Mäuse – Rötelmaus

Myodes glareolus

Mäuse werden als Schädlinge bekämpft und verteufelt – aber oft zu Unrecht, denn auch sie haben eine wichtige Funktion im Ökosystem. Die meisten Menschen ekeln sich vor ihnen – vielleicht auch nur, weil ihnen die flinken Tierchen einfach unheimlich sind.

Merkmale
Die Rötelmaus oder auch Waldwühlmaus wird der Unterfamilie der Wühlmäuse zugeordnet – in Europa ist sie in 3 Unterarten vertreten. Der deutsche Name „Rötelmaus“ geht auf ihre rotbraune Rückenfellfärbung zurück; der Name „Waldwühlmaus“ zeigt ihre Vorliebe für schattige Habitate in Wäldern. Mit einer Körperlänge von 7 bis 13 cm zählt sie zu den eher kleinen Mausarten, der Schwanz ist mit ca. 3 – 6,5 cm Länge um einiges kürzer als der Körper.

Ihr Rückenfell ist rotbraun bis fuchsrot, die Flanken sind bräunlich, das Bauchfell ist weißlich bis grau. Die Ohren sind groß bis mittelgroß und nicht im Fell verborgen. Die Augen sind im Vergleich zu anderen Wühlmausarten relativ groß. Sie hat ein typisches Nagetiergebiss mit je 2 längeren Schneidezähnen, die zeitlebens nachwachsen.

Verbreitung
Die Rötelmaus ist über fast ganz Europa und Nordasien verbreitet. In Österreich ist sie im gesamten Bundesgebiet verbreitet, dabei werden feuchte, schattige Biotope bevorzugt. Sie bewohnt Buchen-, Misch- und auch Nadelwälder, häufig in der Nähe von Fließgewässern, und waldnahe Hecken.

In den Alpen kommt sie auch noch oberhalb der Baumgrenze bis 2400m vor. In landwirtschaftlich intensiv genutzten und strukturarmen Regionen findet man sie nur in sehr geringen Dichten.

Gefährdung und Schutzstatus
Diese Maus gilt als eines der häufigsten Säugetiere in Europa (einige Quellen sprechen auch von der häufigsten Säugetierart) und ist nicht gefährdet – sie untersteht auch keinem besonderen Schutz.

Lebensweise
Rötelmäuse sind sehr soziale Tiere und leben meist in Gruppen. Ihre Nester und Baue legen sie unterirdisch an. Sie werden durch Gänge und einem weitläufigen Wegenetz knapp unter der Oberfläche miteinander verbunden. Die Nester dienen nicht nur der Jungenaufzucht, sondern auch als Aufenthaltsort, Fraßplatz und Vorratskammer. Es sind äußerst anpassungsfähige Tiere, sowohl was die Nahrung, die Aktivitätszeit, als auch die Fortpflanzung angeht.

Ob sie tag- oder nachtaktiv sind, hängt vom Konkurrenzdruck durch andere Mausarten (Gelbhalsmaus, Waldmaus) ab, sie versuchen ihnen soweit wie möglich auszuweichen. Die Verpaarung ist polygam. Während der Fortpflanzungszeit verteidigen dominante Weibchen ihr Revier gegen andere Weibchen und rangniedere Männchen. Die Fortpflanzung findet im Sommerhalbjahr statt – in Jahren mit knappem Nahrungsangebot auch kürzer, bei gutem Nahrungsangebot kann sie sogar ganzjährig erfolgen. Nach einer Tragezeit von 18 – 23 Tagen kommen meist 3 bis 7 Junge zur Welt, die in den ersten Tagen nackt und blind sind. Mit ca. 25 Tage ist der Nachwuchs entwöhnt. Mit ca. 9 Wochen setzt bereits die Geschlechtsreife ein, so kann die Art in nahrungsreichen Sommern sehr rasch große Populationen aufbauen.

Im Durchschnitt kann eine Rötelmaus 3-4 mal pro Jahr Junge bekommen. Werden die Populationsdichten zu hoch, verkleinern sich dadurch die Reviergrößen, was den Stress und die Aggressivität untereinander erheblich steigen lässt. In solchen Jahren kommt es zum Infantizid – zum Töten von Jungtieren durch Weibchen in benachbarten Revieren.

Ihre Nahrung ist jahreszeitenabhängig – im Frühjahr besteht sie hauptsächlich aus Gräsern, Kräutern und Keimlingen. Im Sommer und Herbst kommen Samen, Früchte, Moose und Pilze dazu. Im Winter ernähren sie sich hauptsächlich von Baumrinde, Eicheln, Bucheckern und andere Samen. Ganzjährig stehen auch Insekten und kleinere Würmer auf ihren Speiseplan. Für viele Beutegreifer stellt die Rötelmaus eine wichtige Nahrungsquelle dar – wie z. B. für Fuchs, Luchs, Wildkatze, Marder, Mauswiesel und Iltis, aber auch für Eulen, Greifvögel, Störche und Reiher.

Besonderes
Da sich die Rötelmaus im Winter von Baumrinden ernährt, und dabei Buchen, Ahorne und Lärchen bis in einige m Höhe entrindet, gilt sie in Wirtschaftswäldern als Forstschädling. Das Fressen von Keimlingen schädigt zudem die Saatpflanzung und kann dadurch die Verjüngung des Waldes beeinträchtigen. In einem gesunden Ökosystem ist die Schädlichkeit der Rötelmaus jedoch relativ gering.

Sie kann aber auch als Krankheitsüberträger fungieren. Für den Fuchsbandwurm stellt die Rötelmaus einen Zwischenwirt dar. Durch den Befall mit den Larven der Bandwürmer wird die Rötelmaus geschwächt und so leichter Beute von u.a. Katzen und Hunden – durch den Kontakt mit den Menschen können die infektiösen Eier übergehen. Der Fuchsbandwurm ist die am häufigsten zum Tode führende Wurmerkrankung beim Menschen. Neben diesem Parasiten, den die Rötelmaus indirekt auf den Menschen überträgt, ist sie auch Träger vieler pathogener Keime – z.B des „Hantavirus“, der beim Menschen ein hämorrhagisches Fieber auslöst. Die Infektion wird durch direkten oder indirekten Kontakt mit infizierten Tieren und deren Ausscheidungen ausgelöst.

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