Auftakt zum Jubiläum 30 Jahre Nationalpark Donau-Auen
Donnerstag, 23.04.2026 , Orth/DonauAuftakt zum Jubiläum 30 Jahre Nationalpark Donau-Auen – Festveranstaltung im Schloss Orth an der Donau mit vielen Ehrengästen: Umweltminister Norbert Totschnig, NÖ LH StV Stephan Pernkopf und Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky eröffneten mit Nationalparkdirektorin Edith Klauser die neue Ausstellung „Im Fluss“.
Vor 30 Jahren wurde der Nationalpark Donau-Auen gegründet. Seither bewahrt er die letzte große, naturnahe Flussauenlandschaft Mitteleuropas, die sich von der Wiener Lobau bis zur Staatsgrenze bei Hainburg erstreckt. Die hier noch frei fließende Donau ist bis heute jene dynamisch gestaltende Kraft, die eine Fülle von Lebensräumen formt.
Der große Strom steht auch im Mittelpunkt der neuen Nationalparkausstellung „Im Fluss“ im Schloss Orth an der Donau. Im Rahmen einer Festveranstaltung anlässlich von 30 Jahren Nationalpark Donau-Auen mit zahlreichen Ehrengästen wurde sie am Donnerstag, 23. April feierlich eröffnet.
Umweltminister Norbert Totschnig hält anlässlich des Jubiläums fest: „Die sechs österreichischen Nationalparks sind Aushängeschilder unseres reichen Naturerbes, sie schützen die ökologisch wertvollsten Naturräume für uns und für die zukünftigen Generationen. Effektiver Naturschutz beinhaltet in großem Maße Weiterentwicklung, das Zulassen oder Initiieren von dynamischen Prozessen und die Vernetzung mit benachbarten Naturräumen, um gesunde Populationen sowie Korridore und Trittsteine für Tiere und Pflanzen sicherzustellen und Forschungsräume für morgen zu bieten.“
Niederösterreichs LH StV Stephan Pernkopf sagt: „Der Nationalpark Donau-Auen verbindet die Bundesländer Niederösterreich und Wien und bietet wertvolle Rückzugsräume für die Natur genauso wie tolle Naherholungsräume für die Menschen der Region. Aus Liebe zum Land entwickeln wir den Nationalpark seit nun 30 Jahren immer weiter, durch innovative Renaturierungsprojekte genauso wie durch spannende touristische Angebote und wichtige Forschung. 30 Jahre Nationalpark Donau-Auen stehen daher für den gelungenen Schulterschluss von Naturbewahrung und regionaler Entwicklung. Der Nationalpark schützt nicht nur eine einzigartige Flusslandschaft, sondern stärkt auch die Region als attraktiven Lebens-, Erholungs- und Ausflugsraum.“
Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betont: „Der Nationalpark Donau-Auen ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Er ist zum Lebensraum für zahlreiche sensible Arten und bietet viele botanische Besonderheiten. Darüber hinaus ist er auch ein großartiger Erholungsraum für uns Menschen! Die Renaturierungsmaßnahmen im Nationalpark haben dazu beigetragen, dass sich viele Arten gut entwickeln konnten oder aufgrund guter Bedingungen in die Auen zurückgekehrt sind.“
Nationalparkdirektorin Edith Klauser ergänzt: „Seit 30 Jahren bewahren wir mit dem Nationalpark Donau-Auen die letzte große Flussauenlandschaft Österreichs als lebendiges Naturerbe. Durch konsequenten Schutz, innovative Revitalisierungsprojekte und die Außer-Nutzung-Stellung der Auwälder kehrt der ursprüngliche Charakter der Auen zurück – seltene Tier- und Pflanzenarten sind heimgekehrt, Bestände haben sich erholt. Gleichzeitig ermöglichen wir den Menschen, diese einzigartige Landschaft achtsam zu erleben: Besucherzentren, ein breites Angebot an geführten Exkursionen und heute die feierliche Eröffnung der neuen Ausstellung ‚Im Fluss‘ machen die Vielfalt der Donau-Auen erlebbar. Von Beginn an ist Umweltbildung unser Kernauftrag – insbesondere für Kinder und Jugendliche. Unsere altersgerechten Programme reichen vom Kindergarten bis zur Oberstufe: Angebote in den Besucherzentren, geführte Wanderungen, Bootstouren, Projekttage, mehrtägige Aufenthalte und das Junior-Ranger-Programm. So lernen junge Menschen die Naturschätze ihrer Region intensiv kennen. Denn was man von klein auf schätzt und liebt, ist man später auch bereit zu schützen.“
Eine Grußbotschaft von Bundespräsident Alexander Van der Bellen leitete die Feierstunde im Festsaal von Schloss Orth an der Donau ein. Danach ließen Umweltminister Norbert Totschnig, Niederösterreichs LH StV Stephan Pernkopf und Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky mit Nationalparkdirektorin Edith Klauser und Elisabeth Wagnes, Bürgermeisterin Orth an der Donau die Geschichte des Schutzgebiets Revue passieren.
Gemeinsam mit Univ. Prof. Friedrich Schiemer und Univ. Prof. Thomas Wrbka vom Wissenschaftlichen Nationalparkbeirat wurden auch zukünftige Herausforderungen in der Weiterentwicklung des Nationalparks beleuchtet. Zur Ausstellung „Im Fluss“ erläuterten Projektleiterin Joanna Stockhammer und Kurator Alexander Martos Hintergründe und Ideen. Passende Untermalung bot die Musikschule Orth an der Donau, stimmige Kurzfilme ergänzten das festliche Programm.
