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Erdkröte - Bufo bufo bufo

Erdkröte Erdkröten gelten im Volksmund als gefährliche Tiere. Wer sie berührt, dem drohen Warzen und Eiterbeulen. Tatsächlich besitzen Erdkröten ein besonders starkes Abwehrsekret, insbesondere die großen Drüsen im Nackenbereich können beträchtliche Mengen davon freisetzen. Wer Erdkröten berührt, hat jedoch keinesfalls mit Krankheit oder Siechtum zu bezahlen.

Merkmale

Die Erdkröte ist als plumpe Kröte mit breitem Kopf zu beschreiben. Hinter den Augen liegen deutliche, nach hinten divergierende Ohrdrüsen. Die Pupille ist waagrecht elliptisch, die Iris kupferfarben bis rotgolden. An der Oberseite sind die Tiere bräunlich bis rotbraun gefärbt, ihre Hautoberfläche ist trocken und mit vielen großen Warzen besetzt. Die Unterseite ist grau bis schmutzigweiß und häufig dunkel marmoriert. An den Zehenunterseiten finden sich paarige Gelenkhöckerchen. In Mitteleuropa erreichen die Männchen maximal 90 mm Körperlänge, bleiben aber zumeist deutlich kleiner. Die Weibchen werden beträchtlich größer.

Verbreitung

In ganz Europa vertreten. Mehrere Unterarten, davon in Österreich nur Bufo bufo bufo.

Gefährdung und Schutzstatus

Die Erdkröte zählt zu den weniger gefährdeten Amhibien. Von der Zerstörung der Laichgewässer und der zunehmenden Strukturarmut der Landschaft ist aber auch sie betroffen.

Lebensweise

Die goldfarbenen Augen der Erdkröte entsprechen so gar nicht dem Vorurteil von "hässlichen, ekligen Kröten"! Auch wer im zeitigen Frühjahr jemals ein Pärchen beobachten konnte, wird diese Tiere für immer in sein Herz schließen: mit ganzer Kraft klammern sich die deutlich kleineren Männchen an den Rücken ihrer Weibchen. Den Kopf fest angepresst, damit nur ja kein Rivale einen Ansatzpunkt für einen Verdrängungsversuch finden kann, mit den Beinen alle von hinten nahenden Konkurrenten abwehrend, haben sich die Männchen einige Tage zu bewähren. Die Befruchtung selbst vollzieht sich in Etappen: Das Weibchen bildet mit den Hinterbeinen ein Körbchen und signalisiert dem Männchen die Abgabe einer Eiportion durch eine stark kreuzhohle Körperhaltung. Das Männchen übergießt dann die Eier mit seinen Spermien. Nach wenigen Minuten ruhigen Verweilens wandert das Weibchen ein Stückchen am Gewässerboden oder zwischen den Wasserpflanzen und spannt so die Laichschnur der aneinandergereihten Eier. Dann folgt die nächste Eiportion und so fort, bis schließlich ein mehrere Meter langes Gelege das Gewässer durchzieht. 3000 bis 8000 Eier werden solcherart vom Weibchen abgelegt. Der Drang zur Weitergabe des eigenen genetischen Materials hat sehr unterschiedliche Strategien entstehen lassen, welche je nach den Bedingungen am Laichgewässer und abhängig von der Ausstattung des Männchens sehr unterschiedliche Erfolgschancen bieten: Es gibt da die "Rufer", welche sich im Wasser mit ihrem metallisch-krächzenden "oäck...oäck...oäck..." um die Gunst der Weibchen bemühen. "Satelliten" lauern in der Nähe solch braver Sänger, um die ihnen zustrebenden Weibchen abzufangen. "Wegelagerer" lauern bereits den zuwandernden Weibchen auf und lassen sich ins Laichgewässer tragen. Dieser vermeintlich angenehme Weg zum Fortpflanzungserfolg birgt freilich besondere Gefahren. Denn die Männchen warten besonders gerne auf dem weithin Aussicht bietenden und von der Frühjahrssonne erwärmten Asphalt unserer Straßen. Dann gibt es noch die "Kämpfer", welche ihre Chance in der direkten Auseinandersetzung suchen und andere Männchen zu verdrängen suchen. Doch bleiben die Weibchen diesem Treiben nicht völlig hilflos ausgeliefert. Wie die Wissenschaft zeigen konnte, werden kleine Männchen vom Weibchen gezielt der Konkurrenz durch andere Männchen ausgesetzt. Auf dass sie sich in der erfolgreichen Abwehr als ausreichend lebenstüchtig erweisen oder eben verdrängt werden. Wem diese Beschreibung den Unterschied zwischen Mensch und Tier gar zu sehr vermischt, der sei mit der Bemerkung getröstet, dass solche in der Tierwelt evolutionär entwickelten "Strategien" natürlich nicht unmittelbar mit den Leistungen unseres Gehirnes vergleichbar sind. Auf Strassen aufgefundene Erdkröten, insbesondere zur Paarungszeit oder bei feuchter Witterung ein häufiges Ereignis, sollten behutsam in der Wanderrichtung über die Straße getragen werden. Diese wechselwarmen Tiere einmal in Händen zu halten, ist für Katzen- und Hundebesitzer mit Gewissheit eine Bereicherung. Nur sollte man sich nicht anschließend in die Augen fassen. Manchmal lassen sich große Schwärme von Erdkrötenlarven beobachten, dies wird als Schutzverhalten gedeutet. Erdkrötenlarven können auch in fischreichen Gewässern überleben, da sie von vielen Fischarten als Beute gemieden werden. Die Sommerlebensräume der Erdkröten können sehr weit vom Laichgewässer entfernt liegen, vielfach wird eine maximale Wanderstrecke von 2 km angenommen. Aus den Randbereichen des Nationalparks dringen Erdkröten daher weit in die Agrarlandschaft und in den Siedlungsraum vor. Besonders im Frühjahr, aber leider auch bei feuchtem Sommerwetter sind sehr hohe Verluste auf den Straßen zu beklagen.

Besonderes

Vielerorts werden spezielle Amphibienzäune errichtet, um wandernde Tiere vor dem Straßentod zu bewahren. Bitte entnehmen sie bei solchen Anlagen die Tiere nicht aus den Fangkübeln. Die Anzahl der Tiere, das Geschlecht und andere Merkmale sind wichtige Hinweise für die Naturfreunde und für die laufende Betreuung solcher Schutzmaßnahmen von großer Wichtigkeit. Erdkröten wird nachgesagt, ihren Laichplätzen lebenslang treu zu bleiben. Tatsächlich wird zur Paarungszeit vielfach jenes Gewässer aufgesucht, in dem sich die Embryonal- und Larvalentwicklung vollzogen hat. Erdkröten sind allerdings auch in der Lage, neu entstandene Gewässer sehr rasch zu besiedeln. Besonders die Jungkröten neigen zur Abwanderung. In Europa ist diese Art mit mehreren Unterarten vertreten.

So klingt die Erdkröte