dennoch sehr reizvoll, denn eingeschlossen in einen fragilen Käfig der Blattadern lugt noch immer frisch und ansehnlich die kirschgroße orange Beere der Lampionblume hervor.

Über den Verzehr und die Wirkung dieser Beere gibt es unterschiedliche Aussagen. Tatsächlich ist beim Verzehr einer reifen Beere nichts zu befürchten. Die Beeren sind reich an Vitamin C. Nur größere Mengen können zu Übelkeit und Schweißausbrüchen führen. Im Mittelalter wurde die Frucht als harntreibendes Mittel und zur Bekämpfung von Blasensteinen herangezogen. Die restlichen Teile der Pflanze (Wurzel, Blätter, Stängel und auch die Umhüllung der Frucht) sind jedoch giftig!

Wer nicht besonders experimentierfreudig ist und gerne einmal eine Frucht kosten mag, der kann sich auch im gut sortierten Lebensmittelhandel umsehen. Dort kann er die nahen Verwandten aus Südamerika kennenlernen. Mit Andenbeere und Erdkirsche lässt sich das eine oder andere Dessert anrichten. Auch Freunde von Gestecken und Blumenarrangements können außerhalb der Au fündig werden. Neben Schnittware im Blumengeschäft bietet der Fachhandel Samen und Pflanzen für den eigenen Garten an.

Gemeiner Schneeball Auch der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus) ist kein Langweiler. Er behält seine glänzend roten Beeren sogar bis in die Wintermonate. Wobei ergänzt werden muss, dass Beere aus botanischer Sicht nicht der richtige Ausdruck ist. Streng genommen handelt es sich um eine Steinfrucht, was vereinfacht bedeutet, dass der eigentliche Samen, von außen nach innen betrachtet, zuerst von einer dünnen Haut oder Schale umgeben ist, dann von Fruchtfleisch und schließlich durch einen harten, verholzten Mantel. Gut erkennbar ist das Prinzip bei der genauen Betrachtung der uns allen bekannten Zwetschke.


Bleibt die Frage, was man nun mit diesen „falschen“ Beeren alles machen kann. In der Fachliteratur fallen die Antworten sehr unterschiedlich aus. In manchen Werken werden sie als nicht essbar und leicht giftig eingestuft und sollen sogar Brechreiz hervorrufen. Anderswo ist wieder zu lesen, dass der erste harte Frost abzuwarten ist, wodurch sie genießbar werden. Im Osten Europas werden die Früchte dann als Marmelade verarbeitet, roh gegessen oder als Arznei verwendet. Unbedenklich ist hingegen die Verwendung des elastischen Holzes. Es wurde früher zur Herstellung von Spazierstöcken genutzt.

Der Name Schneeball geht übrigens auf den weißen runden, manchmal leicht gewölbten Blütenstand zurück.

Ing. Thomas Neumair
Österreichische Bundesforste AG, Nationalparkbetrieb Donau-Auen

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