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Lebensräume

Die Lebensader dieser Landschaft ist die Donau. Zahlreiche Augewässer sind mit ihr je nach Wasserstand verbunden. Man unterscheidet zwischen durchströmten Nebenarmen und verlandenden Altarmen. Zwischen diesen erstrecken sich tiefe Auwälder. Eine Besonderheit sind die sogenannten Heißländen, steppenähnliche Landschaften auf trockenen Standorten. Mitten in den Wäldern liegen auch artenreiche Wiesen, die von den Menschen teilweise bereits vor Jahrhunderten angelegt wurden. Am Nordufer schirmt der Schutzdamm das Marchfeld gegen die Hochwässer der Donau ab. Der Südrand des Nationalparks wird durch den Abbruch des Wiener Beckens begrenzt, den ein einzigartiger Hangwald besiedelt.

Donaustrom

Lebensraum Donaustrom In Österreich hat die Donau nur noch zwei freie Fließstrecken von sehr unterschiedlichem Charakter: Das enge Tal der Wachau und die weite Ebene stromab von Wien, das Nationalpark-Gebiet. Dieser Abschnitt ist letzte Heimstätte für verschiedene Flussfischarten, wie Schretzer, Streber, Zingel. Von den insgesamt rund 60 Fischarten im Nationalpark finden etliche ihre Laichplätze nur in den Flachwasserbereichen der Donau. Für viele Wasservogelarten aus dem Norden Europas ist der offene Strom ein wichtiges Winterquartier und bedeutsamer Futterplatz, wie z.B. für Schellente und Krickente. Der Seeadler kommt regelmäßig an die Donau und brütet nach vielen Jahrzehnten auch wieder vereinzelt.
Auf den Schotterbänken finden sich im Frühjahr die bereits stark gefährdeten Kiesbrüter ein. Teilweise stehen Altarme noch in Verbindung mit dem Strom. Hierher ziehen verschiedene Fischarten um ihre Laichgebiete und Kinderstuben zu finden.
Die Donau entspricht derzeit Qualitätsstufe zwei. Alle Nebenarme und die Altwässer stehen über den Grundwasserkörper direkt mit ihr in Verbindung.

Auwald

Lebensraum Auwald Die Wälder an der Donau werden in zwei Grundtypen unterschieden: Weiche Au und Harte Au. Diese Begriffe stehen für Weich -und Hartholzarten, die auf Grund ihrer Ansprüche verschiedene Lebensräume besiedeln. Weiden, Pappeln, und Erlen zählen zu den Charakterarten der Weichen Au, die mehrmals im Jahr überschwemmt wird. Eiche, Ahorn, Esche und Linde bilden die Harte Au. Hier sind die Überschwemmungen seltener.
In den Auwäldern des Nationalparks kommen sonst überall gefährdete Baumarten noch sehr häufig vor, z.B. Silberweide und Schwarzpappel. Auch viele spezialisierte Lebewesen haben hier ihren Lebensraum, wie z.B. Käfer und ihre Larven im Totholz von Bäumen und Sträuchern. Die Altbaumbestände haben große Bedeutung für die Vogelwelt.
In den Wäldern des Nationalparks gibt es keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr, sondern nur noch Maßnahmen der Renaturierung. Damit sollen durch die Forstwirtschaft vergangener Zeiten eingebrachte Exoten, wie die Robinie und Hybridpappeln wieder zurückgedrängt werden. Der einzige Baumfäller, der bleiben darf, ist der Biber.

Nebenarm

Lebensraum Nebenarm Die rechtsufrig gelegenen Nebenarme der Donau stellen einen sehr dynamischen Gewässertyp dar. Die Donau presst hier gegen den Absturz des Wiener Beckens. An solchen Prallhängen bildet das schürfende Wasser senkrecht abstürzende Steilufer, die vor allem vom Eisvogel für die Anlage seiner Bruthöhlen genutzt werden. Auch der Biber gräbt in diese Böschungen gerne seine Bauten. In diesen regelmäßig durchströmten Gewässern findet man kaum Wasserpflanzen. Von Hochwässern umgerissene Baumriesen bereichern den Lebensraum. In diesem Totholz finden Insekten Nahrung und Wohnraum, Eisvogel und verschiedene Greifvogelarten nutzen diese als Aussichtswarten.
Im Gegensatz zu den steilen Böschungen entstehen an den Gleitufern flache Sand- und Schotterbänke, auf denen Pionierpflanzen wie Weiden und Schwarzpappeln eine Möglichkeit finden sich anzusiedeln. Auch Spezialisten wie der Schlammling, eine der kleinsten heimischen Blütenpflanzen, sind hier heimisch. Durch die Umlagerung von Schotter und Sand werden ständig neue Lebensräume geschaffen. Die Wiederanbindung einiger dieser Gewässer an den Hauptstrom hat ihre Bedeutung für Donaufischarten als Refugial- und Fortpflanzungsraum stark erhöht.

