Cookies 🍪

Diese Website verwendet Cookies, die Ihre Zustimmung brauchen.

Zum Inhalt springen

Blog

24.04. 2026

30 Jahre Nationalpark Donau-Auen – aus der Sicht von Bernd Lötsch

Abendstimmung in der Aulanschaft des Nationalparks

Gerne erinnere ich mich als Zeitzeuge an die Aubesetzung und die Rolle von Konrad Lorenz, zugleich die Verhandlungen mit der Regierung im nächtlichen Parlament, die Erstellung eines Konfliktlösungsmodells ohne Gesichtsverlust und schlussendlich - nach Jahren (auch meiner) Planung: die Gründung des Nationalparks Donau-Auen. Das Jubiläum ist ein Anlass, all dies zu feiern.

Der Kampf für den Auen-Nationalpark wurde auch zu einem der spannendsten Wendepunkte meines Lebens. Zunächst - die Aubesetzung, für viele völlig überraschend - und doch von genialen Widerständlern wie Günther Schobesberger schon länger vorbereitet.

Dann unsere Verhandlungen mit der geschockten Bundesregierung im meist nächtlichen Parlament. Die Warnungen unserer ideellen Vatergestalt, des zutiefst besorgten Auenkenners, Fürsprechers, zugleich Aggressionsforschers Konrad Lorenz, uns jeder physischen Gewalt strikt zu enthalten - seine Worte, von Lager zu Lager verlesen und befolgt (entgegen drohenden Rodungstrupps mit ihren Motorsägen).

Schließlich ein „Weihnachtsfriede“ - Zeit für mein Gespräch mit Dr. Pusch, Kabinettchef von Sinowatz, für eine 10 Punkte Konfliktlösung (bei mir zuhause, meine Frau schmückte dahinter den Baum). Der Kanzler wusste offenbar schon, dass der Verwaltungsgerichtshof das Stauwerk ablehnen werde (aufgrund der Klage des WWF nach dem Wasserrechtsgesetz), und so hatte Sinowatz den sympathischen Wunsch nach einem medienwirksamen Friedenstreffen mit Konrad Lorenz.

Bei diesem tatsächlich dann im „Martinschlössl“ in Klosterneuburg stattfindenden Medienereignis (der Ort „exakt zwischen Bundeskanzleramt und Lorenz-Villa Altenberg“ gewählt -) erklärte Lorenz - tief gerührt vom Einlenken des Bundeskanzlers -, dass für einen Dauererfolg nur die Rechtsform eines Nationalparks nach US-Muster infrage käme, und nannte als Beispiel den Feuchtgebietsnationalpark Florida Everglades - vergleichbar deshalb, weil dieser auch in unmittelbarer Nähe einer Millionenstadt, und zwar Miami liegt. Lorenz riet dem Kanzler, er solle „Bernd Lötsch zur Recherche in die USA entsenden“... Ich verlangte die Begleitung durch Peter Weish und den Biologen und Organisator des gewaltfreien Widerstands Günther Schobesberger. Der Kanzler stimmte zu - bis auf die Mitnahme von Schobesberger, den wir anders finanzierten. Günther erwies sich dann überdies als idealer „Reiseleiter“, da er früher in Florida gelebt hatte.

Alle beim US Nationalpark Service gewonnenen Erfahrungen flossen in unsere mehrjährige Planung für den Nationalpark Donau-Auen ein, die wir neben meinem Vorsitz in der Ökologiekommission des Bundeskanzlers für den Donauraum östlich von Wien innehatten. Dabei konnten wir auch die US-Erfahrungen zu Pflichten, Bildung und Berufsbild der Nationalpark-Ranger(innen) in die von uns eingeführte Ausbildung für die Donau-Auen einfließen lassen. Dies geschah auch in amikaler Abstimmung mit den Vorerfahrungen der Rangerschulung Österreichischer Schutzgebiete (Hohe Tauern) und läuft ja mittlerweile in Orth an der Donau, wo sie sich sehr gut weiterentwickelt.

Den Bau-Stopp des verheerenden Stauprojekts hatte die beherzte Aubesetzung Winter 1984 innerhalb weniger Wochen erreicht - für den Auennationalpark hingegen brauchte es noch 12 Jahre! Aber der sollte dann ja halten! Schön, dass selbst die Wiener Lobau noch „Nationalpark-würdig“ war - werde die Stadtpolitik aber auch auf Dauer „Nationalpark-fähig“ sein?, fürchteten lästige Zweifler.

Entscheidend für die Durchsetzung des Nationalparks war die Verhinderung eines „Ersatz“stauwerkes bei Wildungsmauer - und dies gelang uns durch einen -zig Millionen Deal mit dem Grundbesitzer Abensperg-Traun: Er solle seinen vom neuen Stauprojekt betroffenen Auenteil nicht an dubiose Zwischenkäufer, sondern lieber an den WWF verkaufen. Doch woher die 70 Millionen Schilling nehmen - oder wenigstens die Anzahlung der ersten 10 Millionen? Wer würde dafür bürgen - Kredit für einen Schutzkauf?

