Wanzen – Rote Mordwanze

Rhinocoris iracundus

Die lebhaft rot-schwarz gezeichnete Rote Mordwanze ist eine große und kräftige Raubwanze. Auffallend ist ihr fast halbkreisförmig gebogener, dreigliedriger Stechrüssel, der dem Körper nicht anliegt. Bei Gefahr kann sie auch zirpende Laute erzeugen, indem der Stechrüssel über eine quergeriefte Rinne zwischen den Vorderhüften gezogen wird.

Merkmale
Die Körperlänge erreicht 18 mm, wobei die Männchen etwas kleiner als die Weibchen bleiben. Das Halsschild ist ebenfalls von roter Färbung, auch die Körperunterseite ist rot mit schwarzen Flecken. Der beweglich vorgestreckte Kopf und die geknieten Fühler sind wiederum schwarz gefärbt.

Die langen roten Beine mit schwarzen Ringen gehören auch zum charakteristischen Erscheinungsbild dieses Insekts. Das vordere Beinpaar ist zu Fangbeinen ausgebildet, welche mit Polstern von dichtstehenden, klebrigen Härchen besetzt sind. Sie dienen dem Festhalten der Beute.

Als ausgezeichneter Flieger besitzt die Rote Mordwanze lange Flügel.

Verbreitung
Rhinocoris iracundus kommt als wärmeliebende Art in ganz Europa, vor allem im Süden Mitteleuropas vor. Als Habitat bevorzugt sie kräuterreiche, extensiv bewirtschaftete Wiesen, karg bewachsene Bereiche an warmen und sonnigen Orten und sonnige Büsche und Bäume. In den Donau-Auen hat diese Art zum Beispiel entlang des Marchfeldschutzdammes ihre Verbreitung.

Gefährdung und Schutzstatus
Auf Grund der Umweltveränderungen durch den Menschen besteht eine Gefährdung, die Art ist in Deutschland in der Roten Liste gefährdeter Tiere in der Vorwarnstufe eingeordnet. In diesem Zusammenhang spielen Flurbereinigungen, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern eine Rolle. Auf diese Art und Weise verschwinden binnen kürzester Zeit ein großer Prozentsatz aller Pflanzenarten und mit ihnen auch zahlreiche Insekten. Dadurch stehen viel zu wenige Beutetiere zur Verfügung.

Lebensweise
Wie alle anderen Vertreter der Raubwanzen auch, ernährt sich die Rote Mordwanze räuberisch von anderen Insekten und Spinnentieren, die manchmal die eigene Körpergröße übertreffen. Um an die Beutetiere zu gelangen, lauert Rhinocoris iracundus in Doldenblütlern auf Blütenbesucher oder begibt sich aktiv suchend in der Vegetation auf Beutejagd. Das ausgewählte Objekt wird angesprungen, gestochen und mit dem giftigen Speichel, der binnen Sekunden wirkt, gelähmt. Das Gift wirkt auf das Muskel- und Nervengewebe des Opfers. Anschließend wird die Beute mit dem Stechrüssel ausgesaugt.

Nach der Paarung klebt das Weibchen die schwarzen Eier in Gelegen an Pflanzenteile an. Auf der Oberseite besitzen die Eier einen weißen Deckel, der von den Larven beim Schlupf abgesprengt wird. Im Larvenstadium wird auch der Winter verbracht, insgesamt sind 5 Häutungen bis zur fertigen Wanze notwendig, wobei sich mit jedem Stadium das Aussehen an das des erwachsenen Tieres angleicht. Die Larve hält sich überwiegend bodennah auf, wo sie in Totholz, unter Steinen oder in der lockeren Bodenschicht nach Beute sucht. Die Generationsdauer ist meist 1 Jahr, kann aber auch länger, je nach vorhandenem Nahrungsangebot dauern.

Das erwachsene Tier ist im Juni und Juli zu beobachten.

Besonderes
Da der Roten Mordwanze auch wehrhafte Tiere wie Honigbienen zum Opfer fallen, scheut sie sich nicht, bei Bedrängung den Stechrüssel als Waffe zur Selbstverteidigung einzusetzen. Er durchdringt auch die menschliche Haut und kann Schmerzen ärger als ein Bienenstich verursachen.

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