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Nationalparkdirektorin Edith Klauser mit Gästen und Beteiligten bei der Eröffnung
Nationalparkdirektorin Edith Klauser mit Gästen und Beteiligten bei der Eröffnung
Die Ausstellung ist zweisprachig konzipiert und setzt auf Hörstationen mit Fachinterviews

Neue Ausstellung „Der Auwald – eine Landschaft im stetigen Wandel“

Freitag, 02.10.2026 , Orth/Donau

Seit der Gründung des Nationalpark Donau-Auen vor 30 Jahren entwickeln sich die Waldbestände vom einst forstwirtschaftlich geprägten Bestand zu einem vielfältigen Naturwald. Die neue Ausstellung „Der Auwald – eine Landschaft im stetigen Wandel“ im Aussichtsturm des Schloss Orth an der Donau zeigt diese Entwicklung und lädt Besucherinnen und Besucher ein, die besondere Dynamik des Auwaldes zu entdecken. Am 1. Oktober wurde sie eröffnet.

Der Nationalpark Donau-Auen umfasst rund 9.600 Hektar entlang von 40 Kilometern Donaustrecke zwischen Wien und Bratislava. Rund 60 Prozent dieser Fläche sind bewaldet. Damit schützt der Nationalpark eine der bedeutendsten Fluss- und Auwaldlandschaften Mitteleuropas – inmitten einer dicht besiedelten und intensiv genutzten Region. Mit der Nationalparkgründung im Jahr 1996 wurde die wirtschaftliche Nutzung der Wälder eingestellt und viele Renaturierungsmaßnahmen wurden eingeleitet. Seither entwickeln sich die Waldbestände wieder zu artenreichen Naturwäldern, die eine besondere Vielfalt an Pflanzen und Tieren beherbergen. Beständige Gestalterin des Auwaldes ist die Donau – sie lässt Lebensräume entstehen und vergehen und erneuert laufend ihre Flusslandschaft.

Diese einzigartige Dynamik ist Inhalt der neuen Ausstellung „Der Auwald – eine Landschaft im stetigen Wandel“ im Aussichtsturm des Schloss Orth an der Donau. Umgesetzt wurde sie im Rahmen des Interreg-Projektes „Ecovisit SKAT - Besucherbeteiligung zum Schutz der Biodiversität in der Grenzregion Österreich-Slowakei“. Am 1. Oktober eröffnete Nationalparkdirektorin Edith Klauser die Ausstellung gemeinsam mit dem Gestaltungsteam, Projektbeteiligten und Nationalparkpartnern. Unter anderem konnten Waldexperte Univ. Prof. Eduard Hochbichler, Michael Stelzhammer vom WWF Österreich, Elitza Denevski vom Gemeinsamen Sekretariat des EU-Förderprogramms Interreg Slovakia – Austria sowie Vertreterinnen und Vertreter der Nationalparkforstverwaltungen begrüßt werden.

„Die Besonderheit eines Auwaldes liegt in seiner Natur: er lässt sich nicht einfach pflanzen – er entsteht rein durch die Kraft des Wassers. Als lebendiger Raum, der sich ständig neu formt, erfüllt er vielfältige Funktionen. Er beherbergt eine immense Artenvielfalt, dient als Wasserspeicher und Klimaregulator, trägt zum Hochwasserschutz bei und stellt wertvollen Naherholungsraum bereit. Mit dieser neuen Ausstellung laden wir unsere Gäste ein, das Wesen des Auwaldes facettenreich zu entdecken“, sagt Nationalparkdirektorin Edith Klauser anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Univ. Prof. Eduard Hochbichler von der Universität für Bodenkultur Wien, StV. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Nationalparkbeirates, hält fest: „Regelmäßig durchgeführte Naturrauminventuren belegen die stetige Zunahme der ökologischen Qualität und der Waldbiodiversität im Nationalpark Donau-Auen. Totholzvorräte und Sträucher haben zugenommen, typische Gehölze der Flussauen wie die Schwarzpappel kommen erneut auf. Hier kann seit 30 Jahren beobachtet werden, wie sich ein Auwald wieder frei entfaltet.“

Im Rahmen der Veranstaltung präsentierte Nationalparkdirektorin Edith Klauser weiters die druckfrische neue Publikation „Auf dem Weg zum Naturwald – 30 Jahre Waldentwicklung im Nationalpark Donau-Auen“. Diese wurde anlässlich des heurigen Nationalparkjubiläums erstellt und liefert ebenfalls umfassende Informationen zum Auwald.

