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Willkommen zurück: Es lebe der Wachtelkönig!

Wachtelkönig-Wiese Im Rahmen der Ausweitung einer laufenden Untersuchung in den March-Thaya-Auen konnte heuer auch im Nationalpark Donau-Auen der Wachtelkönig (Crex crex), eine weltweit bedrohte Vogelart, wieder nachgewiesen werden. In enger Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten und den Österreichischen Bundesforsten wird dem Wiesenvogel eine erfolgreiche Brut ermöglicht.

Kronprinz Rudolf von Österreich, Kenner der Donau-Auen östlich von Wien, berichtete einst: „Der Wiesenknarrer bevölkert alle Wiesen und ist überall häufig zu hören.“ In hochwüchsigen Feuchtwiesen, Brachen und Feldern beheimatet, hat der Wachtelkönig in seinen Beständen seither bedrohlich abgenommen: Man geht aktuell österreichweit von lediglich 120 Männchen aus. Die Intensivierung der Landwirtschaft, Entwässerung, Überdüngung sowie Gewässerregulierung setzen ihm in unseren Breiten zu, weltweit ist er hoch gefährdet. Der Lebensraum wird ihm zum Verhängnis: Geeignete Wiesen sind rar, somit weicht der Zugvogel in die Kulturlandschaft aus. Durch die Mahd im Frühsommer, welche heute meist maschinell und großflächig in kurzer Zeit vonstattengeht, werden die Gelege zerstört bzw. frisch geschlüpfte Küken getötet.
 

Der Überraschungsfund

Bereits seit 1993 werden durch den Verein AURING mit regionalen Kooperationspartnern die Bestände in den March-Thaya-Auen erfasst. Mitte Mai zählen Ornithologen in den Abend- und Nachtstunden rufende Männchen. Die March-Thaya-Auen im österreichisch-slowakisch-tschechischen Grenzraum gehören zu den bedeutendsten Brutgebieten des Wachtelkönigs in Mitteleuropa, hält der Wachtelkönig-Experte Thomas Zuna-Kratky nach den nunmehr fast 25jährigen Bestandskontrollen fest.

Vorsichtige Mahd als Schutzmaßnahme 2016 übernahm Christina Nagl die Projektleitung und trat mit dem Vorschlag an die Nationalpark-Verwaltung heran, die Donau-Auen in die Erhebungen miteinzubeziehen. Hier gab es in der Vergangenheit bereits Schutzbemühungen in Kooperation mit dem Wachtelkönig-Experten Johannes Frühauf, jedoch erfolgten die letzten Jahre keine Nachweise mehr. Heuer hingegen gab es wieder einen besonderen Fund: Das Team aus MitarbeiterInnen von Nationalpark Donau-Auen und Österreichischen Bundesforsten konnte zwei Reviere in den Wiesen bei Stopfenreuth nachweisen. In den March-Thaya-Auen wurden dieses Jahr 16 rufende Männchen festgestellt.
 

Effektiver Schutz durch Zeitgewinn

Um die Brut der Wachtelkönige zu sichern, bedarf es der Unterstützung durch die Landwirte – sowohl auf Eigenflächen in der Kulturlandschaft als auch auf den gepachteten Wiesenflächen in Schutzgebieten wie dem Nationalpark, die durch laufendes Mähen offen gehalten werden. Denn durch das Verschieben des Mahdzeitpunktes bis Anfang August entsteht ein Wertverlust. Dieser kann durch Entschädigungsleistungen reduziert werden. Da sich Wachtelkönige jede Saison einen neuen Rufplatz suchen, sind jährlich neue Verträge mit den Landwirten nötig! Weitere effektive Maßnahmen sind Anlage von Brachestreifen, Belassen von Rainen und Böschungen, Mahd von innen nach außen sowie eine langsamere Fahrgeschwindigkeit der Traktoren.

Insgesamt konnte heuer für 5 ha Wiesenfläche eine Mahdzeitpunkt-Verschiebung ausgehandelt werden. Rund 2 ha davon befinden sich im Nationalpark Donau-Auen. Somit konnten die Bruterfolgs-Chancen für sechs Wachtelkönigreviere gesichert werden. Experte Zuna-Kratky dankt den Beteiligten: „Schutzgebiete wie die March-Thaya-Auen und der Nationalpark Donau-Auen bieten kostbare Lebensräume für diese global bedrohte Vogelart. Dank Kooperationen mit den Wiesenbewirtschaftern wurde auch dieses Jahr ein wesentlicher Beitrag für das Überleben des Wachtelkönigs geleistet.“

Nationalpark-Direktor Carl Manzano zum Projekt: „In Zusammenarbeit mit den Landwirten wurde hier in kurzer Frist ein Schutzprogramm für eine massiv bedrohte Tierart entwickelt.  Alle helfen mit, um den Vögeln zu einer erfolgreichen Brut  zu verhelfen. Diese punktuellen Maßnahmen, gemeinsam mit unseren großen Gewässervernetzungs-Projekten zur Sicherung der Feuchtlebensräume, bieten dem Wachtelkönig geeignete Bedingungen im Nationalpark Donau-Auen.“

„Die ersten Wachtelkönige werden sich bald auf den Weg in die Überwinterungsgebiete machen. Es ist ungewiss, wie viele nächstes Jahr wiederkommen und welche Brutwiesen sie sich aussuchen - aber gewiss ist, dass wir auch im nächsten Frühjahr wieder diesen seltenen Wiesenvögeln Aufmerksamkeit schenken werden“, lautet das zufriedene Resümee von Projektleiterin Nagl.

Wachtelkönig Ein Steckbrief


Wiesenralle, Wiesenknarrer, Mäderhex, Wiesenschnarcher, Schnarrwachtel, Feldwächter – alles Namen für einen bemerkenswerten Vogel! Auch der wissenschaftliche Name des Wachtelkönigs, Crex crex, kommt nicht von ungefähr: Mit bis zu 110 Dezibel erschallt ab Anfang Mai der durchdringende Ruf des vorwiegend nachtaktiven Tieres bis zu einen Kilometer weit. Zu sehen bekommt man ihn selten, Nachweise erfolgen meist akustisch. Die Brut erfolgt stets nahe dem Rufplatz des Männchens.

Der bodenbrütende Wachtelkönig ist zwar nicht mit einer Wachtel verwandt, wie die anderen Arten aus der Familie der Rallen sieht er aber wie ein schmalbrüstiger, langbeiniger und langhalsiger Hühnervogel aus. Bei flüchtiger Begegnung wirkt er unauffällig mittelbraun, Kopfseiten und Hals sind jedoch blaugrau und die Flanken schwarzbraun auf weißlichem Grund gestreift. Die Geschlechter sind nicht unterscheidbar. Seine Nahrung besteht aus wirbellosen Tieren. Die Eiablage erfolgt frühestens in der 2. Maihälfte, die Küken sind bis ins Alter von etwa zwei Wochen tiefschwarz. Bei einer Lebenserwartung von wenigen Jahren ist die Art durch oft 2 Bruten pro Jahr, mit jeweils 8 bis 12 Eiern, hoch produktiv - aber dennoch durch die heutige Wiesenbewirtschaftung gefährdet.

Als Zugvogel überwintert der Wachtelkönig in Afrika südlich der Sahara, nur im Zeitraum Ende April bis Ende August ist er bei uns anzutreffen. Die letzten Vorkommen in Österreich sind sehr versprengt: March-Thaya-Auen, Donau-Auen östlich von Wien, Feuchte Ebene, Wienerwald, Truppenübungsplatz Allentsteig, Hanság, Ennstal.