Au
SIE SIND HIER: Home | Natur/Wissenschaft | Flussbau an der Donau

Flussbau an der Donau

Donau-Uferlandschaft

Naturversuch Bad Deutsch-Altenburg

Für die praktische Erprobung der wasserbaulichen Umsetzungen im Flussbaulichen Gesamtprojekt wurde der Naturversuch bei Bad Deutsch-Altenburg gestartet. Das Ausbringen des granulometrischen Zugabematerials, das Verhalten des Sohlmaterials in der Stromsohle, der Buhnenrückbau und die neue Buhnenform sollen erprobt werden, ferner weitere Renaturierungsmaßnahmen im Nationalpark umgesetzt werden (Uferrückbau wasserseitig einer vorgelagerten Insel, Vernetzung des Johler Arms bei Hainburg).
Ein umfangreiches ökologisches Begleitforschungs-Programm erfasst die Wirkung der Maßnahmen auf die Tier- und Pflanzenwelt.


Konzeption und Planung dieses Naturversuches wurden im Rahmen des Leitungsausschusses unter Mitwirkung der Nationalpark-Gesellschaft vorgenommen, die Ausführung erfolgt durch die via donau.
Details

Flussbauliches Gesamtprojekt

Natürliches Donauufer Das Flussbauliche Gesamtprojekt (FGP) der via donau, Österreichische Wasserstraßen – Gesellschaft mbH ist Teil eines europäischen Verkehrsinfrastruktur Projektes (TEN-T) zum Ausbau der Wasserstrasse Donau. Zugleich muss es eine Reihe von gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen erfüllen, wie die Wasserrahmenrichtlinie, die europäischen Naturschutzrichtlinien und die Nationalparkgesetze. Im Bereich des Nationalpark Donau-Auen verhindert das FGP eine weitere Eintiefung der Donausohle und hebt die Wasserspiegel wieder an.

Das Projekt beinhaltet umfassende ökologische Rückbau- und Renaturierungs-Maßnahmen (Uferrückbau, Gewässervernetzung, „Hinterrinner“). Es handelt sich dabei um einen einmaligen, bedeutsamen Eingriff, der langfristig die ökologischen Rahmenbedingungen für eine natürliche und dynamische Entwicklung der Fluss- und Auen-Landschaft verbessert. Der Nationalpark Donau-Auen erwartet sich vom FGP einen nachhaltigen ökologischen Gewinn.

Dem nun vorliegenden Projekt ging ein langer Planungsprozess voraus: Bereits 1985 war von der Ökologiekommission die Notwendigkeit des Stopps der Sohleintiefung betont worden. Die Entwicklung des Projekts baut auf dem „Flussbaulichen Gesamtkonzept“ der Nationalparkplanung (1991) und auf den bisherigen Pilotprojekten (Gewässervernetzung Regelsbrunn, Gewässervernetzung Orth, Uferrückbau Hainburg und Witzelsdorf, 1996-2009) auf. Die grundlegenden Planungsparameter, besonders aber die ökologischen Maßnahmen im Projekt wurden vom Nationalpark Donau-Auen in einem vom BMVIT eingerichteten "Leitungsausschuss“ mit entwickelt.

Flachufer nach Uferrückbau Ein Kernproblem des Nationalparks ist die fortschreitende Eintiefung der Donausohle. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass seit 1985 die Spiegellagen bei Niederwasser um einen halben Meter gefallen sind. Das hat vor allem Auswirkungen auf die Altarme, die bei den tiefen Donau-Wasserständen im Herbst und Winter über weite Strecken kein Wasser mehr führen. Subtiler sind die Veränderungen in der Vegetation, wo vor allem die charakteristische „Weiche Au“ immer mehr zurückgeht. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.

Mit der im FGP geplanten „Granulometrischen Sohlverbesserung“ liegt eine erfolgversprechende Lösung vor. Dabei soll der Donau Kies in der Größe von 4-7cm zugegeben werden, der sich mit der vorhandenen Flusssohle vermischt. Die Sohle bleibt weiterhin beweglich, aber die Transportkapazität für das Geschiebe wird um 90% reduziert. Die Kiesmengen, die aus dem System ausgetragen werden und durch regelmäßige Geschiebezugabe wieder ausgeglichen werden müssen, liegen damit in einer relativ leicht zu bewältigenden Größenordnung.
 

