Schlehdorn

Prunus spinosa

Der Schlehdorn ist ein weit verbreiteter, sommergrüner, mittelgroßer und stark verzweigter Dornstrauch. Er breitet sich mit seinem weitreichenden Wurzelwerk durch Schößlinge und Stockausschläge rasch aus und bildet oft ausgedehnte, schwer zu durchdringende Hecken die wichtige Vogelschutzgehölze darstellen. Im Nationalpark wächst der vor dem Laubaustrieb prachtvoll weiß blühende Strauch vor allem an Standorten der Harten Au und des Hangwaldes.

Merkmale
Der Schlehdorn ist ein sommergrüner, langsam wachsender, sparrig verzweigter, maximal 6 m hoch werdender Strauch dessen kleine Äste in zahlreichen, fast rechtwinkelig abstehenden Kurztriebdornen enden. Er ist ein ausgesprochener Flachwurzler und bildet ein weitreichendes Wurzelwerk mit zahlreichen Schößlingen (Wurzelkriechpionier). Die Zweige sind kantig-rund und rötlichbraun, die älteren Äste und Stämmchen haben eine rußig schwarzbraune Rinde, die später in schmale Streifen zerreißt.

Die kleinen Knospen sind kugelig-eiförmig, Laubknospen werden oft von 2 Blütenknospen flankiert. Die wechselständigen oft büschelig angeordneten Blätter sind weich, von eliptischer Gestalt, maximal 5 cm lang und bis 2,5 cm breit, oberseits dunkelgrün und kahl, unterseits blassgrün. Der Blattrand ist fein gesägt oder gekerbt. Der Schlehdorn entfaltet von März (vor dem Laubaustrieb) bis Mai seine üppige schneeweiße Blütenfülle. Die meist einzelstehenden, an den Kurztrieben büschelig gehäuften Blüten duften intensiv und stellen im zeitigen Frühjahr eine wichtige erste Bieneweide dar.

Die dunkelblauen kugeligen Steinfrüchte haben eine Größe von 1-1,5 cm, stehen allseitig ab, reifen im September/Oktober und verbleiben lange am Strauch. Das Vitamin C-reiche Fruchtfleisch schmeckt sehr herb, erst nach Frosteinwirkung nimmt es an Süße zu.

Das harte feinfaserige Holz besteht aus einem rötlichen Splint und einem schwarzbraunen Kern. Es läßt sich gut polieren und ist ein gesuchtes Drechslerholz.

Verbreitung
Der Schlehdorn ist in fast ganz Europa beheimatet, er fehlt nur im äußersten Norden und auf Island. In Österreich in allen Bundesländern vorkommend findet man ihn im Gebiet des Nationalparks vor allem in Bereichen der Harten Au und des Hangwaldes sowie an sonnigen Waldsäumen. In Nordamerika ist die Art aus Kultur verwildert und kommt heute in SO-Kanada und im Nordosten der USA vor.

Gefährdung und Schutzstatus
Weder in Österreich noch in Europa gefährdet.

Lebensweise
Der Schlehdorn bevorzugt nährstoff- und basenreiche, humose oder trockene, gut durchlüftete Böden in sonniger Lage. Er wächst in lichten Laubwäldern, an Waldrändern, auf Trockenhängen, in Hecken und Gebüschen sowie in trockenen Flussauen. Er ist hinsichtlich der Bodenfeuchte sehr anpassungsfähig und vom Tiefland bis in Höhen von 1400 m anzutreffen.

Besonderes
Die Vitamin C-reichen Früchte lassen sich zu Mus, Säften, Kompott und Marmelade verarbeiten und dienen auch zur Herstellung von Schnäpsen und Likören. Der Schlehdorn gehört zu den Kulturpflanzen die schon seit der Jungsteinzeit als Nahrungsmittel gedient haben. Schon im Altertum als Heilpflanze bekannt, finden heute in der Naturheilkunde die Blütenknospen, Blätter, Früchte und die Rinde Verwendung. Ihre Inhaltsstoffe wirken harntreibend, schwach abführend und blutreinigend.

Im Mittelalter wurde aus der Rinde die sogenannte rotbraune Dornentinte gewonnen. Sie war lichtecht und wasserfest und wurde vor allem von Mönchen benutzt.

Durch das weitreichende Wurzelwerk und seine Fähigkeit, sich durch Wurzelschößlinge und Stockausschläge rasch auszubreiten wird der Schlehdorn häufig zur Befestigung von Hängen gepflanzt. Dichte Schlehdorngebüsche stellen auch wertvolle Vogelschutzgehölze dar.

Neuigkeiten aus dem Nationalpark Donau-Auen Newsletter abonnieren