Schwarzes Bilsenkraut

Hyoscyamus niger

Das Schwarze Bilsenkraut kennt man vor allem wegen seiner Giftigkeit, es hat jedoch auch ein sehr auffälliges Erscheinungsbild. Im Mittelalter war es diese Pflanze Favorit der Giftmischer. Eine leichte Vergiftung kann nämlich Symptome verursachen, die auf Verrücktheit hinweisen.

Merkmale
Die Pflanze ist zottig und wird bis zu 60 cm hoch. Die Blüten haben eine violette Äderung auf schmutzig-gelber Farbe und sitzen in den Achseln der Blätter. Der Schlund der Blüten ist tief purpurfarben.

Die Laubblätter sind buchtig gezahnt und länglich, wobei unten an der Pflanze Stiele für die Blätter vorhanden sind und oben das Blatt den Stängel umfasst. Es kann ein stark aromatischer Geruch wahrgenommen werden.

Verbreitung
Das Schwarze Bilsenkraut kommt in ganz Europa vor, es ist jedoch ziemlich selten zu finden.

Gefährdung und Schutzstatus
Es liegt keine Gefährdung vor.

Lebensweise
Das Vorkommen beschränkt sich auf sehr stickstoffhaltigen Boden an Wegen, auf Schuttplätzen oder an Mauern. Die Pflanze fungiert als Stickstoffzeiger, ist wärmeliebend und braucht einen sonnigen Standort.

Die von Juni an blühende Pflanze entwickelt eine Frucht mit mehr als 200 kleinen Samen.

Besonderes
Das Schwarze Bilsenkraut enthält (S)-Hyoscyamin und Scopolamin. Die höchste Konzentration dieser Giftstoffe ist in den Samen enthalten. Diese können leicht mit Mohnsamen verwechselt werden. Zu den Vergiftungserscheinungen zählen Pulsbeschleunigung, Bewusstseinsstörungen bis hin zu einem narkoseähnlichen Schlaf. Bei entsprechender Menge der Giftstoffe, bei Scopolamin 50 mg, kann der Tod eintreten.

Obwohl es sich um eine sehr giftige Pflanze handelt, sind die medizinischen Eigenschaften schon seit Jahrtausenden bekannt. Besonders bei chirurgischen Eingriffen, wo die narkotische Wirkung gefragt war, griff man sehr gerne auf sie zurück.

Auch im Aberglauben und Hexenkult kam Hyoscyamus niger immer wieder vor. Die Pflanze war neben vielen anderen Zutaten ein wichtiger Bestandteil der Hexensalben. Die dadurch aufgetretenen Rauschzustände ließen den Anwender glauben, dass er fähig sei durch die Luft zu fliegen oder dass man sich nun in Tiere verwandelt hätte.

Bis zum 17. Jahrhundert wurde dem Bier der Samen des Schwarzen Bilsenkrautes zugesetzt, um die Wirkung zu verstärken. Durch ein Reinheitsgebot wurde dieser Zusatz verboten.

Da die Inhaltsstoffe auch für Mäuse und Ratten giftig sind, fand das Schwarze Bilsenkraut als Bekämpfungsmittel gegen Nager Einsatz.

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