Flatter-Ulme

Ulmus laevis

Die Flatter-Ulme, wegen der Färbung des Holzes auch Weiß-Ulme genannt, ist die "kleinste" der 3 heimischen Ulmenarten und zerstreut vor allem in der Harten Au zu finden. Ihr deutlicher Ansatz zur Bildung von Brettwurzeln sowie ihre scheinbar höhere Widerstandsfähigkeit gegen das "Ulmensterben" machen sie zu einer auffälligen Erscheinung in den Donau-Auen.

Merkmale
Die Flatter-Ulme ist ein sommergrüner, mittelgroß bis groß wüchsiger Baum der eine Höhe von etwa 30 m und ein Alter von etwa 250 Jahren erreichen kann. Diese Art ist von der häufig mit ihr vergesellschafteten Feld-Ulme im Bestand durch ihre ausgeprägten brettförmigen Stützwurzeln, ihre starke Neigung zur Bildung von Wasserreisern und ihren unregelmäßigen Kronenaufbau zu unterscheiden.

Die Rinde ist anfangs glatt und bräunlich-grau, später wird sie zu einer längsrissigen, tief gefurchten, in flachen gekrümmten Schuppen abblätternden Borke. Die Flatter-Ulme bildet zunächst ein Pfahlwurzelsystem, in späteren Jahren zahlreiche tiefgehende Herzwurzeln und flachstreichende Seitenwurzeln. Die Knospen sind 4-6 mm lang, zugespitzt eiförmig bis kegelig mit rotbraunen, dunkelbraun berandeten Schuppen. Die Blätter sind 2zeilig gestellt. Diese sind am Grunde stark asymmetrisch, vorne kurz zugespitzt und etwa 8-13 cm lang. Sie sind oberseits matt glänzend dunkelgrün, unterseits heller und dicht graugrün behaart. Die Blätter fühlen sich weich an und haben einen scharf doppelt gesägten Blattrand mit nach vorne weisenden Zähnen.

Blütezeit ist im März/April vor dem Laubaustrieb. Die unscheinbaren zwittrigen Blüten stehen in überhängenden Büscheln in den Achseln der Knospenschuppen. Die im Mai/Juni reifenden, gestielten Früchte sind 10-12 mm lange, kahle am Rande silbrig bewimperte Flügelnüsschen, die kleiner sind als die der anderen Ulmenarten.

Das Holz hat einen gelblichweißen Splint, der etwa 2/3 der Stammdicke ausmacht und einen mattbraunen Kern. Es ist etwas weniger dauerhaft als das der Feld-Ulme.

Verbreitung
Die Flatter-Ulme ist hauptsächlich über Mittel- und Osteuropa verbreitet. Sie ist vor allem im Bereich der großen Flusstäler von Rhein und Donau anzutreffen. Sie wächst immer nur vereinzelt oder in kleinen Gruppen und ist nie bestandsbildend. Im Nationalpark kommt sie zerstreut vor, mit Schwerpunkt in der Frischen Harten Au.

Gefährdung und Schutzstatus
Obwohl sie vom "Ulmensterben" weniger stark betroffen sein dürfte, gilt sie dennoch in Europa und Österreich zumindest regional als gefährdet. In Kärnten, Tirol und Salzburg fehlend ist die Flatter-Ulme im Alpengebiet, dem Bereich der Böhmischen Masse sowie dem nördlichen und südöstlichen Alpenvorland als gefährdet eingestuft. In den Donau-Auen kommt sie zerstreut vor, findet sich jedoch noch nicht in einer Gefährdungsstufe.

Lebensweise
Die Flatter-Ulme ist eine Lichtbaumart und in sommerwarmen Klimalagen in Auwäldern der Stromtäler und kollinen Talgründen, besonders Eichen-Ulmen-Auwäldern, Schwarzerlen-Eschen-Auwäldern, Hartholz-Auwäldern, feuchten Mischwäldern und an Waldrändern anzutreffen. Hinsichtlich des Bodens ist sie anspruchsloser als die anderen Ulmen-Arten und wächst auf sickernassen, humosen, zeitweise überschwemmten nährstoff- und basenreichen sandigen oder reinen Lehm- oder Tonböden.

Im Nationalpark liegt ihr Schwerpunkt in der Frischen Harten Au, wobei bedingt durch das "Ulmensterben" großteils nur mehr relativ junge, mehr oder weniger krüppelig wachsende Bäume zu finden sind.

Besonderes
Die Flatter-Ulme gehört zu den wenigen heimischen Baumarten, die Anklänge einer Brettwurzelbildung zeigen. Ihr Holz ist weniger dauerhaft als das der Feld- oder Berg-Ulme, wird jedoch für Furniere, Möbel, Gewehrschäfte, Parkette, Täfelungen und mehr verwendet. Das Wurzelholz dient wegen seiner schönen Maserung für Drechsel- und Schnitzwaren.

Die Heilkraft des Baumes konzentriert sich auf seine innere Rinde, den Bast. Die enthaltenen Pflanzenschleime und Gerbstoffe wirken gleichzeitig adstringierend und schleimlösend. Auch Ulmenrindentee findet bei verschiedensten Erkrankungen, z. B. Magenschmerzen Anwendung. I

m Altertum symbolisierten Ulmen Trauer und Tod und waren wichtige Erscheinungen in der Mythologie. So galten sie z. B. als Baum des Götterboten Hermes. In vielen Kulturen, in deren Vorstellungen die Menschheit aus Bäumen geschaffen wurde, war die Ulme jener Baum der am Beginn des Menschheitsgeschlechts stand.

 

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