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Luellia recondita – ein echter Schatz
Inocybe dunensis – nur in sandigen Habitaten gefunden
Thaxterogaster variegatus
Geopora cervina – häufiger als gedacht

Bodenpilze, das verborgene Reich

Freitag, 25.09.2026 , Orth/Donau

Unter unseren Füßen beginnt eine zweite Welt, dort wo wir kaum hinsehen: unter dem Laub, zwischen Baumwurzeln und tief im Humus. Hier ziehen sich Geflechte aus Pilzmyzelien durch den Erdboden. Sie zersetzten und ernähren – und halten den Wald am Leben. Im Rahmen des Projektes MetaFung wurde die Bodenpilzvielfalt in Österreichs Großschutzgebieten nun erforscht – mit interessanten Erkenntnissen auch für den Nationalpark Donau-Auen.

Ein gSeit 1996 schützt der Nationalpark Donau-Auen eine der letzten großen, naturnahen Flussauenlandschaften Mitteleuropas. Auf mehr als 9.600 Hektar Fläche zwischen Wien und der slowakischen Grenze kann sich die Dynamik der Donau bis heute weitgehend frei entfalten. Ihre wechselnden Wasserstände formen ein vielschichtiges Mosaik an Lebensräumen, als Basis für eine enorme Artenvielfalt. Doch welche Fülle verbirgt sich dabei unter unseren Füßen?

Dieser Frage ging das Projekt MetaFung nach, finanziert durch den Biodiversitätsfonds des BMLUK. Dabei wurden die Bodenpilze der großen Naturschutzgebiete Österreichs mit modernsten Forschungsmethoden untersucht. Der Nationalpark Donau-Auen war Teil dieser umfassenden Erhebung.

Die Ergebnisse sind faszinierend: „Allein im Nationalpark Donau-Auen wurden in nur 38 genommenen Proben 2.072 Arten nachgewiesen – ein Beleg für seine enorme Biodiversität. Außer den bisher bekannten etwa 1.000 Arten an Großpilzen wurden erstmals Mikropilze erfasst. Neben häufigen und weit verbreiteten Vertretern fanden sich auch diverse seltene und gefährdete Arten, ebenso wie bislang noch kaum erforschte Pilze“, sagt Nationalparkdirektorin Edith Klauser.

Manche Arten zeigen zudem Verbreitungsmuster, mit denen selbst Fachleute nicht gerechnet hatten: „Überraschend waren Funde von Ramaria-Arten (Korallenpilzen), die bislang nur aus Sanddünen Nordeuropas bekannt waren. Sie lassen erkennen, wie lückenhaft unser Wissen über die Vielfalt und Verbreitung heimischer Pilze immer noch ist. Weitere Untersuchungen werden zeigen, ob es sich um bisher übersehene österreichische Vorkommen, ungewöhnliche Standortansprüche oder weiter verbreitete Arten handelt“, erklärt Univ.-Prof. Irmgard Greilhuber von der Universität Wien, Department für Botanik und Biodiversitätsforschung.

Einige besondere Funde im Nationalpark Donau-Auen

Luellia recondita – ein echter Schatz (Bild 1)

Der unscheinbare Rosabraune Schiffchensporrindenpilz gehört zu den seltenen Funden der Donau-Auen. Die Art ist in Europa weit verbreitet, aber überall selten. In Österreich ist sie als Critically Endangered (CR), vom Aussterben bedroht eingestuft.

Inocybe dunensis – nur in sandigen Habitaten gefunden (Bild 2)

Eine besondere Entdeckung ist der Dünen-Risspilz: Im Projekt MetaFung wurde diese Art aktuell ausschließlich im Nationalpark Donau-Auen nachgewiesen. Sie ist außerdem noch aus dem Nationalpark Neusiedlersee – Seewinkel und vom sandigen Ufer des Lunzer Sees bekannt. Ein unscheinbarer kleiner Symbiosepilz von Pappeln und Weiden auf sandigen Böden.

Thaxterogaster variegatus – weit und auch dealpin verbreitet (Bild 3)

Der Buntscheckige Schleimkopf wurde sowohl in den Mischwäldern der Nördlichen Kalkalpen als auch in den Donau-Auen gefunden. Solche Funde weisen auf dealpine Verbreitungsmuster hin, bei denen Pilzarten heute räumlich getrennte Vorkommen in alpinen, arktischen und eben auch niedrigeren – dealpinen - Lagen mit ähnlicher Lebensraumqualität aufweisen.