Pegel Wildungsmauer: Veränderungen des Regulierungsniederwassers (RNW) 1949 bis 2008. Zusätzlich sind weitreichende Renaturierungsmaßnahmen vorgesehen: Nebengewässer sollen wieder mit der Donau vernetzt werden, auf 36 km Uferlänge soll die harte Uferverbauung abgetragen werden, damit die Donau ihre Ufer wieder natürlich gestalten kann.  All dies verbessert die ökologischen Rahmenbedingungen und fördert eine natürliche Entwicklung der Aulandschaft im Nationalpark. Durch eine neue Niederwasseregulierung werden die Fahrwasserverhältnisse für die Schifffahrt verbessert, gleichzeitig aber wird die Gesamtlänge der Regulierungsbauten („Buhnen“) um ein Drittel reduziert. Die verbesserten Fahrwassertiefen werden hauptsächlich durch eine Anhebung der Wasserspiegel erreicht.

Bild: Pegel Wildungsmauer: Veränderungen des Regulierungsniederwassers (RNW) 1949 bis 2008.
 

Die Planungsgrundsätze des Flussbaulichen Gesamtprojektes:
 

  • Stabilisierung der Donausohle durch Granulometrische Sohlverbesserung.
  • Adaptive Bauweise: die Belegung mit Grobkies erfolgt zuerst in den Kolken. In Furten wird nur eingegriffen, wenn diese erodieren oder auflanden.
  • Renaturierung durch umfassende Gewässervernetzungen und Uferrückbauten.
  • Umgestaltung der Buhnen (Querbauwerke), ökologisch optimierte Niederwasserregulierung.
  • Fahrwassertiefe: 27dm in Abschnitten ohne Granulometrische Sohlbelegung, 28dm in Abschnitten mit Granulometrischer Sohlbelegung; im Innenbogen der Flusskrümmungen bleibt die Fahrwassertiefe auf 26dm beschränkt.
  • Fahrwasserbreite: 120 m, in Furtbereichen 100m.

Uferrückbau bei Witzelsdorf Projektbetreiber des Flussbaulichen Gesamtprojektes ist die via donau, Österreichische Wasserstraßen – Gesellschaft mbH im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. 2006 wurde das Flussbauliche Gesamtprojekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Das Verfahren ist weit fortgeschritten.

Als nächsten Schritt steht der „Naturversuch Bad Deutsch-Altenburg“ vor der Umsetzung, bei dem die Geschiebezugabe auf einer kleineren Strecke erstmals praktisch erprobt und weitere Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt werden sollen.
 
Auf unserer FAQs Seite finden Sie häufig gestellte Fragen zum Flussbau an der Donau

Bereits realisierte Flussbau-Projekte im Nationalpark Donau-Auen

Gewässervernetzung

Gewässervernetzung

Die Wieder-Anbindung der Seitengewässer an die Donau fördert die Ausbildung eines dynamischen Gewässersystems. Die an solche dynamischen Verhältnisse gebundenen Lebensräume (Steilufer, Pionierflächen, Sedimentbänke,...) und spezialisierte Arten (Eisvogel, Kiesbrüter, Flussfische, Pionierpflanzen, strömungsliebende Gewässerbewohner,...) werden dadurch wieder gefördert. an mehreren Standorten im Nationalpark-Gebiet wurden bereits erfolgreich Gewässervernetzungen realisiert.

Gewässervernetzung Regelsbrunn - Maria Ellend

An diesem Standort wurden als Pilotprojekt die ersten Maßnahmen gesetzt. Durch die Absenkung des Ufers um 1,5 Meter auf 32 Metern Länge sowie den Bau eines ca. 12 Meter breiten Durchlasses sowie die Öffnung von Traversen konnte wieder Wasser in die Regelsbrunner Au gelangen. Die Erfahrungen an diesem Standort führten zu weiter reichenden Maßnahmen bei den Folgeprojekten.