Hintergrundinformation

Seit 1996 bewahrt der Nationalpark Donau-Auen eine der letzten großen, weitgehend natürlichen Auandschaften Mitteleuropas. Mit seiner Gründung wurde die wirtschaftliche Nutzung eingestellt und eine Umwandlung der Waldbestände zurück zum Naturwald eingeleitet. In einer Übergangsphase wurden ehemalige Hybridpappelbestände schrittweise in naturnähere, gebietstypische Waldbestände überführt, invasive Arten teilweise zurückgedrängt und Forststraßen aufgelassen. Seitdem haben sich die Flächen hervorragend entwickelt und dieser Trend hält an. Nach 30 Jahren der Aufbauphase rückt im Nationalpark nun der Prozessschutz verstärkt in den Mittelpunkt: Natürliche Abläufe sollen dort möglichst frei wirken können, wo die nötigen Rahmenbedingungen gesichert sind. Forschung und Monitoring begleiten diese Entwicklung.

Entscheidend für den Auwald ist das Wasser: Überflutungen, Erosion und Anlandungen schaffen immer wieder neue offene Flächen und ermöglichen die natürliche Verjüngung von Weiden, Schwarzpappeln und anderen typischen Auwaldgehölzen. Renaturierungsprojekte des Nationalparks, wie Uferrückbau und Altarmanbindungen, tragen wesentlich bei und fördern die nötige Flussdynamik. Der Erfolg ist wissenschaftlich messbar: wiederkehrende Naturrauminventuren zeigen, dass Holzvorrat, Totholzmengen und der Anteil starker Bäume zugenommen haben. Alte Bäume, Baumhöhlen, Rindenspalten, stehendes und liegendes Totholz, Schwemmholz und vielfältige Strauchschichten bieten zahlreichen Arten Lebensraum: Spechte, Eulen, Schwarzstörche, Seeadler sowie zahlreiche Insekten und Pilze profitieren von diesen Strukturen.

Die Ausstellung „Der Auwald – eine Landschaft im stetigen Wandel“ stellt die Prozesse, die diesen besonderen Wald ausmachen, anschaulich dar. Anhand der fünf Begriffe Neugier, Schnelllebigkeit, Überfluss, Verschwendung und Zerstörung erzählt sie von der Vielfalt, Produktivität und Wandlungsfähigkeit des Auwaldes. Audiostationen, Wissensvermittlung und ein interaktiver Auwaldtisch laden dazu ein, die Landschaft selbst zu gestalten – bis das nächste „Hochwasser“ sie wieder verändert.

Unterschiedliche Perspektiven werden durch Stimmen jener Menschen vermittelt, die den Auwald intensiv kennen und erforschen. In persönlichen Audioaufnahmen erzählen die Forscherin Katharina Schwanda, die zwei Nationalparkförster Franz Kovacs und Günter Walzer sowie die Mitarbeiterin des Nationalparks Karoline Zsak von ihren Erfahrungen und Beobachtungen.

Umgesetzt wurde die Ausstellung im Rahmen des Interreg-Projektes „Ecovisit SKAT Besucherbeteiligung zum Schutz der Biodiversität in der Grenzregion Österreich-Slowakei“, das von 2023 bis Ende 2026 läuft und österreichische und slowakische Partner verbindet. Im Mittelpunkt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit stehen vor allem Renaturierung und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist ab sofort bis Saisonende sowie in den Saisonen 2027 und 2028 im Aussichtsturm des Schloss Orth an der Donau zu sehen. Als zweisprachige Wanderausstellung konzipiert, kann sie künftig an verschiedenen weiteren Standorten in Österreich und der Slowakei Station machen und so den Auwald über den Nationalpark hinaus in die Grenzregion tragen.

„Der Auwald – eine Landschaft im stetigen Wandel“
Ausstellung im Aussichtsturm
Schloss Orth an der Donau, Nationalparkzentrum
Schlossplatz 1, 2304 Orth an der Donau
Noch bis inkl. 1. November 2026 täglich 9 bis 17 Uhr geöffnet, Saisonstart 2027: 21. März

Projektleitung: Joanna Stockhammer

Text und Audios: Eva Maria Bachinger zusammen mit:
Eduard Hochbichler, Institut für Waldbau, Department für Ökosystemmanagement, Klima und Biodiversität, Universität für Bodenkultur Wien
Franz Kovacs, Nationalparkförster i.R., Österreichische Bundesforste
Katharina Schwanda, Phytopathologin am Institut für Forstschutz, BFW
Günther Walzer, Revierleiter Lobau, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien
Karoline Zsak, Bereichsleitung Natur & Wissenschaft, Nationalpark Donau-Auen

Ausstellungsgestaltung: punktumraum, Carol Kofler, Beratung Interaktiva: Maria Prantl, Ausstellungsgrafik: Larissa Cerny, Ausstellungsbau: museom service gmbh, Modellbau: Dominikus Guggenberger, Medientechnik: 7reasons, Druck: Matic Werbung, Voice Over Slowakisch: Studio Jiří Lukášek, Slowakische Übersetzung: Jaroslav Stahl

Fotos:
Nationalparkdirektorin Edith Klauser mit Gästen und Beteiligten bei der Eröffnung, Die Ausstellung ist zweisprachig konzipiert, alle (c) Gillmann.

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