Altarm

Lebensraum Altarm Die linksufrig gelegenen Seitenarme der Donau stellen fast ausnahmslos Gewässer des so genannten Verlandungstyps dar. Sie waren einst von der Donau durchströmt. Durch die Verlegung des Hauptstromes und Eingriffe der Donauregulierung sind sie zu Stillgewässern mit üppigem Pflanzenwuchs geworden. Hier finden sich heute die artenreichsten Wasser- und Sumpfpflanzengesellschaften Europas.
Für Wasserinsekten, Amphibien, Sumpfschildkröten und Schlangen sind sie ebenso Lebensraum, wie für eine Vielzahl von Fischarten und diverse Wasservögel wie Rohrdommel und Rohrsänger. Typisch sind weite Schilfbereiche, Teichrosenfelder und verkrautete Verlandungsflächen, die nur zeitweise unter Wasser stehen. Die Ablagerung von Feinsedimenten am Grund der Gewässer trägt zur Verlandung bei.

Wiese und Damm

Lebensraum Wiese und Damm Schon vor Jahrhunderten haben Menschen in den Wäldern der Donau-Auen Wiesenflächen angelegt. Auf diesen regelmäßig überschwemmten, nährstoffreichen Auwiesen sind einzigartige Pflanzengesellschaften entstanden. In Folge fanden hier seltene Tierarten, wie z.B. der Wachtelkönig, Ersatzlebensräume für die durch moderne Landwirtschaft zerstörten Biotope.


Mit der Donauregulierung in den 70iger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Marchfeld durch einen Dammbau von Wien bis an die Marchmündung vor Hochwässern geschützt. Auf diesem künstlich geschaffenen, extrem trockenen Lebensraum findet sich eine äußerst artenreiche Vegetation mit über 400 Pflanzenarten. Besonders Orchideen, wie Spinnenragwurz, Brandknabenkraut und Helmknabenkraut sind hier zahlreich vertreten. Der Marchfeldschutzdamm wird von der via donau gepflegt und verwaltet.

Wiesen und Dämme müssen regelmäßig gemäht werden damit sie nicht verbuschen. Seit der Gründung des Nationalparks ist keine Düngung und Spritzung mit Herbiziden mehr erlaubt.

Heißlände

Lebensraum Heißlände Auf ehemaligen Sand- und Schotterbänken, aber auch in alten Flussbetten, die durch die Abdämmung abgetrennt wurden, entstanden trockene Standorte. Der Boden ist extrem wasserdurchlässig und trocknet dadurch rasch aus, es bildet sich kaum eine Humusschicht. Hier findet sich eine für die Auen ungewöhnliche Pflanzen- und Tierwelt.
Der Charakter dieser Landschaft ist savannenartig. Typische Pflanzen sind Weißdorn, Sanddorn, Orchideen und Federgras. Auffallend sind Flechten und Moose, die extreme Trockenheit ertragen - von der Wissenschaft als Trockenmoosgesellschaften bezeichnet. Eine Besonderheit ist das Vorkommen der Gottesanbeterin, ein Insekt das für extrem trockene Gebiete typisch ist.

Hangwald

Lebensraum Hangwald Der alte Prallhang der Donau wird vom Abhang des Wiener Beckens gebildet. Diese am Südufer der Donau gelegene, 30 bis 40 Meter hohe Geländestufe stellt ein besonderes Biotop dar. Hier befinden sich die tiefst gelegenen Buchenwälder Österreichs. Sie markieren die Hochwasserlinie der Donau. Buchen kommen im Auwald eigentlich nicht vor, da sie Überschwemmungen nicht ertragen. Der Charakter dieser Landschaft erinnert an den Wienerwald. Am Hangfuß liegen Tümpelketten, die von Quellaustritten und Sickerwässern der Abhänge gespeist werden. Sie sind besonders gute Laichgewässer für Amphibien. Das Rotwild zieht bei Hochwasser gerne in diese höher gelegenen Bereiche.