Nach der offiziellen Eröffnung der Ausstellung konnten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die neue Schau erkunden. Viele namhafte verdiente Wegbegleiter sowie Vertreterinnen und Vertreter der Grundbesitzer, von Regionalinstitutionen, aus Verwaltung, Naturschutz, Jagd, Fischerei, Tourismus, Wissenschaft, Bildungssektor und nationalen wie auch internationalen Partnerschutzgebieten waren der Einladung gefolgt.
Die Ausstellung „Im Fluss“
Die neue Nationalparkausstellung im 1. Stock des Schlosses präsentiert Wesen und Geschichte des Schutzgebiets sowie seiner Region auf völlig neue Art. Die Lage an der Donau und die ökologischen Besonderheiten der geschützten Flusslandschaft werden ebenso beleuchtet wie neueste Projekte und Forschungsergebnisse. Die Themen fußen auf Wissen, das in den letzten 30 Jahren zum Nationalpark entstanden ist und aus Fragen die sich daraus ergeben. Die Zugänge zu diesen Inhalten werden verschiedenartig, auch spielerisch, gestaltet. Das Publikum soll erkennen, wie der Fluss arbeitet, seine Landschaft gestaltet und seine Lebensräume schafft. Auch der Werdegang des Schutzgebiets und die Bemühungen, der Natur zu mehr Gestaltungsfreiheit zu verhelfen, finden Platz. Die Perspektive auf die Themen des Nationalpark Donau-Auen wird geweitet, unterschiedliche Stimmen kommen zu Wort.
Die Ausstellung wurde im Rahmen des Interreg-Projektes Ecovisit SKAT umgesetzt. Sie kann individuell besichtigt werden, es ist aber auch möglich, sie im Rahmen von Führungen vertiefend kennen zu lernen. Bis 1. November ist die Schau „Im Fluss“ täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Erstmals kann heuer mit einem Ticket das ganze Schloss erlebt werden – inklusive aller Ausstellungen des Nationalparks, des museumORTH und dem Auerlebnisgelände Schlossinsel. Gemeinsam mit der Marktgemeinde Orth an der Donau wird das Ausflugsziel damit noch attraktiver.
30 Jahre Nationalpark Donau-Auen
Seit der Nationalparkgründung 1996 wird ein Schwerpunkt auf ökologischen Flussbau gesetzt. Seitenarme der Donau wurden wieder angebunden, hart verbaute Ufer renaturiert und neue Kleingewässer geschaffen. Dieser Weg wird fortgesetzt: Heuer stehen in zwei grenzüberschreitenden Vorhaben die Schwalben- und die Paradeisinsel im Mittelpunkt, beide sollen wieder natürlicher und „wilder“ werden. Zugleich arbeitet die Nationalparkverwaltung eng mit Fachleuten, Beiräten, Umweltschutzorganisationen, Fischereiverbänden, viadonau, Landesdienst- und Regierungsstellen zusammen, um die Eintiefung der Donausohle zu stoppen und den Wasserspiegel anzuheben – eine zentrale Voraussetzung für die weitere positive Entwicklung der Flusslandschaft.
Die Auwälder entwickeln sich in Richtung naturnaher, strukturreicher Bestände mit reichlich Totholz und einer Vielzahl heimischer Gehölzarten aller Altersklassen. Sie werden damit zum Forschungsraum, in dem ökologische Dynamik ohne wirtschaftliche Zwänge beobachtet werden kann. Artenreiche Offenflächen wie Wiesen und Heißländen werden gezielt gepflegt.
Heute gilt der Nationalpark als Hotspot der Biodiversität, besonders für Amphibien, Fische und Insekten. Jüngst wurden 145 Wildbienenarten nachgewiesen – ein Spitzenwert unter Österreichs Nationalparks. Bis zu sechs Seeadlerpaare brüten jährlich im Gebiet, und der Erstnachweis der Teichfledermaus im Vorjahr unterstreicht die ökologische Bedeutung der Donau-Auen. Seit Beginn werden alle Natur- und Artenschutzmaßnahmen von intensiver Forschung begleitet.
Auch für Gäste wurden viele Maßnahmen gesetzt: Besuchereinrichtungen wie das Schloss Orth an der Donau und das Nationalparkhaus wien-lobAU sind etablierte Ausflugsziele, ein klares Leitsystem sorgt für Orientierung. Im Rahmen des Umweltbildungsprogramms mit Exkursionen, Veranstaltungen und Projektwochen werden jährlich rund 100.000 Besucherinnen und Besucher betreut. Die Jugend ist eine besonders wichtige Zielgruppe für Umweltbildungsangebote mit passenden Angeboten für alle Altersstufen.
Möglich wurden alle diese Erfolge durch die langjährige Unterstützung von Politik, Wissenschaft, regionalen Interessensvertretungen, NGOs, Partnerinstitutionen, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern an sie alle ergeht herzlicher Dank.
Fotos: Festveranstaltung zu 30 Jahren Nationalpark Donau-Auen im Schloss Orth an der Donau: Foto 1 v.l. Pernkopf, Klauser, Totschnig, Czernohorszky, Foto 2 v.l. Czernohorszky, Klauser, Totschnig, Wagnes, Pernkopf / beide Gillmann; Gruppenfoto alle Podiumsgäste und Ausstellungsteam / Kovacs.