/assets/blog/20260424_loetsch/Pressekonferenz-der-Tiere.jpg

Die Pressekonferenz der Tiere

/assets/blog/20260424_loetsch/Hundertwasser-und-Lotsch.jpg

Im Boot mit Friedensreich Hundertwasser

/assets/blog/20260424_loetsch/Natur-freikaufen-mit-WWF-Harmer.jpg

Die Aktion 'Natur freikaufen' mit WWF Präsident Gustav Harmer

/assets/blog/20260424_loetsch/Grundung-NPDA.jpg

Handschlag zur Nationalparkgrundüng 1996 mit Minister Martin Bartenstein, NÖ LH Erwin Pröll und Bgm. Michael Häupl

/assets/blog/20260424_loetsch/Im-NPHT-1999.jpg

Leitsystem-Präsentation im Nationalpark Hohe Tauern 1999

/assets/blog/20260424_loetsch/Besuch-LH-Prolll.jpg

NÖ LH Erwin Pröll zu Besuch im jungen Nationalpark

/assets/blog/20260424_loetsch/Rangerlehrgang,-Withalm.JPG

Mitwirkung bei einem Rangerlehrgang - Bootstraining

/assets/blog/20260424_loetsch/Jahrestagung-NPs-Austria.JPG

Jahrestagung Nationalparks Austria, mit Claudia Roson und Martin Hartmann

/assets/blog/20260424_loetsch/Petroneller-Au-2016.jpg

Gebietserweiterung Petroneller Au 2016 mit LH StV Stephan Pernkopf, Nationalparkdirektor Carl Manzano und Fam. Abensperg-Traun

/assets/blog/20260424_loetsch/Mit-Edith-Klauser.jpg

Mit Nationalparkdirektorin Edith Klauser

/assets/blog/20260424_loetsch/Geburtstagsfest-25-Jahre-NPDA.jpg

Gruppenfoto der Ehrengäste beim Fest zu 25 Jahren Nationalpark Donau-Auen

/assets/blog/20260424_loetsch/Bernd-Lotsch-heute.jpg

Weiterhin im Einsatz für die Aulandschaft

Hier schlug eine große Stunde des WWF Österreich, wie schon Jahrzehnte zuvor in der Marchegger Au zur Rettung unserer berühmten Storchenkolonie. Nun ging es um viel mehr - doch einer zweiten Aubesetzung hätte das Überraschungsmoment gefehlt. „NATUR? FREIKAUFEN“, „BESITZEN STATT BESETZEN“, „KAUFEN STATT RAUFEN“, „EINE NATION KAUFT IHREN NATIONALPARK“, „Schulden machen um nicht schuldig zu werden…“. WWF Österreich Präsident Dr. Harmer bürgte persönlich für die von uns initiierte Großspendenaktion „Natur Freikaufen“ – der ORF und Dichands Kronenzeitung führten sie zum Erfolg.

Ich schäme mich nicht der Freudentränen bei meinem „Nationalpark-Handschlag“ mit Wiens Bgm. Häupl, Umweltminister Bartenstein, NÖs LH Pröll 1996 auf der Festung Hainburg.

Gleichzeitig mit diesem Artikel formuliere ich jedoch eine Streitschrift an die Gemeinde Wien, wo man den vielleicht kostbarsten Teil des Auennationalparks, die Untere Lobau, mit absurden Begründungen sehenden Auges vertrocknen lässt. Die skandalöse Austrocknung gefährdet nun alles - die Untere Lobau bräuchte eine Wasserdotation von oben (für die sogar der Stauraum Freudenau dienen könnte), weil die Donau inzwischen - erwartungsgemäß - deutlich tiefer liegt. Ein Stadt-Hygieniker fürchtet nun „Mikroben bei Überschwemmung und Dotation“. Die gab‘s doch immer! - Man kontrollierte sie und ihr Abklingen, nach ein paar Wochen gingen der oder die Brunnen wieder in Betrieb. Der Lobauanteil am Wiener Wasser liegt ohnehin nur bei Prozenten, weit abgeschlagen hinter zwei Hochquell- und mehreren Grundwasserwerken, die Wien beliefern. Das einmalige Feuchtgebiet auf Wiener Boden entscheidet über den ganzen Nationalpark - denn ohne Lobau wäre die Schutzfläche in Wien plus den NÖ Auen für die weitere Anerkennung als Nationalpark durch die IUCN in Gland/Genf viel zu klein.

Es gibt also viel Erfreuliches zu erinnern - aber angesichts der rasant trockenfallenden Auen dringende Herausforderungen, die eine schärfere Gangart erfordern. „Lieb sein hilft hier gar nichts. Lieb sind die Politiker selber…“.

Mit besten Jubiläumsgrüßen Ihr/ Euer Bernd Lötsch
Dr., Univ.Prof. 1973-1994 Boltzmann & ÖAW Institut für Umweltwissenschaften und Naturschutz, Vorsitzender der Ökologiekommission der Bundesregierung für den Donauraum östlich Wiens, Nationalpark-Beauftragter der Umweltminister Flemming und Kreuzer für die Donau-Auen, Gründer des Nationalparkinstituts Donau-Auen mit Kursstätte Petronell, Initiator der erfolgreichen Spendenaktion des WWF „Natur Freikaufen“ mit Dr. Harmer, Generaldirektor des NHM Wien1994-2005, Vermittler der Einbringung der Petroneller Au in den Nationalpark durch Carl Abensperg-Traun.

Fotos: Gamerith, Isensee, Kargl, Kern, Kovacs, Kracher, Lötsch, NPI, NPs Austria, Popp, Withalm

Kommentar posten

Neuigkeiten aus dem Nationalpark Donau-Auen Newsletter abonnieren