Bernsteinschnecke

Succinea putris

Von allen Landlungenschnecken leben die Bernsteinschnecken dem Wasser wohl am nächsten. Ihren deutschen Namen haben sie von ihrem durchscheinenden, bernsteingelben Gehäuse erhalten, welches in der Regel 3-4 schwach gewölbte Umgänge aufweist. Der letzte Umgang überwiegt bei weitem das winzige übrige Gewinde.

Merkmale
Das bis zu 24 mm hohe Gehäuse ist ziemlich dünn, die Mündung ist relativ lang, oben scharf zugespitzt und hat eine ovale Form, es sieht aus wie ein Tropfen. Die Oberfläche ist fast glatt und matt glänzend. Der Körper ist über den Schließmuskel fest mit der Schale verwachsen.

Die meist gelbliche Körperfarbe kann zwischen den Populationen sehr stark schwanken, auch dunkle Individuen sind möglich.

Wie bei Landschnecken typisch, sitzen ihre Augen immer an der Spitze von Fühlern, die eingezogen werden können. Zusätzlich befindet sich oberhalb der Mundöffnung noch ein kürzeres Fühlerpaar.

Verbreitung
Die Verbreitung erstreckt sich über ganz Europa, sie fehlt lediglich in höheren Lagen Nordeuropas.
Die Bernsteinschnecke ist vor allem in feuchten Hochstaudenfluren und in Gewässernähe zu finden. In den Donau-Auen ist sie eine der 76 Arten von Landschnecken. Finden kann man sie unter anderem auf den Stängeln und Blättern des Rohrglanzgrases, welches bei höherem Wasserstand an den Ufern der Seitenarme aus dem Wasser ragt.

Gefährdung und Schutzstatus
Succinea putris ist nicht gefährdet.

Lebensweise
Als Nahrung dienen vermoderndes Pflanzenmaterial, aber auch frische Pflanzenteile. In jedem Fall wird die Nahrung mit der Raspelzunge abgeschabt. Der Kalk, der für den Aufbau ihrer Schale notwendig ist, wird direkt vom Boden oder über die Nahrung aufgenommen.

Wenn sich ihr feuchter Lebensraum einmal in Wasser verwandelt, nimmt sie, im Unterschied zu anderen Landschnecken, keinen Schaden, sie versucht dann aber möglichst rasch wieder aus dem Wasser zu kriechen, empfindlicher ist sie gegen Austrocknung.

Zur Fortpflanzung werden bis zu 150 Eier in gallertartigen Laichballen in faulendes Laub oder an die Basis der Nahrungspflanzen abgelegt. Die Begattung findet meist wechselseitig statt, es ist jedoch auch Selbstbefruchtung möglich. Die Entwicklung vom Ei zur Jungschnecke dauert je nach Temperatur und Feuchtigkeit 1 bis 2 Wochen, in etwa bei halber Gehäusegröße werden sie geschlechtsreif. Jungschnecken können sogar mehrere Tage unter Wasser leben. Den Winter verbringen Bernsteinschnecken versteckt in lockerer Erde oder unter Falllaub.
Ohne Fremdeinwirken kann ein Alter von bis zu 2 Jahren erreicht werden.

Besonderes
Typisch für diese Schneckenart ist der Befall mit dem Saugwurm Leucochloridium paradoxum. Besonders auffällig sind die braun-weiß oder grün geringelten Schneckenfühler, die zusätzlich noch pulsieren. Der über den Vogelkot aufgenommene Erreger bildet Brutschläuche aus, die in die Fühler eindringen. Da die geschwollenen Fühler nicht mehr zum Schutz zurückgezogen werden können, stellen sie für Vögel ein leicht auszumachendes Ziel dar. Zusätzlich wird das Verhalten der Schnecke kontrolliert, sie kriecht entgegen ihrer Gewohnheit ins Offene und bleibt dort ungeschützt sitzen. Gezielt picken nun Singvögel nach den auffälligen Fühlern, reißen sie ab und fressen so die Parasiten mit. Im Darm vieler Vogelarten leben die adulten Saugwürmer, dort legen sie auch ihre von einer harten Schale umgebenen Eier. Von Zeit zu Zeit werden die Eier über den Kot ausgeschieden und können so von der Schnecke aufgenommen werden, Succinea putris dient somit als Zwischenwirt.

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