Gewässervernetzung Orth

Gewässervernetzung Orth Stromauf von Orth/Donau wurden drei Einströmbereiche von der Donau ins Gewässer-Netz der Großen und der Kleinen Binn durch Entfernen des flussbegleitenden harten Uferverbaues wieder hergestellt. In den Seitengewässern wurde ein Querbauwerk vollständig entfernt und ein anderes mit einem massiven Brückendurchlass ausgestattet. Weiters wurden alte Steinsicherungen aus dem Gewässerzug entfernt und umfangreiche Beweissicherungen durchgeführt.
Seither sind deutliche Veränderungen im Verlauf beider Gewässerzüge zu beobachten. Ablagerungen, die während der letzten 100 Jahre entstanden sind, wurden teilweise wieder ausgespült. Kleinräumig zeigen sich diese Veränderungen auch in der Zusammensetzung der Artengemeinschaften.

Gewässervernetzung Schönau

Gewässervernetzung Schönau Hier wurden zwei Absenkungen der flussbegleitenden Ufersicherung verwirklicht sowie die den Gewässerzug zerteilenden Traversen teilweise geöffnet und mit neuartigen 20 Meter breiten Brückendurchlässen ausgestattet.
Im obersten Abschnitt des Projektgebietes wird durch die Maßnahmen das langfristige Voranschreiten der Verlandung verhindert bzw. stark gebremst.
Für den mittleren Abschnitt kann nun der Erhalt einer dynamischen Umlagerungslandschaft gewährleistet werden. Im untersten Abschnitt verbessert die häufigere Durchströmung die Wasserqualität und den Eintrag von Verschmutzungen über die Kehrströmung.

Rückbau von Grabenquerungen bei Forstwegen

Grabenquerungen Nicht mehr erforderliche Straßenquerungen von Gewässerzügen im Orther Augebiet (wasser- und landseits des Dammes) wurden 2005 im Rahmen des zweiten Life-Projektes zurückgenommen, um die daraus resultierenden ökologischen Nachteile zu verringern: die Unterbrechung des Gewässerkontinuums, die Behinderung in der Nutzung des Gewässersystems als Ausbreitungskorridor für Tiere und Pflanzen und viele andere Aspekte sollen dadurch nachhaltig verbessert werden.
Dabei wurden die für Besucher besonders wichtigen Grabenquerungen mit Holzstegen überbrückt, um die Begehbarkeit des Gebietes weiterhin zu erhalten. In einigen Fällen wurden befahrbare Absenkungen errichtet.

Dotation Lobau

Dotation Lobau Seitens der der Stadt Wien, MA 45, Wiener Wasserbau wird seit Jahren das Projekt einer laufenden Dotation des Mühlwassersystems und der Panozzalacke betrieben. Wasser guter Qualität wird von der Neuen Donau kontinuierlich in das Gewässersystem der Lobau eingebracht, alte Verbindungen und Grabenzüge werden wieder hergestellt. Mittlerweile sind Maßnahmen zur Weiterführung bis in die Untere Lobau geplant.

Wehranlage Gänshaufentraverse

Wehranlage Gänshaufentraverse 2001 wurde von Nationalpark-Gesellschaft und MA 45, Wiener Wasserbau die Wehranlage an der Gänshaufentraverse (am Kühwörther Wasser) umgebaut und erneuert. Das regelbare Wehr wurde auf neuen Meter erweitert, es kann nun sowohl automatisch als auch manuell gesteuert werden. Die neue Wehranlage stellt über weite Teile des Jahres das Gewässerkontinuum wieder her und unterstützt einen natürlicheren Wechsel der Spiegellagen des Gewässers und im Grundwasser. In der abfließenden Hochwasserwelle kann durch das geöffnete Wehrfeld ein verstärkter Abtransport der bei Hochwasser eingetragenen Schwebstoffe erfolgen.

Am Dach der Schaltwarte wurde eine Beobachtungsplattform errichtet, die von BesucherInnen gut angenommen wird. Der Ausblick über das größte Stillgewässer des Nationalparks ist nicht nur landschaftlich eindrucksvoll, sondern erlaubt auch die Beobachtung seltener Wasservögel ohne Störung der Tiere.

