Wasserpflanzen – Zwerg-Rohrkolben

Typha minima

Der Zwerg-Rohrkolben ist eine Pionierart die an großen dynamischen Flusssystemen vorkommt. Er gehört zur Familie der Rohrkolbengewächse (Typhaceae) und ist gut an seinen fast kugelrunden Fruchtständen zu erkennen.

Merkmale
Mit einer Höhe von nur 25 bis 75 cm ist er die kleinste der heimischen Rohrkolbenarten. Die Blätter sind schmal und blaugrün, sie erreichen bis zu 30 cm Länge.

Die weiblichen Blüten bilden einen kugeligen, braunschwarzen Kolben. Darüber befinden sich durch einen kurzen Sprossabschnitt getrennt die männlichen Blüten.

Verbreitung
Angepasst an wechselnde Wasserstände kommt er überwiegend in strömungsberuhigten Nebenarmen oder neu entstandenen Altarmen auf sandigen Rohböden am Ufer vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang großer Flusssysteme in Europa und Asien wobei es sehr lückenhaft ist. In Österreich gibt es natürliche Vorkommen nur noch am Lech und am Vorarlberger Rhein.

Im Nationalpark Donau-Auen gibt es aufgrund der Donauregulierung keine natürlichen Vorkommen des Zwerg-Rohrkolbens mehr. Durch zahlreiche Renaturierungsprojekte und Gewässervernetzungen hat sich jedoch die Lebensraumqualität wieder erhöht. Eine Selbstansiedlung ist trotz der verbesserten Bedingungen dennoch auszuschließen, da die letzten Bestände in Österreich für eine natürliche Ausbreitung zu weit entfernt liegen. Im Nationalpark werden daher im Rahmen eines LE-Projektes, finanziert durch das Land Niederösterreich und die Europäische Union, Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederansiedlung der Art durchgeführt.

Gefährdung und Schutzstatus
Der Zwerg-Rohrkolben ist europaweit gefährdet. In Österreich gilt er in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht. In Niederösterreich gilt er als ausgestorben oder verschollen und ist eine gänzlich geschützte Pflanzenart.

Er ist eine konkurrenzschwache Art, regelmäßige Hochwässer erleichtern sein Fortbestehen. Durch die zeitweise hohen Wasserstände in seinem Lebensraum können andere Pionierarten wie Weiden oder Pappeln den Zwerg-Rohrkolben nicht überwachsen und verdrängen. Aufgrund der Verschiebung des Bodenmaterials durch regelmäßige Hochwasser ist der Zwerg-Rohrkolben jedoch wenig standorttreu und auf ständig neu entstehende Pionierflächen angewiesen. Da diese Dynamik durch Flussregulierungen stark eingedämmt wird geht der Lebensraum verloren.

Lebensweise
Der Zwerg-Rohrkolben ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit unter Wasser liegenden Überwinterungsknospen. Er vermehrt sich über Ausläufer (Rhizome) sowie mittels Bestäubung. Die Haupt-Blühperiode dauert von Mitte April bis Juni. Im August kann es zu einer weiteren Blütephase kommen.

Besonderes
Seit 2011 wird im Nationalpark Donau-Auen der Zwerg-Rohrkolben vermehrt und aufgezogen. Das Ausgangsmaterial stammt von einem natürlichen Vorkommen im Lechtal. Auf schwimmenden Beeten und an künstlich angelegten sandigen Uferbereichen kann seitdem unter kontrollierten Bedingungen der Rohrkolben wachsen und wird an geeigneten Standorten ausgebracht. Die konkurrenzschwachen und lichtbedürftigen Keimlinge und Jungpflanzen werden in den ersten Jahren der Ausbringung gepflegt, um eine mögliche Etablierung zu fördern. So werden andere Pflanzen, insbesondere Weiden die mit ihnen um das Licht konkurrieren würden, im Bereich der Ausbringungen gejätet. Die getätigten Maßnahmen und die Entwicklung der Pflanzen auf den Ausbringungsflächen werden regelmäßig kontrolliert und dokumentiert.

Um auf die Art und die Bedeutung von Flussdynamik aufmerksam zu machen, werden weiters Pflanzen auf der Schlossinsel präsentiert. Zusätzlich werden Gäste und Wissenschaftler bei Exkursionen auf den Zwerg-Rohrkolben und die Schutzmaßnamen aufmerksam gemacht. Auch werden bei der Pflege der Art teilweise Freiwilligengruppen eingesetzt.

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