Finken – Girlitz

Serinus serinus

Der Girlitz (oder auch Gartenzeisig) ist der kleinste europäische Vertreter aus der Familie der Finken. Er ist von rundlicher Gestalt mit sehr kurzem Hals, mit seinen ca. 11 cm Körperlänge ist er deutlich kleiner als ein Sperling. Vor allem die Männchen, deren Gefieder knallgelb und nur leicht gestreift ist, erinnern am ehesten an eine „kleine gelbe Kugel“. Seinen Namen hat er durch seinen nicht sehr melodischen, klirrenden Ruf „zr-r-rilitt“.

Merkmale
Girlitze sind mit Kanarienvögeln nahe verwandt und erinnern im Aussehen auch an sie. Die Männchen fallen vor allem wegen ihrer knallgelben Brust und ihres gelben Kopfes auf. Die Weibchen sind grünbraun gefärbt und nicht so auffällig. Beide haben den für Finken typischen Kegelschnabel und den gegabelten Schwanz. Eine gewisse Verwechslungsgefahr besteht mit der Goldammer, die dem Girlitz sehr ähnlich sieht, aber mit 16-17 cm Körperlänge doch um einiges größer ist.

Sein Gesang ist nicht besonders wohltönend, er erinnert eher an das Knirschen von Glassplittern – seine Strophen wiederholt er immer und immer wieder, bevorzugt von der Spitze eines Baumes aus. Manchmal steigt er aber auf und singt auch im Flug.

Verbreitung
Ursprünglich war der Girlitz nur im Mittelmeerraum beheimatet. Erst vor ca. 100 Jahren wanderte die Art von Südeuropa aus nach Mitteleuropa ein und drängt seither immer weiter nach Norden (bis nach Schweden). In Mittel- und Nordeuropa sind Girlitze Zugvögel, in Südeuropa sind sie Standvögel. Als Kulturfolger rückt die Art immer näher an den Menschen heran – da sie eine Vorliebe für einzeln stehende Nadelbäume hat fühlt sie sich dementsprechend in größeren Parks, Friedhöfen und Gärten mit hohem Baumbestand am wohlsten.

Gefährdung und Schutzstatus
Der Girlitz wird als nicht gefährdet eingestuft. Die europäische Brutpopulation macht gut 75% der weltweiten Verbreitung aus und beträgt ca. 8 Millionen Brutpaare. Dank seiner offensichtlich hohen Anpassungsfähigkeit an menschliche Siedlungen und Nutzungsarten der Landschaft ist derzeit keine Bestandsgefährdung gegeben – aber natürlich würden auch dem Girlitz strukturreichere Landschaften und extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen helfen, seine Bestände zu halten. In Österreich ist der Bestand in den letzten Jahren etwas zurückgegangen und liegt bei ca. 45.000-90.000 Brutpaaren.

Lebensweise
Girlitze suchen ihre Nahrung auf dem Boden, sie ernähren sich hauptsächlich von Knospen und Samen, im Sommer auch von kleinen Insekten. Sie führen eine monogame Brutehe – die Brutzeit dauert von Mitte März bis Mitte Mai. Das Männchen leitet die Balz ein, indem es auf der Spitze eines Baumes seinen Gesang von sich gibt, dabei dreht es sich um seine eigene Achse. Ist ein Weibchen angelockt, erhebt es sich, fliegt singend in die Höhe und flattert zur nächsten Singwarte. Ist es dort gelandet, wird das Balzritual fortgesetzt, welches das Weibchen zum Nestbau anregen soll.

Nachdem das Weibchen mögliche Nistplätze geprüft hat beginnt der Bau, dabei werden Nadelbäume oder dichte Bäume und Büsche bevorzugt. Das kleine napfförmige Nest wird mit Grannenhaaren, Wollhaaren oder Federn gepolstert. Sobald das Nest fertig gestellt ist legt das Weibchen das 1. Ei und im Tagesabstand noch 3-4 weitere. Das Weibchen brütet allein und wird nicht vom Männchen abgelöst. Es wird aber in dieser Zeit mit Nahrung versorgt. Die Brutzeit dauert etwa 12 bis 14 Tage. Beide Partner füttern die Nestlinge mit Knospen, Blättern und kleinen Insekten. Sie werden bis zum 23. Tag von den Eltern gefüttert – gegen Ende auch vom Männchen allein, währenddessen das Weibchen schon mit der 2. Brut beginnt.

Girlitze kommunizieren über Rufe und Gesang. Sie sind sehr verträglich, verpaarte Vögel suchen die Nahrung gemeinsam. Große Zuneigung zum Partner bekunden sie durch Schnäbeln und gegenseitiges Putzen. Bei Streitigkeiten um Futter, Sitzplatz oder Nistmaterial beschränken sich die Rivalen auf gegenseitiges Drohen mittels Abspreizen der Flügel, meist ergibt sich daraufhin der Unterlegene durch eine Demutshaltung. Nur zur Brutzeit verhalten sie sich territorial, hier enden manche Singflüge noch in wilden Verfolgungsjagden.

In Mitteleuropa schließen sich die Girlitze in größeren Schwärmen zusammen und ziehen im Oktober nach Südeuropa, um im März wieder zurückzukehren.

Besonderes
Bis ins 15. Jahrhundert war der Girlitz ein besonders beliebter Käfigvogel – durch die Importe des Kanariengirlitzes sank jedoch die Nachfrage, aber auch heute wird der Girlitz noch als Ziervogel gehalten. Vor allen auf einigen Mittelmeerinseln wie z. B. Malta werden Girlitze noch immer durch Vogeljagd und Fallenstellen lebend gefangen, um später in kleinen Käfigen privat gehalten oder auf Vogelmärkten verkauft zu werden.

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