Revitalisierung des Fadenbachs

Fadenbach Der Fadenbach im Bereich Orth-Eckartsau ist einer der wenigen bekannten Lebensräume des Hundsfisches (Umbra krameri) in Österreich. Diese Art galt für Jahrzehnte als verschollen, bis sie in den 90er Jahren im Fadenbach wieder entdeckt wurde. Im Rahmen des ersten Life-Projektes wurde eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, um das Überleben dieser Art zu sichern und die ökologische Situation des ehemaligen Donau-Seitenarms zu verbessern. Es wurden einige Gewässerabschnitte  nachgetieft bzw. wieder verbunden sowie Überlebenstümpel geschaffen. Dadurch sind diese für den Hundsfisch über weite Teile des Jahres als Lebensraum nutzbar und können auch ihre Funktion als Ausbreitungskorridor wieder übernehmen. Auf Initiative des Arbeitskreises Fadenbach der Marktgemeinde Orth wurden mit finanzieller Bedeckung durch den Fadenbach-Wasserverband weiters einige Gewässerabschnitte zwischen Orth und Mannsdorf nachgetieft. Weitere Maßnahmen sind in Planung.

Uferrückbau Hainburg

Uferrückbau Hainburg Das Projekt umfasste den Rückbau von harten Ufersicherungen (seitlicher Blockwurf) und Buhnen gegenüber der Stadt Hainburg am linken Donauufer. Im gesamten unteren Abschnitt des Projektgebiets wurden dabei auf einer Länge von ca. 2100 m sämtliche Steinsicherungen entfernt. Da der obere Abschnitt eine beginnende Prallufercharakteristik zeigt, war dort unter Berücksichtigung der Anforderungen der Schifffahrt eine Sicherung des Böschungsfußes auf Höhe des Regulierungsniederwassers erforderlich. Langfristig soll die freie Uferentwicklung

  • eine natürliche und strukturell vielfältige Uferlandschaft entstehen lassen
  • eine laufende seitliche Verschiebung der Uferkante bewirken und damit verbundene Erosions-, Anlandungs- und Umlagerungszonen fördern und langfristig in dynamischem Wechsel erhalten
  • der Uferwallbildung entgegenwirken
  • das Eindringen des Hochwassers in die dahinter liegenden Auwälder, Gräben und Gewässerzüge verstärken
  • die Grundwasserverbindung zwischen Hauptstrom und Aulandschaft verbessern und langfristig offen halten

Tatsächlich wurde bereits unmittelbar nach Ende der Baumaßnahmen das hohe Renaturierungspotential dieser Landschaft sichtbar: das fließende Wasser hat die Uferlinie zurückgesetzt. Nach wenigen Hochwässern zeigte sich in flachen Abschnitten des Innenbogens die Verjüngung der flusstypischen Lebensräume. Besonders die Pionierstandorte, die frühen Sukzessionsstadien und die Weidenau werden gefördert und sichern den hoch gefährdeten Arten dieser Lebensräume ihre langfristige Erhaltung im Augebiet.

Pilotprojekt Witzelsdorf: Buhnenumbau und Uferrückbau

Leitwerk in der Donau Ein weiterer Meilenstein in der Renaturierung wurde seitens via donau, Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH 2009 baulich vollendet: der Uferrückbau Witzelsdorf im Nationalpark Donau-Auen.
Der Stromabschnitt bei Witzelsdorf zählte davor zu den am stärksten verbauten an der gesamten Donau. Doch hier boten sich gute Voraussetzungen für einen Rückbau und somit eine Verbesserung der ökologischen Situation. Die Dynamik und gestaltende Kraft der Donau sollte gefördert, eine natürliche Uferentwicklung wieder initiiert werden. Die Projekt-Maßnahmen lauteten:

  • Abtragen von acht alten Buhnen und Felderprobung neuartiger, ökologisch optimierter Buhnenformen
  • Absenkung des vorhandenen Leitwerks auf 0,5 Meter über Regulierungsniederwasser (RNW)
  • Uferrückbau auf fast 2 Kilometern Länge zwischen Stromkilometer 1891,7 und 1893,4 bei Erhaltung der Ufersicherung bis auf knapp über RNW im stärker angeströmten Bereich

Etwa 30.000 m3 Steinmaterial wurden vom Ufer entfernt und per Schiff abtransportiert. In Zusammenarbeit mit dem Projektteam begleitete die Nationalpark GmbH das Vorhaben fachlich. Der Uferrückbau Witzelsdorf wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) sowie aus dem Haushalt der Transeuropäischen Verkehrsnetze der Europäischen Union finanziert.

Mittlerweile ist die Donau am neu gewonnenen natürlichen Ufer bereits gestalterisch tätig geworden, auch der zweite Uferrückbau im Nationalpark Donau-Auen ist somit ein Erfolgsprojekt geworden.
Information: www.via-donau.org