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Blog

14.07. 2026

Fledermausforschung in der Au

Fledermausfang in den Händen eines Experten

Mehrere Monate sind seit Beginn meines Praktikums vergangen, eine Zeit, in der es bereits diverse Highlights für mich gab, über die ich hier berichten könnte. Da ich aber gleich an meinem ersten Praktikumstag zu meinen Kolleginnen und Kollegen meinte: “Sobald ihr irgendetwas mit Fledermäusen macht, unterbrecht mich bei egal was. Ich will dann mit!”, wird mein Blogeintrag natürlich um diese kleinen Flugkünstler gehen. Denn tatsächlich durfte ich diese im Mai von ganz nah betrachten und wie oft kriegt man schon so eine Gelegenheit?

Möglich wurde das durch das Projekt „BiKoS – Biodiversität, Kooperation und Synergien in den NÖ Großschutzgebieten“, welches über das Förderprogramm Ländliche Entwicklung 2023 – 2027 vom Land Niederösterreich und der EU gefördert wird und an dem die vier Großschutzgebiete Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal, Biosphärenpark Wienerwald, Nationalpark Thayatal und Nationalpark Donau-Auen beteiligt sind. Ein Teil des Projekts lautet, die Vielfalt von sogenannten Indikatorarten in den Gebieten zu erfassen, um möglichst aktuelle und vollständige Artenlisten von diesen zu erhalten. Vorkommen und Vielfalt der Indikatorarten, zu denen eben auch die Fledermäuse gehören, können durch ihre besonderen Lebensraumansprüche Rückschlüsse darauf geben, wie hoch die Qualität der Lebensräume in den Schutzgebieten sind. Fledermäuse sind hier ein gutes Beispiel, da sie eine Vielfalt an kleinräumigen Strukturen zum Jagen, Schlafen, Fortpflanzen, Junge großziehen, Überwintern brauchen und auf Veränderungen sehr sensibel reagieren. Gesunde Populationen von verschiedenen Fledermausarten sind also nicht nur für die Fledermäuse an sich ein gutes Zeichen und für uns als Nationalpark erfreulich. Immerhin sind alle Fledermausarten nach FFH-Richtlinie Anhang IV und neun heimische Arten nach Anhang II geschützt. Sie sagen uns auch etwas über das Vorkommen von Strukturen, die auch für andere Gruppen relevant sind.

Soweit, so theoretisch. Wie erfassen wir jetzt aber die Vielfalt und den Zustand der Fledermauspopulationen im Nationalpark? Ein Teil der Erfassung erfolgt über die Aufzeichnung ihrer Rufe und die anschließende Artbestimmung. Der andere Teil, bei dem ich vor Kurzem dabei sein durfte, geht über Netzfänge und das direkte Untersuchen der Tiere. Denn nicht alle Fledermäuse sind über ihre Rufe klar von anderen Arten abzugrenzen.

Ein Beispiel für so eine Art ist die Teichfeldermaus (Myotis dasycneme), die heuer im Fokus stand. Bei Netzfängen im Jahr 2025 konnte sie im Nationalparkgebiet und damit das erste Mal an der österreichischen Donau nachgewiesen werden. Der Nachweis weiterer Tiere dieser Art im Nationalpark könnte daher Aufschluss geben, wie häufig sie in den hiesigen Lebensräumen vorkommt.

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Luca sucht den Himmel ab

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Fangnetz in der Au

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Errichtung des Netzes

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Ein Fang wird geborgen

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Datenerhebung in der Finsternis

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Mopsfledermaus

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Graues Langohr

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Großer Abendsegler

Hierfür waren wir an drei Nächten zusammen mit Markus Milchram, Ulrich Hüttmeir und Tobias Mair - einem Fachleuteteam der KFFÖ - unterwegs. Jede Nacht wurden an einem anderen Standort am Wasser mehrere große Netze aufgestellt, um Fledermäuse bei ihrer Jagd am Wasser aus dem Flug abzufangen. Die Netze bestehen aus sehr feinen Nylonfäden, wodurch sich die Tiere einerseits einfach in ihnen verfangen, anderseits das Verletzungsrisiko hintangehalten wird.

Nach dem Aufstellen der Netze zu Sonnenuntergang hieß es erstmal warten, doch es dauerte nicht lange, bis uns die Fledermäuse ordentlich auf Trab hielten. Sobald die Tiere im Netz landen, gilt es diese schnell zu befreien, zu erfassen und zügig wieder freizulassen. In der Hochphase unserer Fänge mussten wir daher mehrere Sprints hinlegen. Erfasst wurde dann die Art, das Geschlecht, Reproduktionsmerkmale – also ob die Weibchen säugen und wie gefüllt die Hoden und Nebenhoden der Männchen sind –, das Gewicht und die Unterarmlänge der Tiere.

Im Laufe der drei Nächte konnten 145 Tiere sieben verschiedener Arten erfasst werden. Vertreten waren der Abendsegler (Nyctalus noctula), Kleine Abendsegler (Nyctalus leiseri), Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), Graues Langohr (Plecotus austriacus), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii).

Der ersehnte wiederholte Nachweis der Teichfledermaus blieb leider aus, dennoch gibt es erfreuliche Nachrichten: Die meisten der gefangenen Weibchen waren trächtig, was für eine erfolgreiche Fortpflanzung im Nationalpark spricht. Ganz besonders gefreut haben wir uns zum einen über den Fang von trächtigen Abendseglern und Kleinen Abendseglern, da hier Reproduktionsnachweise in Österreich selten sind.

Auch waren unter den Fängen drei trächtige Rauhautfledermäuse dabei. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich sogenannte Wochenstuben der Rauhautfledermaus im Nationalparkgebiet befinden. So werden jene Quartiere bezeichnet, in denen die Jungen aufgezogen werden. Trächtige Rauhautfledermäuse sind eine große Besonderheit für Österreich und wurden hierzulande zuletzt in den 1980er Jahren im burgenländischen Seewinkel nachgewiesen. Um herauszufinden, ob es tatsächlich Wochenstuben im Nationalpark Donau-Auen gibt und regelmäßige Jungenaufzucht stattfindet, bräuchte es weitere Untersuchungen.

Luca Kohlmeyer
Praktikantin im Nationalpark Donau-Auen

Fotos: Tobias Mair, Valerie Christ

Dieses Projekt wird durch das Programm Ländliche Entwicklung 2023 – 2027 vom Land Niederösterreich und der EU gefördert.

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