Falter – Eichenprozessionsspinner

Thaumetopoea processionea

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer, graubrauner Nachtfalter, der kaum auffällt. Seine Larven allerdings wandern typischerweise, mit Vorliebe für Eichen, in meterlangen Prozessionen den Baumstamm auf und ab.

Merkmale
Die Raupen durchlaufen 5 bis 6 Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung und sind dann schlussendlich 5 cm lang. Sie besitzen eine dunkle, breite Rückenlinie und sind übersät mit langen Härchen, die aus Warzen sprießen. Ab dem 3. Stadium werden auch sehr feine Gifthärchen mit Widerhaken ausgebildet, sie sind nur 0,1 bis 0,2 mm groß. Die Giftsubstanz ist ein Nesselgift namens Thaumetopoein.

Die Falter haben undeutlich gezeichnete dunkelgraue Vorderflügel und weißgraue Hinterflügel. Als Flügelspannweite können sie 25 bis 35 mm erreichen. Die Flugzeit erstreckt sich von Juli bis September.

Verbreitung
Die Eichenprozessionsspinner ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Er bevorzugt warme Eichenwälder, je lichter die Bäume stehen desto besser. Im Nationalpark Donau-Auen ist er auf Grund des Eichenanteils in der Harten Au regelmäßig anzutreffen.

Gefährdung und Schutzstatus
Thaumetopoea processionea zeigt keinesfalls abnehmende Tendenz. Als wärmeliebende Art profitiert er von der Erhöhung der Durchschnittstemperatur in Mitteleuropa.

Lebensweise
Ein Weibchen legt im Durchschnitt ca. 150 winzig kleine Eier. Bereits im Herbst entwickelt sich die Jungraupe, sie überwintert im Ei. Anfang Mai schlüpft eine neue Generation von Raupen aus den Eiern, um die frisch getriebenen Eichenblätter zu verzehren. Nach einigen Wochen gehen die Raupen in mehrreihigen Prozessionen auf Wanderschaft und legen ihre gespinstartigen, bis zu 1 m langen Nester an. Jeweils am Abend gehen sie in Gruppen von bis zu 30 Individuen im Gänsemarsch zu den saftigen Blättern in der Baumkrone. Hierbei verzehren sie die Blätter bis auf die stärkeren Rippen des Blattes. Tagsüber, zur Häutung und zur Verpuppung, bleiben die Raupen im Nest. Im Juli oder August, nach vierwöchiger Puppenruhe im Schutze eines Kokons, schlüpft schließlich der erwachsene Schmetterling.

Es existieren spezialisierte Beutegreifer, denen diese haarigen Raupen als Nahrung dienen. Zum Beispiel der Kuckuck, räuberische Laufkäfer wie Puppenräuber oder auch Schlupfwespen sorgen für ein Gleichgewicht im Tierreich.

Besonderes
Eigentlich sollten die Härchen die Raupe gegen Fressfeinde schützen. Kommt jedoch der Mensch mit diesen Haaren in Berührung, kann es bereits nach wenigen Stunden zu allergischen Reaktionen kommen. Dabei gilt: Je mehr Raupenhaare man abbekommt, desto unangenehmer. Einerseits brechen die Härchen leicht ab, andererseits bleiben die alten Larvenhäute in den Nestern zurück und zu guter Letzt besitzen die Raupenhaare eine ca. 1jährige Haltbarkeit. Bei günstigen Luftströmungen können so die Haare über weite Strecken vertragen werden. Mögliche Folgen sind Hautausschläge, Schwellungen, heftiger brennender Juckreiz. Eingeatmete Haare können zu Bronchitis oder Asthma führen. Deswegen kann es mancherorts in starken Befallsjahren zu Wegabsperrungen im Wald kommen.

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