Erz-Engelwurz

Angelica archangelica

Die Erz-Engelwurz zählt zu den Neubürgern unserer Flora. Als alte Heil- und Gemüsepflanze wurde sie in Bauern- und Klostergärten kultiviert und ist von dort verwildert. Mit einer beeindruckenden Höhe von bis zu 3 m ist die Erz-Engelwurz eine der mächtigsten krautigen Pflanzen im Nationalpark Donau-Auen.

Merkmale
Die aromatisch riechende Hochstaude erreicht eine Höhe von bis zu 3 m. Sie besitzt einen hohlen außen fein gerillten Stängel, der stark verzweigt ist. An den Stängelspitzen sind sehr große halbkugelige Blütendolden angeordnet. Sie bestehen aus kleinen grünlichweißen bis gelben Einzelblüten.

Die riesigen Laubblätter haben einen runden Blattstiel. Die stängelumfassenden Blattscheiden sind groß und bauchig aufgeblasen. Im Unterschied dazu hat die heimische Wild-Engelwurz (Angelica sylvestris) oberseits rinnenförmige Blattstiele. Die Wild-Engelwurz bleibt auch in allen Teilen deutlich kleiner. Sie erreicht eine Höhe von etwa 1,5 m.

Verbreitung
Ursprünglich war die Erz-Engelwurz in Nord- und Osteuropa, in den Sudeten und Karpaten beheimatet. Die Pflanze ist in Österreich inzwischen in Oberösterreich, Niederösterreich, Kärnten, Wien, Burgenland sowie vereinzelt in Salzburg anzutreffen. Es werden bei uns 2 Unterarten unterschieden. Die Küsten-Engelwurz, Angelica archangelica ssp. litoralis kommt etwa seit 1980 in den österreichischen Donau-Auen vor.

Gefährdung und Schutzstatus
Die Art ist nicht gefährdet.

Lebensweise
Die Erz-Engelwurz ist eine meist zweijährige Pflanze. Im 1. Jahr werden in der Regel nur Laubblätter und keine Blüten gebildet. Die im Herbst reichlich in der dicken Grundachse eingelagerten Reservestoffe werden im darauffolgenden Jahr für die Blüten und Samenbildung verbraucht. Unter ungünstigen Bedingungen kann es auch länger als eine Saison dauern bis die Pflanze zur Blüte gelangt. Die Erz-Engelwurz stirbt nach einmaligem Blühen und Fruchten ab.

Besonderes
Laut einer Sage soll der Erzengel Raphael selbst einen Einsiedler auf die Heilkraft der Pflanze aufmerksam gemacht haben. Die Erz-Engelwurz enthält in ihren Wurzeln die man im Herbst ausgräbt neben Stärke, Zucker und Pektin auch verschiedene organische Säuren und ätherische Öle. Aus ihr können Tinkturen zum Einreiben oder Medizin zum Einnehmen bei Koliken- und Lungenerkrankungen hergestellt werden.

Im Mittelalter wurde die Pflanze als Mittel gegen die Pest gehandelt. Man glaubte, dass alleine das Kauen der Wurzel vor Ansteckung schütze. Darüber hinaus ist die Erz-Engelwurz ein hervorragendes Wildgemüse. Ihr geschälter Stängel ist weich und saftig. Er soll nach Apfel schmecken. In Zucker eingelegte Stängelstücke werden zum Verzieren von Torten verwendet.

Neuigkeiten aus dem Nationalpark Donau-Auen Newsletter abonnieren