Neuntöter

Lanius collurio

Der mit auffallenden Farben ausgestattete Neuntöter heißt auch Rotrückenwürger. Die Geschlechter unterscheiden sich durch ihre Gefiederfärbung. Die Männchen besitzen eine markante schwarze Augenmaske.

Merkmale
Nacken und Oberkopf der Männchen sind hell aschgrau, der Rücken kastanienbraun (daher der Namen „Rotrückenwürger“) und die Brust weiß mit rosa Hauch. Schließlich ist auch der Bürzel hellgrau und der Schwanz schwarzweiß. Die Weibchen hingegen sind auf der Oberseite rostbraun und auf der Unterseite cremeweiß mit dichter wellenförmiger Brustbänderung.

Die Jungtiere sehen den Weibchen sehr ähnlich. Die Körpergröße erreicht 17 cm, die Art zählt damit zu den mittelgroßen Würgern. Der dunkelgraue Schnabel ist kurz und kräftig, am Ende ist er mit einem Haken versehen. Sind die Vögel erregt, so äußert sich das durch intensives Schlagen und Drehen des Schwanzes.

Verbreitung
Der Neuntöter lebt in weiten Teilen der nördlichen Erdhalbkugel. Hier bewohnt er halboffene, durch Gebüschgruppen, Dornensträucher, Hecken und Einzelbäume strukturierte Landschaften. Bevorzugt werden dabei sonnenexponierte Lagen. Optimal in dieser Hinsicht haben sich extensiv genutzte Grünlandbereiche erwiesen, im Nationalpark Donau-Auen fühlt er sich auf manchen Auwiesen sehr wohl.

Gefährdung und Schutzstatus
Lanius collurio wird aktuell nicht in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt, er ist jedoch auf Grund der Abnahme von geeigneten strukturreichen Lebensräumen selten geworden. Diese Art ist in der Vogelschutzrichtlinie, Anh.I der EU aufgeführt, was bedeutet, dass die Mitgliedsstaaten verpflichtet sind besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich des Lebensraumes zu ergreifen.

Lebensweise
Oft sieht man den scheuen Neuntöter auf einer exponierten Warte sitzen, das können Leitungsdrähte, Zaunpfähle oder Strauchspitzen sein. Auffallend ist ihre aufrechte Sitzhaltung. Hier halten sie Ausschau nach Großinsekten, kleinen Reptilien, Jungvögeln oder Kleinsäugern (z.B. Mäusen). Hat er Beute erspäht, stürzt er sich, teilweise nach einem Segelflug, blitzschnell darauf, tötet sie mit kräftigen Schnabelhieben, um dann mit der Beute im Schnabel auf die Warte zurückzukehren.

Lanius collurio Exemplare leben als Paar nur während der Brutsaison zusammen, doch kann es auf Grund der großen Reviertreue in den Folgejahren wieder zu Verpaarungen kommen. Als Zugvogel kommt er relativ spät aus Ost- bzw. Südafrika, um anschließend mit der Brut zu beginnen. Das Nest ist ein tiefer Napf und wird typischerweise in einem Dornenstrauch 1 bis 2 m über dem Boden angelegt. Nach der Eiablage von bis zu 6 rosafarbenen Eiern brütet das Weibchen das Gelege in ca. 2 Wochen aus. Die Jungen verlassen das Nest nach 14 tägiger Nestlingszeit teilweise noch flugunfähig und betteln mit viel Gekreisch in der Nähe um Futter. Der Familienverband bleibt noch bis zu 4 Wochen erhalten. Es wird 1 Brut pro Jahr großgezogen.

Der Zug ins Winterquartier (Afrika) beginnt im August und wird von den Altvögeln eingeleitet. Etwa 2 Wochen später folgen die Jungen. Ende September ist der Abzug meist abgeschlossen. Seltene Nachweise aus den Brutgebieten stammen aus dem Oktober. Bei diesen handelt es sich meist um Jungvögel aus sehr späten Bruten.

Besonderes
Ihren Namen tragen Neuntöter aufgrund ihrer Eigenheit, Beutetiere auf Dornen oder Stacheln aufzuspießen. Das beruht auf einem angeborenen Trieb, der auch schon bei den noch nicht ganz selbstständigen Jungen zu beobachten ist. Sie beginnen mit einem Futterbrocken im Schnabel an Zweigen und Ästen entlang zu wischen.

Mit der Zeit lernen sie aus Erfahrung, dass sie dazu einen Dorn brauchen. Einerseits machen sie das, um Beutetiere leichter verzehren zu können, andererseits legen sie auf diese Weise auch Vorräte für Tage mit weniger Jagderfolg an.

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