Geopora cervina – häufiger als gedacht (Bild 4)

Der Hellscheibige Sandborstling gilt als potenziell gefährdet (NT) und ist in Österreich bislang nur von wenigen Fundorten bekannt. In Niederösterreich wurde die Art bisher noch nicht nachgewiesen. Die DNA-Untersuchung im Projekt deutet jedoch auf ein breites Vorkommen in den Donau-Auen hin – womöglich ein Hinweis auf eine bislang unterschätzte Verbreitung der Art aufgrund seltener Fruchtkörperbildung.

Hintergrundinformation

Wer an Pilze denkt, hat meist ihre Fruchtkörper vor Augen: einen Hut im Moos, eine Struktur an einem Stamm oder ein Schwammerl am Boden. Doch diese sichtbaren Teile sind nur ein winziger Ausschnitt des eigentlichen Organismus. Der größte Teil lebt verborgen als Myzel. Dieses ist das eigentliche Pilzgeflecht. Es besteht aus feinen Zellfäden, die sich im Boden, im Holz oder an Pflanzenwurzeln ausbreiten. Manche Pilze erscheinen nur wenige Tage im Jahr an der Oberfläche, viele bleiben ihr gesamtes Leben unsichtbar.

Dabei erfüllen Pilze enorm wichtige Aufgaben im Ökosystem: Sie zersetzen abgestorbenes Holz und Pflanzenmaterial, vermögen viel Wasser zu speichern, geben Nährstoffe an den Boden zurück und leben in enger Symbiose mit Pflanzenwurzeln. Über die sogenannte Mykorrhiza unterstützen sie Bäume bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und erhalten im Gegenzug Kohlenstoffverbindungen. Der Wald ist deshalb nicht nur oberirdisch voller Leben.

Trotz ihrer enormen Bedeutung und oft farbenfrohen Vielfalt gehören Bodenpilze zu den am wenigsten erforschten Organismengruppen Europas. Um ihre Vielfalt in allen Nationalparks Österreichs, dem Biosphärenpark Wienerwald und dem Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal zu erfassen, wurde eine Methode eingesetzt, welche die Biodiversitätsforschung erweitert hat: das Metabarcoding. Damit kann die Artenzusammensetzung einer ganzen Probe mithilfe von DNA untersucht werden. Statt einzelne Pilzfruchtkörper getrennt zu erheben, wird DNA aus Boden, Laub, Holz oder einer Mischprobe extrahiert. Anschließend werden kurze DNA-Abschnitte („Barcodes“) millionenfach vervielfältigt und via Hochdurchsatzsequenzierung separiert. Durch den Vergleich mit Referenzdatenbanken kann festgestellt werden, welche Arten vorkommen. Für Pilze ermöglicht Metabarcoding daher, auch Arten nachzuweisen, die keine sichtbaren Fruchtkörper bilden oder bei einer herkömmlichen Kartierung übersehen würden. Die Methode zeigt jedoch in erster Linie das Vorhandensein von DNA. Sie liefert keine Aussage über die Menge und die Vitalität einer Art.

Das Projekt MetaFung, finanziert durch den Biodiversitätsfonds des BMLUK, wurde unter Leitung des Nationalpark Thayatal mit Fachleuten umgesetzt. Alexander Urban von der Universität Wien - Department für Botanik und Biodiversitätsforschung führte die Erhebung und Auswertung der Pilze durch, Markus Gorfer vom Austrian Institute of Technology (AIT) übernahm die genetische Analyse, Kerstin Michel und Barbara Kitzler vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) analysierten die Bodenproben und Irmgard Krisai-Greilhuber von der Universität Wien war an der Diskussion der Ergebnisse beteiligt.

Lesetipp: Im Rahmen des Projektes eine Broschüre erstellt, welche die Ergebnisse unter dem Titel „Verborgene Vielfalt – Die unsichtbare Welt der Pilze“ veröffentlicht. Zum Download

Fotos: Luellia recondita und Geopora cervina / Gernot Friebes, Inocybe dunensis / Anton Hausknecht, Thaxterogaster variegatus / Irmgard Krisai-Greilhuber

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