Gewöhnlicher Spindelstrauch, Pfaffenkapperl

Evonymus europaea (Euonymus europaea)

Der Spindelstrauch ist ein stark verzweigter sommergrüner Strauch von maximal 6 m Höhe, der bis tief in den Herbst durch seine attraktive rote Verfärbung sowie die leuchtend rosaroten Früchte auffällt. Obwohl im gesamten Auwald vorkommend, liegt sein Verbreitungsschwerpunkt in der Harten Au.

Merkmale
Der Spindelstrauch ist ein aufrecht wachsender, eher lockerer Strauch bis 6 m Höhe mit starkem Ausschlagvermögen. Die 4kantigen grau- oder rotbraun berindeten Äste sind sperrig abstehend, an ihnen finden sich fast rechtwinkelig abstehende, grünlich braune Seitenzweige. Ältere Sträucher haben eine graubraune längsrissige Borke.

Das flachstreichende Wurzelsystem ist intensiv verzweigt. Besonders im Freistand entwickelt der Spindelstrauch Wurzelbrut aus unverletzten Wurzeln. Die Knospen sind unbehaart, kegel- bis spitzförmig und werden höchstens 7 mm lang. Die Rinde der jungen oft mit Korkleisten versehenen Triebe nimmt auf der sonnenexponierten Seite eine rötlich-braune Farbe an.

Die Blätter sind gegenständig bis schief gegenständig, etwa 5-8 cm lang, 1,5-3,5 cm breit, an der Blattoberseite dunkler grün als an der Unterseite, haben einen gleichmäßig feingesägten Blattrand und verfärben sich im Herbst erst gelblich, dann leuchtend rot. In der Regel werden gelblich-grüne Zwitterblüten gebildet die zu mehreren an langgestielten Trugdolden stehen.

Die zur Reifezeit (August/Oktober) sehr auffälligen Früchte sind hängende, rosa-karminrote 4klappige Kapseln mit stumpfen oder gekielten Kanten, die an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher erinnern - Pfaffenkapperl. Das durchgehend gelbliche Holz ist von der Farbe nicht in einen Kern und Splint getrennt. Es ist zäh, schwer spaltbar, wenig dauerhaft und enthält weder Druck- noch Zugholz.

Verbreitung
Das Pfaffenkapperl ist in fast ganz Europa heimisch. Nur in Teilen des Mittelmeergebietes, in Schottland sowie im mittleren und nördlichen Skandinavien fehlt die Art. In Österreich in allen Bundesländern vorkommend und weit verbreitet, aber nicht immer häufig. Im Nationalpark verbreitet in den höher gelegenen Auwaldteilen. Als Zierstrauch eingeführt und bald verwildert gehört der Spindelstrauch heute im östlichen Nordamerika zur lokalen Flora.

Gefährdung und Schutzstatus
Weder in Österreich noch in Europa gefährdet.

Lebensweise
Der Spindelstrauch ist von der Ebene bis ins Gebirge (1200 m) anzutreffen. Er wächst bevorzugt in Laub- und Auwäldern, besonders Hartholz-Auwäldern, feuchten Hainbuchen- und Buchenwaldgesellschaften, an Ufern, Waldrändern, Hecken und in Gebüschen. Er liebt nährstoffreiche, frische, kalkhältige, tiefgründige Lehmböden. Im Nationalpark bevorzugt er die Standorte der Harten Au und erstaunt durch seine konstante Verjüngung.

Besonderes
Das Holz wurde früher von Schreinern, Drechslern und Instrumentenbauern (Orgelpfeifen) geschätzt. Da das Holz wie alle Pflanzenteile giftig ist kam es allerdings immer wieder zu Erkrankungen, hervorgerufen durch Holzspäne, vor allem bei Drechslern. Auch Spindeln wurden daraus gemacht, was dem Strauch seinen Namen einbrachte.

Bedeutung hatte das Holz auch als Ausgangsmaterial für hochwertige Holzkohle von gleichmäßiger Struktur, die als Zeichenkohle gut geeignet war. In früheren Zeiten verwendete man die getrockneten und zermahlenen Früchte als Insektizid gegen Läuse.

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