Spechte – Kleinspecht

Dendrocopos minor

Mit einer Körperlänge von 14-16 cm wird dieser kleinste der europäischen Spechte seinem Namen durchaus gerecht. Er ist einer der verstecktesten Spechte und hält sich hauptsächlich in Baumwipfeln auf, wo man ihn leicht übersieht.

Merkmale
Sein auffälligstes Merkmal ist die schwarz-weiße Querbänderung des Rückens und der Flügel. Die ziegelrote Kopfplatte und die ganz cremeweiße Unterseite mit einigen schwarzen Längsstrichen an den Flanken kennzeichnen das Männchen. Der weibliche Vogel ist komplett ohne Rot, stattdessen besitzt er eine gelbliche Stirn.

Der häufigste Ruf klingt wie „kikikikikiki“, er wird sehr hoch und schnell vorgetragen und erinnert an einen Turmfalken. Dendrocopos minor hat die größte Trommelaktivität im Spätwinter und im zeitigen Frühjahr; Im Unterschied zum größeren Buntspecht trommelt er langsamer, eher knatternd, weicher und länger. Am Anfang und am Ende ist der Trommelwirbel gewöhnlich am lautesten.

Der Wellenflug erscheint weniger ausgeprägt als bei anderen Spechten. Zur Balz gehört auch ein eigenartiges langsames Fliegen, das an eine Fledermaus erinnert.

Verbreitung
In weiten Teilen Europas mit Ausnahme von Irland, Island und den Mittelmeerinseln ist der Kleinspecht heimisch. In Mitteleuropa ist er weitgehend Standvogel und unternimmt keine weiträumigen Wanderungen. Gerne bewohnt er Aulandschaften oder Ränder von anderen Feuchtgebieten.

Gefährdung und Schutzstatus
Für den Kleinspecht gibt es immer wieder Anzeichen für einen Bestandsrückgang, einstweilen wird der Bestand von Birdlife Europe aber mit gesichert angegeben.

Dendrocopos minor ist darauf angewiesen, dass stehendes Totholz im Wald verbleibt und Feuchtgebiete erhalten bleiben. Sein stärkster Konkurrent, der Buntspecht, profitiert von diversen Aufforstungen, er zählt zu den wesentlichsten Nesträubern des Kleinspechtes.

Lebensweise
Zum Nahrungserwerb bevorzugt der Kleinspecht nicht den Stammbereich wie die meisten anderen Spechte, sondern er sucht den Kronenbereich mit seinen dünnen, oft schon dürren Ästen ab. Die Verweildauer auf einem Astabschnitt hält sich jedoch in Grenzen, häufige Ortswechsel sind für diese Art charakteristisch.

Auf dem Speiseplan stehen holzbewohnende Käferlarven, Raupen, Ameisen und Spinnen, auch Fluginsekten verschmäht er nicht. Die jungen Kleinspechte werden mit einer großen Anzahl von Blattläusen gefüttert. Im Winter werden auch Schilfbestände aufgesucht, wo er überwinternde Insekten aus den Stängeln heraushackt.

Besonders angetan haben es ihm Weichhölzer wie Pappeln und Weiden. Hier zimmert jeder Vogel seine eigene Schlafhöhle, die Bruthöhle wird von beiden Partnern gemeinsam errichtet.

Wegen seiner geringen Körper- und Schnabelgröße benötigt er ausreichend weiches, totes Holz für seine Höhlen. Aufgrund des fortgeschrittenen Zerfallszustandes des Brutbaumes ist es notwendig, jedes Jahr eine neue Nisthöhle zu zimmern.

Den Winter verbringt der Kleinspecht gerne zusammen mit Meisen und Kleibern in einem Trupp.

Besonderes
Dendrocopos minor hält die Reviergrenzen ganzjährig aufrecht. Während der Brutzeit verteidigen beide Partner das Revier energisch. Typischerweise reagieren weibliche Kleinspechte eher aggressiv auf weibliche Eindringlinge, während sich Männchen mehr mit den revierfremden Männchen einen Kampf liefern. So können direkte Anflüge mit Körperkontakt durchaus vorkommen, es werden jedoch auch ritualisierte Verhaltensweisen angewendet, wie zum Beispiel die „Einfrier-Position“. Hierbei sitzen sich beide Kontrahenten nahezu bewegungslos auf einem Ast gegenüber, spreizen Handschwingen und Steuerfedern und sträuben die Kopffedern.

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